Das Cover von Juli Zehs "Leere Herzen"
Bild © Verlag

Spätestens seit dem hochgelobten Bestseller "Unterleuten" kennt man Juli Zeh als eine, die bei politischen und gesellschaftlichen Themen engagiert mitdiskutiert. Das neue Buch klingt nach Melodram mit Herzschmerz, ist aber ein handfester Politthriller.

Zitat
„Ein tolles Buch – gleichzeitig spannend und unterhaltsam, aber auch beinhart politisch“ Zitat von Stefan Sprang
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Information

Juli Zeh: "Leere Herzen"
Politthriller, 352 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 978-3-630-87523-1
Preis: 20 Euro

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Auch Schmerz ist dabei in Juli Zehs neuem Buch: Der Schmerz der Autorin über die gesellschaftliche Lage in Deutschland, wo Populisten an Wahlabenden feiern, während das, sagen wir mal, wohlhabende neue "Sushi-Bionade"-Bürgertum vor allem um sich selber kreist. Oder anders gesagt: "Leere Herzen" ist ein handfester Politthriller inklusive Action und Gewalt.

Juli Zeh
Die Autorin Juli Zeh Bild © Imago

Wir sind ein paar Jahre weiter in der Zukunft. Eine Partei "Bündnis Besorgter Bürger" ist an der Macht und krempelt den Staat langsam aber sicher um. Und zwar in die nationale Richtung. Die AfD und Alice Weidel lassen grüßen. Hauptfigur ist Britta, sie hat eine nach außen hin honorige Therapie-Praxis namens "Die Brücke". Die kümmert sich um potentielle Selbstmörder.

Ich muss es hier schon verraten: Das große Geld machen Britta und ihr Partner aber mit denen, die man nicht vom Selbstmord abhalten kann. Diese Kandidaten vermitteln sie klammheimlich als Selbstmordattentäter zum Beispiel an militante Umweltschützer oder die Überreste des Islamischen Staats, der nicht klein beigeben will.

Konsequent provokant

"Leere Herzen" ist eben auch Gesellschaftssatire. Das ist konsequent und provokant gedacht von Juli Zeh. Sie spielt durch, wie wir ticken. Da heißt es einmal ganz treffend: Jede Gesellschaft braucht offenbar eine juckende Stelle, um sich gelegentlich ausgiebig zu kratzen. Das ist eben das Bedrohungsgefühl. Es darf nur nicht zu schlimm werden: Anschläge ja, aber nicht zu viele Opfer. Richtig dramatisch wird es, als die "Brücke" Konkurrenz bekommt von einer Gruppe, die es wirklich ernst meint.

Bei der Lektüre von "Leere Herzen" kommt man wirklich ins Nachdenken darüber, ob sich bei uns nicht zu viele eingerichtet haben in selbst gebastelten Idyllen mit der Haltung: "Ach, ist doch egal, machen kann man eh nichts". Also: Daumen mehr als hoch!

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 15. November 2017, 10 Uhr

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