Fancy 1987

"I’m like a cake, that want’s to be baked": Wetten, Sie kennen den Song aus dem diese Zeile stammt? Sein Macher arbeitete auch für die Pet Shop Boys, liebt Raubkatzen und teilt heute das Schicksal vieler anderer Stars der 80er.

Die Zeile "I’m like a cake, that want’s to be baked" (Ich bin wie eine Torte, die gebacken werden möchte) stammt aus einem der 80er Jahre Disco-Hits: "Slice Me Nice". Komponiert und gesungen von einem waschechten Bayern: Manfred Alois Segieth. Besser bekannt als Fancy. Der leicht bekloppte Text - laut Fancy eine Satire - wurde allerdings von dem Amerikaner Todd Canedy erdacht.

Gemeinsam ersannen sie 1984 eine der Hymnen der Discofox-Bewegung. Der Song ging in Deutschland auf Platz elf, in Österreich sogar auf zwei. Und mit der folgenden Single "Chinese Eyes" schaffte es Fancy auch hierzulande in die Top Ten.

Das Video zu "Slice Me Nice" können Sie sich hier ansehen:

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Italo-Disco sei Dank

Es war die Zeit des Italo-Disco-Sounds - synthetisch und dabei textlich wie musikalisch ohne große Ansprüche. Dafür gnadenlos tanzbar. Ein durchgehender 4/4-Takt mit einer sich ständig wiederholenden Basslinie sorgt für den tanzbaren Groove. Die einfachen und eingängigen Melodien bleiben im Gehör. Der Gesang wird in den Vordergrund gemischt und setzt vergleichsweise spät ein. Fancys Nummern erfüllten die Vorgaben und trafen den Nerv des Partyvolks.

Dass die Musik nicht aus Italien, sondern aus Deutschland kam: geschenkt. Italo-Disco war eine deutsche Erfindung. Um seine unbekannten italienischen Disco-Acts in Deutschland bekannt zu machen, stellte Bernhard Mikulski vom Label ZYX-Music 1983 einen ersten Italo-Disco-Sampler zusammen. Als der Erfolgszug vom Stiefel ins Rollen kam, sprangen auch nicht italienische Künstler auf.

Fancy: Auch außerhalb des Rampenlichts erfolgreich

Weitere Informationen

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern

  • Für Michael Jackson produzierte Fancy einen Remix des Songs "Mind Is The Magic".
  • Für die Pet Shop Boys produzierte er Remixe zu "West End Girls" und "One More Chance".
  • Er war an der Produktion des Albums "Dreams And Illusion" mit Musik aus der Las-Vegas-Show von Siegfried und Roy beteiligt.
Ende der weiteren Informationen

Ein paar Hits später verschwand Fancy zwar weitgehend aus der Öffentlichkeit. Dennoch kann der heute 74-Jährige auf eine beachtenswerte Karriere zurückblicken. Einen zweiten Platz in den US-Billboard Dance Charts mit dem Song "Chinese Eyes" sowie eine Platzierung derselben Nummer in der Jahres-Top-Ten von 1985 wollen wir dabei natürlich nicht unerwähnt lassen.

Ob Frank Farian, Pet Shop Boys oder Siegfried und Roy – Fancy hat mit vielen namhaften Künstlern zusammengearbeitet. Seine musikalische Laufbahn begann er in den 60ern, als er noch am Gymnasium mit seiner ersten Band Songs von Cliff Richard coverte. Später arbeitete er in einem Musikverlag, jobbte als Conférencier und in Diskotheken. Und er sang unter dem Namen Tess Teiges in den späten 60ern und frühen 70ern Schlager. Mitte der 80er dann der Durchbruch als "King of Discofox".

Raubkatzenliebhaber

Ende der 90er machte der gebürtige Münchner vor allem in der bayerischen Provinz durch seinen auffälligen Lebensstil auf sich aufmerksam. In Pobenhausen bei Ingolstadt lebte Fancy einige Jahre in einem Haus am Ortsrand. Innen soll es komplett weiß gewesen sein, damit die goldenen Schallplatten besser zur Geltung kamen. Das Grundstück war umzäunt und ständig beleuchtet. Am Gartenzaun prangte ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht Raubkatzen", berichtete die Lokalzeitung "Donaukurier". Tatsächlich hatte der Musiker und Freund von Siegfried und Roy vorübergehend ein paar Großkatzenbabys auf seinem Grundstück und ließ sich immer wieder mit ihnen fotografieren.

Aber Fancy tat auch Gutes für die Gemeinde. So spendete er die erste Kirchturmbeleuchtung in Pobenhausen, wie der "Donaukurier" weiß. Etwa zur selben Zeit - im Jahr 2000 - nahm der Liebhaber großer Sonnenbrillen und amerikanischer Autos am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, wurde aber nur fünfter. 2013 war er Teilnehmer der Trash-TV-Show "Promi Big Brother".

Immer noch "King Of Discofox" - nur in anderen Ländern

Fancy heute

Bis heute tritt Fancy noch regelmäßig auf. Wie viele andere Stars der 80er vorrangig in Osteuropa und Russland. Aber auch in Asien und Südamerika. Die Leute dort wollen noch immer seine Hits hören, sagt er. Im eigenen Land dagegen gelte der Prophet nichts, meinte Fancy ernüchtert in einem Interview. Die obligatorische Sonnenbrille trägt er auch noch. Nur das starke Makeup fehlt und um seine Haare so schwarz wie in den 80er zu erhalten, muss er jetzt färben, verriet er der Bildzeitung.

Sendung: hr1 am Nachmittag, 31.3.2020, 15-19 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit