Peter Maffay

Immer mehr Künstler geraten durch die Pandemie an ihre finanziellen und psychischen Grenzen. Deshalb schrieb Peter Maffay bereits Mitte Mai einen emotionalen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, um sie konkret um Hilfe zu bitten. Im Interview mit Thomas Koschwitz verrät er, welche Antwort er nun bekam und schildert seine größten Sorgen.

"Wir Künstler haben zurzeit ein Berufsverbot", sagt der 70-jährige Rock- und Pop-Sänger und weist im Interview nachdrücklich auf die prekäre Situation der Musik-Branche während der Corona-Pandemie hin. Die ganze Branche stehe mit dem Rücken zur Wand und sei teils handlungsunfähig, so Maffay.

Neue Termine für Maffays "Jubiläumstour" stehen fest

Schließlich seien bereits seit drei Monaten alle Veranstaltungen und Konzerte abgesagt oder verschoben worden. Dies treffe sowohl renommierte Künstler wie auch Newcomer oder kleinere Bands gleichermaßen. Auch Peter Maffay selbst musste seine für Sommer geplante "Jubiläumstour 2020" nun in den Herbst 2021 verschieben. Die neuen Termine wurden mittlerweile bekanntgegeben:

Dienstleister der Musikbranche besonders betroffen

Eine Situation, die nicht einfach ist für Musiker, die von Großveranstaltungen leben. Und genau diese sind noch bis mindestens Ende Oktober verboten. Doch nicht nur die Künstler selbst stehen vor schwierigen Zeiten, auch eine "Wertschöpfungskette aus Dienstleistern" der Musikbranche ist in enormem Maße betroffen und dies bereite Maffay große Sorgen.

"Ich weiß, dass die Existenzen ihrer Familien bedroht sind. Es ist sogar eine sehr prekäre Lage, die ein Handeln - und zwar jetzt - nötig macht", so Maffay. Das sind schlichtweg enorm bedrohliche Szenarien, die keinen Aufschub mehr dulden. "Sie machen sich tagtäglich allergrößte Sorgen um ihre Perspektive", weiß Maffay. "Menschen, die in der Musikbranche arbeiten, können nicht präzise planen und leben dadurch in völliger Unsicherheit und Ungewissheit. Das geht so nicht weiter."

Antwort auf offenen Brief an Kanzlerin Merkel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Peter Maffay: "So eine Erfahrung habe ich noch nie gemacht"

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Maffay hatte bereits Mitte Mai einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt und darin um rasche finanzielle Hilfen für Musiker und Konzertveranstalter gebeten. Durch den Shutdown stehe die gesamte Branche vor einer Herausforderung, die sie ohne staatliche Hilfen aus eigener Kraft kaum stemmen könne, heißt es darin. Unter anderem hatten auch Angelo Kelly, Till Brönner, die Scorpions, PUR, Tokio Hotel und Sasha den Brief unterzeichnet.

"Ich habe mittlerweile Antwort erhalten und Fördermittel sind bereitgestellt worden", verrät Maffay. Dennoch sei noch nicht ganz klar, inwiefern jeder einzelne Künstler von diesen Zuwendungen profitieren könne. "Das wird sich erst in einigen Wochen zeigen", so Maffay. Fakt sei, dass es weitere Aktionen und Unternehmungen geben müsse, um für noch viel mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.

Maffay: "Night of the light"-Aktion sorgt für Aufmerksamkeit

Die für Montagabend geplante Aktion "Night of the light - Die Veranstaltungsbranche sieht rot" sei zum Beispiel ebenfalls sehr wichtig, da dort alle Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft in ganz Deutschland Flagge zeigen.

Der Plan: In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni werden Event-Locations und zahlreiche andere Gebäude rot angestrahlt, um auf das Problem aufmerksam zu machen. "Wir brauchen eine spürbare Basis für die Existenzabsicherung der Künstler und jede einzelne Aktion sollte in der Summe dazu beitragen, dass wir alle wieder über die Runden kommen können", macht Maffay deutlich.

Weitere Informationen

Infos zur "Night of the Light"

Die Aktion "Night of the Light" vereint Marktteilnehmer aus allen Bereichen der Veranstaltungswirtschaft, um ein Zeichen für die bedrohte Branche zu setzen. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2020 werden die Teilnehmer an der Aktion bundesweit in mehr als 200 Städten Event-Locations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke mit rotem Licht illuminieren: also viele kleine, leuchtende Beispiele, die sich dann zu einem gewaltigen Licht-Monument arrangieren. Für den Initiator der Aktion und Vorstand der LK-AG Essen, Tom Koperek, ist Eile geboten. "Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht." Denn die aktuellen Auflagen machen seiner Einschätzung nach die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen "quasi unmöglich". Das treffe nicht nur Veranstalter, sondern auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe.

Ende der weiteren Informationen

"Ich moderiere zurzeit Radiosendungen"

Viele Künstler würden aktuell einen "Flickenteppich an Möglichkeiten" ausprobieren, um sich neu aufzustellen. Autokino-Konzerte seien da beispielsweise eine Option, über die auch er und seine Band noch nachdenken würden. Momentan verbringe er viel Zeit im Studio für verschiedene Projekte und versuche sich auch in ganz anderen Bereichen, um sich abzulenken.

"Ich moderiere jetzt nebenbei Radiosendungen", verrät Maffay. Dies mache ihm wahnsinnig viel Spaß und sei gar nicht so einfach, wie man es sich vorstelle. "Das ist was anderes, wenn man anstatt vor dem Mikrofon auch mal dahinter sitzt und Sendungen planen muss." Dass er nun aber auch mehr Zeit für seine Familie und seine kleine Tochter habe, sei wiederum "die schöne Kehrseite der Medaille", sagt Maffay.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 22.6.2020, 5-9 Uhr

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