Bono von U2
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Es ist immer ein Ereignis, wenn die Herren Bono, The Edge & Co. ein neues Werk veröffentlichen. In diesem Fall ist das Studioalbum Nr. 14: "Songs of Experience", im Grunde das Zwillingsalbum zum Vorgänger "Songs of Innocence".

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„Fans bekommen ein solides U2-Werk in die Hand“ Zitat von hr1-Musikredakteur Martin Kersten
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U2: "Songs of Experience"
Label: Island/Universal
VÖ: 1.12.2017

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Auch 40 Jahre nach der Bandgründung, 30 Jahre nach "The Joshua Tree" und 26 Jahre nach "Achtung Baby" schaut, bzw. hört die interessierte Öffentlichkeit sehr genau auf das, was da kommt von U2 – einer der größten und dienstältesten Rockbands der Welt.

Worte, mehr oder weniger poetisch, sind bei U2 immer ein wichtiger Teil des Ganzen. Natürlich pilgern die Fans vor allem wegen des hymnischen Stadionrocks, für die das Quartett aus Dublin berühmt ist, in die Arenen. Und sie werden auch diesmal auf ihre Kosten kommen. Aber Paul David Hewson wäre nicht Bono, wenn er sich nicht zuverlässig zu Wort melden würde, wenn irgendwo auf der Welt was schief zu laufen droht. In dem Fall der Brexit. Und natürlich Trump! Das neue Album war schon ziemlich weit gediehen, als diese zwei Ereignisse die Politwelt überraschten. U2 legten das Material erst mal auf Eis und sollen dann einige Parts noch mal umgeschrieben haben.

Bono scheint noch mehr im Vordergrund zu stehen

So sind die "Songs of Experience" ein ganzes Stück politischer und wütender geworden als das wohl ursprünglich geplant war. Der Frust musste offenbar raus, und so kommt es zum Beispiel dazu, dass US-Rapper Kendrick Lamar, bekannt für seine sozialkritischen Texte, in dem U2-Song "American Soul" einen Auftritt bekommt. Ein Song, der Donald Trump anklagt, den großen amerikanischen Traum von der Freiheit zu verraten. Und ein Song an die Adresse der Amerikaner, den Lügen nicht länger Glauben zu schenken, endlich aufzuwachen und Widerstand zu leisten.

Songs of Experience
Bild © Island/Universal

Andere Songs ("The Blackout") gehen in eine ähnliche Richtung, aber es gibt auch wieder Liebeserklärungen an Bonos Frau ("Landlady") und an seine Familie ("You’re the best thing about me"). Gerade in Zeiten wie diesen, so der Sänger, sei es besonders wichtig für jeden, sich gegenseitig der Zuneigung zu versichern. Überhaupt: Bono. Er scheint bei diesem Album noch mehr im Vordergrund zu stehen, als sonst. Seine Stimme ist präsent und immer noch sehr geschmeidig, er bestimmt die Themen und den Klang der Songs, die markante Gitarre von The Edge muss demgegenüber einen deutlichen Schritt zurück treten.

Wer von U2 erwartet hatte, dass sie nach 40 Jahren Bandgeschichte das Rad noch mal neu erfinden würden, der muss sich enttäuscht fühlen. Alle andern aber bekommen ein solides U2-Werk in die Hände, das zwar nicht an die Glanzzeiten von "Joshua Tree" heranreichen kann, aber den Kritikern der Band ins Stammbuch schreibt: Den Abgesang auf eine der größten Rockbands der Welt müsst ihr noch mal verschieben!

Sendung: hr1, hr1-Start, 1.12.2017, 7:45 Uhr

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