Humor
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Studien zum Thema Humor gibt es mittlerweile in großer Zahl: Während Männer eher Witze reißen, lachen die Frauen lieber nur darüber. Männer machen sich eher über andere Personen lächerlich, Frauen lachen über sich selbst und setzen auf Ironie. Bei der Diskussion scheiden sich die Geister. Wir erzählen Ihnen lieber, wie unterschiedlicher Humor überhaupt entsteht.

Beim Lachen werden insgesamt etwa 80 Muskeln bewegt. Im Gehirn aktivieren sich währenddessen folgende Bereiche: Die Gefühlszentrale des Gehirns, Bereiche im Mittelhirn, die auf Belohnung reagieren und frontale Areale, die bewusst Gefühle erkennen können. Im Fachjargon ist das die Amygdala, die Insula, der untere frontale Gyrus und der vordere zinguläre Kortex - nur zur Vollständigkeit.

Anders läuft dies widerum ab, wenn wir einen Witz verstehen. Hier werden Areale im Frontal-, Mittel- und Kleinhirn sowie im Schläfen- und Scheitellappen aktiv. Je nachdem, ob Sie den Witz hören oder sehen, kommen Bereiche des jeweiligen Sinneskanals hinzu.

Unklar bleibt dabei, wie die jeweiligen Hirnregionen genau oder in welcher Ausprägung zusammenspielen - und ebenso welche Art von Humor anschließend wirklich dabei herauskommt. "Er hat keinen Sinn für Humor" ist daher eher bedingt möglich.

Das Inkongruenzprinzip

Inkongruenz ist der Mechanismus, auf dem ein Witz basiert. Der Begriff bezeichnet eine Nichtübereinstimmung oder eine Deckungsungleichheit. Einfacher gesagt: Sie haben sich eine Vorstellung aufgebaut und diese wird nun über den Haufen geworfen. Um das Verhältnis zwischen erwartetem und tatsächlichem Stimulus auszugleichen, aktiviert das Gehirn Regionen, die mit Belohnung und Emotion in Verbindung gebracht werden. Das Hirn wandelt demnach Unsinn in eine Art Wohlgefühl, das durch eine Pointe auf überraschende Weise gelöst wird.

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Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller (1883 - 1934)

"Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt."

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Die Superioritätstheorie

Humor
Schadenfreude ist die Freude über das Missgeschick anderer. Bild © Imago

Bereits für Aristoteles war der Humor ein Ausdruck von Überlegenheit: Über andere lachen und sich selbst damit erhöhen, wie bei dem klassischen Ausrutscher auf der Bananenschale. Geläufiger als die Superioritätstheorie, aus dem Lateinischen "superior" für "überlegen", ist weitgehend die Schadenfreude.

Ausdruck von Triebregungen

Humor
Einige bewegen sich trotz Humor auf dünnem Eis Bild © Imago

Häufig werden Dinge, die gesellschaftlich nicht unbedingt akzeptiert werden, auf humorvolle Weise angesprochen. Sexistische oder rassistische Themen finden daher oft in Witzen ihren Audruck. Diese Theorie basiert auf Annahmen von dem 1939 verstorbenen Neurologen und Psychologen, Sigmund Freud.

Wer lacht über was

Obgleich welche der drei zuvor genannten Kategorien zum Einsatz kommen, die Zielgruppe ist dadurch noch nicht definiert. Kinder verstehen beispielsweise keine Ironie, sie brauchen nämlich eine Auflösung des Witzes. Frage-Antwort-Witze oder Clown-Humor sind hier angebracht. Experten nennen ein Alter von sieben oder acht Jahren, in dem Kinder lernen, Absichten und Auffassungen anderer Menschen zu deuten.

Forschern zufolge gibt es vier Humor-Kategorien: Selbstaufwertung (self-enhancing), Verbesserung sozialer Beziehungen (affiliative), Witze auf Kosten anderer (aggressive) oder auf eigene Kosten (self-defeating). Einige Experten gehen noch weiter und verknüfen diese Stile mit Extrovertiertheit und Introvertiertheit. Introvertierte Menschen können zum "self-enhancing"-Typ gehören, neigen in der Gruppe aber zu aggressivem Humor. Weil viele Menschen oft Stress bedeuten, schützen sie sich mit diesem Stil. Der soziale Humor hingegen ist überwiegend extrovertierten Menschen zugeschrieben.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 12.02.2018, 10 Uhr

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