Alice Merton Portrait

Die Lebensstationen von Shootingstar Alice Merton erstrecken sich um den halben Erdball. Elfmal ist die 24-jährige Sängerin schon umgezogen. Im Mai spielt sie wieder in Frankfurt. Eine Stadt, die eine wichtige Rolle in ihrer Familiengeschichte spielt.

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zum Video Alice Merton wünscht den hr1 Hörern ein "tolles Jahr"

Alice Merton
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Die deutsch-britische Sängerin ist ganz schön rumgekommen in ihren jungen Jahren - sie lebte in Deutschland, Amerika, Kanada und Großbritannien. Im März 2018 spielte sie in der Batschkapp – zum ersten Mal in Frankfurt - ihrer Geburtsstadt. "It feels like coming home", rief sie damals von der Bühne. Und das, obwohl sie mit "No Roots" das Lebensgefühl einer ganzen Generation besingt, die dort zu Hause zu sein scheint, wo das Ladekabel des Smart-Phones gerade liegt. Bei Merton klingt das natürlich schöner: "I've got no roots, but my home was never on the ground".

Unternehmergeist aus Frankfurt

Was nur wenige Fans wissen: Die Weltenbummlerin ist nicht nur in Frankfurt geboren, sie auch über 100 Jahre alte Wurzeln in der Mainmetropole. Ihr Familienname ist eng mit Frankfurt verbunden und noch heute vielerorts präsent - durch ihren Uronkel Wilhelm Merton: Er war Sozialpolitiker, Philanthrop, einer der bedeutendsten Unternehmensgründer des 19. Jahrhunderts und Mitbegründer der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität.

An Uronkel Wilhelm erinnert heute die renommierte Wilhelm Merton-Stiftungsprofessur, das Wilhelm Merton-Zentrum für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsordnung an der Frankfurter Goethe-Universität, die Wilhelm-Merton-Stiftung und das Mertonviertel in Frankfurt-Niederursel. Nach Uronkel Merton sind außerdem eine kaufmännische Berufsschule und eine Straße benannt.

Unternehmergeist in den Genen

Alice Merton und Thomas Koschwitz neu

Ebenso wie ihr Uronkel bewies auch Alice Merton Mut und Unternehmergeist: Nach eher ernüchternden Erfahrungen mit der Plattenindustrie hat sie kurzerhand ihr eigenes Musiklabel gegründet: Paper Plane Records International. Jetzt erscheint ihr neues Album "Mint". In den Songs geht es – ähnlich wie in "No Roots" – um das Erwachsenwerden, die vielen Umzüge und darum, es sich und anderen zu beweisen.

"Mein Vater kommt aus Irland, meine Mutter kommt ursprünglich aus Deutschland, hat aber auch eine Zeit in Frankreich gelebt", erzählt Alice Merton in einem Interview mit dem BR. "Ich könnte sagen, meine Wurzeln liegen in Irland, Kanada, Deutschland, Frankreich. Aber ich weiß es nicht", sinniert sie in akzentfreiem Deutsch mit leichtem Bayerischen Einschlag: Als 13-Jährige zog sie mit ihren Eltern nach München. "Dort habe ich wirklich Deutsch gelernt und konnte mich dann zum ersten mal mit meiner deutschen Oma unterhalten."

Daheim in Erinnerungen

Nach Frankfurt, München, New York, Oakville und London lebt Alice Merton nun in Berlin. "Seit langer Zeit die erste Stadt in der ich mir vorstellen könnte, auch längere Zeit da zu wohnen", sagt sie in einem Interview mit dem BR. Für ihr Label "Paper Plane Records International" arbeiten auch enge Freunde. "Ich fühle mich am wohlsten bei den Menschen, die mir wirklich am Herzen liegen. Menschen, die ein Teil von mir sind", kommentiert die Sängerin, Songwriterin und Musikproduzentin.

"But I’ve got memories", so lautet eine andere Zeile aus ihrem aktuellen Hit. Wenn Alice Merton am 31. Mai während des W-Festivals in der Alten Oper auftritt, wird eine weitere Erinnerung dazugekommen sein – an ihre Geburtsstadt, ihren berühmten Uronkel Wilhelm und die Enstehung ihres Nachnamens: Merton. Ihr Ur-Großonkel, der 1837 aus England nach Frankfurt eingewandert war, änderte seinen Nachnamen Moses in den Namen seines Heimatortes Merton, heute ein Stadtteil in London.

Die Familiengeschichte der Mertons läßt sich treffend in einem Wort zusammenfassen: Kosmopolitismus - auch Weltbürgertum. Eine philosophisch-politische Weltanschauung, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet.

Sendung: hr1, Koschwitz am Morgen, 6 Uhr, 17.01.2019

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