Tracy Chapman 1988 bei einem Konzert
Ein Konzert im Wembley-Stadion machte sie weltbekannt: Tracy Chapman 1988 auf der Bühne. Bild © Imago

Mit ihrem Debüt-Album landete Tracy Chapman einen Überraschungserfolg – obwohl die folkig-bluesige Musik eigentlich nicht in die Zeit passt, feiert sie auch große Chart-Erfolge.

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Information

Album: "Tracy Chapman" 
Künstlerin: Tracy Chapman
Veröffentlichung: April 1988
Besondere Songs:  Talkin' Bout A Revolution, Fast Car
Chart-Erfolge:  Deutschland, UK, USA u.a.: #1, drei Grammys

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Tracy Chapman beginnt mit 8 Jahren Songs zu schreiben. Später erhält sie ein Stipendium und studiert Anthropologie und Afrikanistik. In dieser Zeit beginnt sie sich für Folk zu begeistern und beginnt in Cafés aufzutreten. Ein Kommilitone gibt eines ihrer Demo-Tapes seinem Vater, der im Musikbusiness arbeitet. Der verhilft ihr zu einem Plattenvertrag. Der Zufall will es, dass die damals unbekannte und dazu noch zurückhaltende und bescheidene Sängerin zum Star wird. 

Am 11. Juni 88 spielen Rock und Popbands im Londoner Wembley-Stadion zu Ehren des inhaftieren Freiheitskämpfers Nelson Mandela. Als Stevie Wonder auf die Bühne will, streikt ein Computer, den er für seinen Auftritt braucht- der Soulsänger muss sein Konzert absagen. Da tritt Tracy Chapman wieder auf die Bühne, eigentlich hatte sie schon ihren Auftritt, legt aber ein zweites Mal los.

Die damals noch unbekannte Folksängerin ist alles andere als ein Pausenfüller. Mit ihrer warmen aber eindringlichen Stimme und der groovenden Akustikgitarre stürmt sie die Herzen der Fernsehzuschauer weltweit: Das Konzert wird in 64 Länder übertragen. 

Video: "Fast Car" live in Wembley 1988

Chart-Erfolge in Amerika, England und Deutschland 

Tracy Chapmans erstes Album ist da gerade zwei Monaten zuvor erschienen und geht nach ihrem fulminanten Auftritt auf Platz 1 in den USA, Großbritannien und in Deutschland. Der Mix aus folkig-bluesigen Songs und ihren harschen sozialkritischen Texten paßt eigentlich gar nicht in die Zeit, trifft aber vielleicht gerade deswegen ins Herz. 

In den 90ern wurde Chapman zu einer Art Vorzeige-Künstlerin für die politisch korrekte Mittelklasse, auch wenn ihre späteren Platten die Dringlichkeit ihres Debüts vermissen ließen. Trotzdem bleibt Chapman eine faszinierende Figur: Ihre androgyne Stimme, ihre bewegenden Geschichten, man musste nicht mal Englisch können, um zu verstehen: Das hier ist wichtig. 

Das Plattencover von Tracy Chapmans erstem Album
Das Plattencover von Tracy Chapmans erstem Album Bild © Plattenfirma

Tracy Chapman hat einen Songschreiberinnen-Boom mit ausgelöst, an der Seite von Kolleginnen wie Tanita Tikaram, Suzanne Vega oder Michelle Shocked - und sie hat damit auch die Frauen in der Rockmusik ein Stück weiter nach vorn gebracht. 

"Fast Car" 

Das Lied über die Schattenseiten des amerikanischen Traums ist Chapmans erste Single und gleich der erste Top-Ten-Hit. Es geht um eine Ladenkassiererin, die ihren kranken Vater pflegt und vom Leben in der Großstadt träumt. "Das Stück handelt nicht von einem Auto", erklärte die Tracy Chapman, als sie nach dem Song "Fast Car" gefragt wurde. Der Song handele von einer Beziehung, die nicht funktionieren kann, weil schon die Grundlagen nicht stimmen. 

Das schnelle Auto ist hier ein Bild für Dinge, die grundverkehrt laufen, für Probleme, an denen man vorbeischaut. Das schnelle Auto soll die Erzählerin und ihren Freund aus ihren schwierigen Verhältnissen wegfahren, aus dem segregierten Süden der USA, aus der Apartheid Südafrikas, aus der Armut. Es soll sie in die Stadt fahren und in ein gutes Leben, aber die Muster bleiben ungebrochen: Sie arbeitet, er vergeudet das Geld, sie versucht, alles zusammenzuhalten; er zersprengt es. Tracys Stimme und ihr sensibel-kräftiges Gitarrenspiel geben dem Song Nachdruck, ohne zu bedrücken. 

"Talking 'Bout a Revolution" 

Im Text der zweiten Single vom Album heißt es: "Sie sprechen von einer Revolution, aber es klingt wie ein Wispern. Während sie in der Schlange der Fürsorge-Organisationen stehen, an der Türschwelle der Heilsarmee weinen, in der Warteschlange der Arbeitslosen Zeit vergeuden, herumsitzen und auf den Aufstieg warten. Um von einer Revolution zu sprechen – die armen Leute werden sich erheben und ihren Anteil bekommen, das, was ihnen zusteht. Am besten, du rennst los, denn am Ende werden sie den Spieß umdrehen, oh nein, lass uns über eine Revolution reden." 

In anderen Songs auf ihrem Debütalbum "Tracy Chapman" erzählt die Sängerin unter anderem von ihrem Nachbarn, der seine Frau nächtelang verprügelt – und von der Polizei, die wie immer zu spät kommt, wie in dem Song "Behind The Wall".

Sendung: hr1, hr1-80er-Tag, 17. Februar 2017, 10 Uhr

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