Krumpeliger Wahlzettel
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Etwa 61,5 Millionen Wahlberechtigte gibt es zur Bundestagswahl nächsten Sonntag. Voraussichtlich werden aber über 15 Millionen Wahlberechtigte kein Kreuzchen machen. Wer das ist und warum viele Bürger nicht wählen, lesen Sie hier.

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Stellt man sich den durchschnittlichen Nichtwähler vor, so denken die meisten an Schlagworte wie Politikverdrossenheit und Bildungsferne, an Geringverdiener oder Arbeitlose. Eine Studie der Friedrich Ebert Stiftung, die sich der politischen Bildung und Beratung verschrieben hat, bestätigt dieses Bild. Der durchschnittliche Nichtwähler hat keine Arbeit oder ist angestellt, zwischen 45 und 59 Jahren, ohne Abitur oder universitären Abschluss und hat ein Nettoeinkommen von maximal 2.000 Euro. Generell wählen mehr Frauen als Männer nicht.

Auch wenn das nur der Durchschnitt von statistischen Erhebungen ist und nicht auf jeden Einzelnen zutrifft: Insgesamt erfüllt sich das Klischee vom Nichtwähler. Die Studie zeigt, dass im Schnitt 53 Prozent der Wähler einen höheren Bildungsabschluss haben, wogegen es bei den Nichtwählern nur knapp 39 Prozent sind.

Durch die zunehmend alternde Bevölkerung ist auch der Anteil der Nichtwähler eher im mittleren bis fortgeschrittenen Alter groß: 29 Prozent der Nichtwähler sind zwischen 18 und 44 Jahren alt, 39 Prozent zwischen 45 und 59 und die übrigen 32 Prozent sind 60 Jahre und älter. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten in diesem Jahr unter 40 Jahren alt ist.

Vier Arten von Nichtwählern

Politikwissenschaftler unterscheiden in der Regel zwischen vier Typen von Nichtwählern:

  • Abwägende Nichtwähler entscheiden alle vier Jahre aufs Neue, ob sich die Wahl für sie und ihre Interessen lohnt.
  • Gleichgültige Nichtwähler haben keinerlei politisches Interesse oder keine Motivation, sich über Politik zu informieren.
  • Unzufriedene Nichtwähler sind mit Politikern, Parteien oder dem gesamten politischen System nicht einverstanden. Häufig sind sie trotzdem politisch interessiert und gehen aus Protest nicht zur Wahl.
  • Verhinderte Nichtwähler sind solche, die keine Möglichkeit haben zur Wahl zu gehen. Durch Krankheiten, Unfälle, noch nicht registrierte Todesfälle oder ähnliche Gründe können diese Wahlberechtigten keine Stimme abgeben. Die verhinderten Nichtwähler sind die große Unkonstante bei jeder Wahl, sie verfälschen sämtliche Statistiken und sind in der Summe nicht vorhersehbar.

Die Gründe, nicht zu wählen

Manche Menschen verzichten absichtlich auf die Teilnahme an der Wahl, andere haben einfach nur kein Interesse daran. Häufig geben Nichtwähler die Abgehobenheit von Politikern als Grund an, oder sie unterstellen ihnen, kein Ohr für den Wähler zu haben. Gerade bei der diesjährigen Wahl ist auch die Ähnlichkeit der etablierten Parteien ein Grund, auf den Gang zum Wahllokal zu verzichten.

Andere begründen ihr Fernbleiben damit, dass keine der Parteien ihre persönlichen Interessen treffe. Auch die Fünf-Prozent-Hürde ist übrigens ein Grund, nicht zu wählen. Viele sehen ihre Stimme als wertlos, sobald sie sie einer kleinen Partei ohne Chance auf Einzug in den Bundestag geben.

Die Motivationen dafür, nicht zu wählen, sind vielfältig und reichen von berechnendem Protest über Desinteresse bis hin zu weiten Wegen zum Wahllokal. Dass die Nichtwähler aber trotz allem nicht missachtet werden dürfen, zeigt ihre große Zahl. Voraussichtlich werden über ein Viertel der Wahlberechtigten nicht zur Wahl gehen. Würde man sie in das offizielle Endergebnis der Bundestagswahl einrechnen, hätten die Nichtwähler möglicherweise mehr Sitze als die Unionsparteien.

Sendung: hr1, hr1-Start, 19. September 2017, 6 Uhr

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