Sting bei einem Konzert 1988
Ob kurzhaarig und bärtig oder glattrasiert und mit wilder Mähne: Sting macht immer eine gute Figur. Bild © Imago

Es ist das erste Solo-Album von Sting nach der Trennung von The Police. Der Name, "The Dream of The Blue Turtles", geht laut Sting auf einen seltsamen Traum zurück, in dem riesige blaue Schildkröten in seinem Garten gewütet haben.

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Information

Album: "The Dream Of The Blue Turtles" 
Künstler: Sting 
Veröffentlichung: Juni 1985 
Besondere Songs: If You Love Somebody Set Them Free, Russians, Moon Over Bourbon Street 
Chart-Erfolge: UK #3 

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Singer, Songwriter, Schauspieler, Umweltaktivist, Yoga-Enthusiast. Allein diese Aufzählung zeigt, wie vielseitig talentiert dieser Mann ist. Bekannt geworden ist er mit seiner Band The Police, doch längst hat er musikalisch noch viele andere Reviere beackert.

Ob es Songs mit großem Orchester sind, 400 Jahre alte Lautenmusik oder Big Band Arrangements - Sting überrascht seine Fans immer wieder mit neuen Projekten. Sting ist immer in Bewegung, auf der Suche nach Neuem. "Ich hatte den meisten Spaß in meinem Leben in den vergangenen zehn Jahren. Die nächsten zehn werden noch besser", sagte er an seinem 60. Geburtstag.

Das Plattencover von Stings "The Dream Of The Blue Turtles"
Das Plattencover von Stings "The Dream Of The Blue Turtles" Bild © Plattenfirma

Sting braucht die Freiheit

2007 gab es eine höchst erfolgreiche Welttournee mit Police. Die Band hat dabei soviel Geld verdient wie nie zuvor. Danach war Sting froh, dass er es gemacht hatte und auch dass es wieder vorbei war. "Ich brauche die Freiheit, mit verschiedenen Musikern in verschiedenen Genres zu arbeiten. Ich will erkunden, ohne mit derselben Band verheiratet zu sein. Das ist nicht mein Ding. Manche sind sehr glücklich damit, ihr Leben lang in derselben Band zu spielen, die Rolling Stones oder U2. Ich nicht, ich bin von einer anderen Art. Nicht besser aber auch nicht schlechter", sagt Sting. 

Durch diese Freiheit entstehen immer neue Projekte. Zuletzt hat Sting mit einer Tour plus Sinfonieorchester überzeugt. Die Bestätigung, dass er auch ohne The Police als Solo-Künstler erfolgreich sein kann, kam mit dem Album "The Dream Of The Blue Turtles". Der Beginn der Solo-Karriere von Sting und ein Album, das Jazzelemente in den 80er Jahre Pop gebracht hat. 

"Moon Over Bourbon Street" 

New Orleans: schmiedeeiserne Balkons und Verandas im French Quarter, schwül-feuchte Luft, eine beinahe subtropische Pflanzenwelt und dazu ein leichter Hauch von Morbidität. Moment mal, Morbidität ist nicht, woran Sie bei New Orleans denken? Sie meinen eher Dixieland und Mardi Gras und Brass Bands? Nein, in diesem speziellen New Orleans, um das es Sting hier geht, haben die fröhlichen Aspekte nichts zu suchen.

Es ist die Stadt des Voodoo, und der Jagdgrund eines Untoten: "Moon over Bourbon Street" ist inspiriert von "Interview mit einem Vampir", dem berühmten Horror-Roman der amerikanischen Schriftstellerin Anne Rice. Das New Orleans dieses Buches (und des Songs) ist die Heimatstadt des namengebenden Vampirs, der hier melancholisch durch die Textzeilen schleicht: 

"It was many years ago that I became what I am, 
I was trapped in this life like an innocent lamb, 
now I can never show my face at noon, 
and you'll only see me walking by the light of the moon, 
the brim of my hat hides the eye of a beast, 
I've the face of a sinner but the hands of a priest, 
oh you'll never see my shade or hear the sound of my feet, 
while there's a moon over bourbon street"

"Vor vielen Jahren wurde ich zu dem, was ich nun bin, 
In diesem Leben gefangen wie ein unschuldiges Lamm, 
Jetzt kann ich mein Gesicht nicht mehr im Hellen zeigen, 
Und du wirst mich nur im Mondlicht gehen sehen... "

Das Buch, das für diesen Song vom 1985er Album "Dream of the Blue Turtles" den Ausschlag gab, hatte Sting vom Police-Gitarristen Andy Summers geschenkt bekommen. Nach der Trennung von Police im Jahr 1983 (und einem kurzen, missglückten Versuch der Wiedervereinigung 1986) hat Sting sich mittlerweile zu einem Solo-Künstler von nahezu mythischen Dimensionen und einem Faible für Weltmusik entwickelt. Also keine Vampirgeschichten mehr. 

"Russians" 

1985 steckt die Welt noch im Kalten Krieg, auch wenn an den Kanten schon ein bisschen Tauwetter ist. 1985 bringt Sting sein Album "Dream of the Blue Turtles" heraus, und darin schlüpft er für einige Minuten auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs. In "Russians" erinnert er an den Ausraster Chrustchovs, an all die markigen Sprüche, in denen der Ostblock den bevorstehenden Untergang des Westens ankündigte, und er fragt: Wie sehen das die "Kleinen Leute" in Russland? Die Familien, die Mütter, die Väter, die genauso ihre Kinder lieben wie die Menschen auf anderen Seite und sie im Ernstfall genau so verlieren würden, für eine blutleere Ideologie. 

Die Melodie von "Russians", dieses majestätische getragene Voranschreiten, ist inspiriert von Prokovievs "Leutnant Kije"-Suite, einem berühmten Stück der russischen Klassik. Im Text erwähnt Sting "Oppenheimer's deadly toy", Oppenheimers tödliches Spielzeug – die Atombombe, mit der sich die Supermächte USA und UdSSR damals waffenstarrend bedrohten.

Sendung: hr1, hr1-80er-Tag, 17. Februar 2017, 10 Uhr

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