Handy Husten

Wissenschaftler am renommierten MIT forschen derzeit in den USA, wie man per App eine Covid-19-Erkrankung am Husten erkennen kann. Basis ist eine akustische Datenbank, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) funktioniert. Dafür sammelt das MIT noch Huster aus aller Welt - machen Sie mit.

Das Besondere an dieser Künstlichen Intelligenz (KI) ist, dass sie asymptomatische Fälle erkennt. Sie schlägt also bei Personen an, die noch gar keine Corona-Symptome zeigen, aber dennoch an Covid-19 erkrankt sind. Korrekterweise sind diese Personen also präsymptomatisch, das heißt sie sind bereits infiziert, zeigen aber erst später Symptome einer Covid-19-Erkrankung.

100 Prozent Trefferquote bei asymptomatischen Fällen

In ersten Tests habe sich die KI laut Wissenschaftler bereits bewährt, da sie alle asymptomatischen Krankheitsfälle zu 100 Prozent korrekt diagnostizieren konnte. Die Forscher fanden heraus, dass es messbare Unterschiede im Hustengeräusch gibt, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind. So ließe sich der Husten eines Covid-19-Erkrankten selbst dann korrekt von dem eines Gesunden unterscheiden, wenn dieser den Husten, da noch keine Symptome vorlägen, erzwingen müsste. Diese leichten Veränderungen könne die KI eindeutig erkennen.

MIT baut "Hustendatenbank" auf

Zwischen April und Mai 2020 hatten die Forscher über eine Website bereits über 5.000 Husten-Aufzeichnungen von Freiwilligen aus der ganzen Welt gesammelt. Das MIT nimmt auch aktuell noch Aufzeichnungen entgegen - hier können Sie Ihre Husten-Datei hochladen.

Die KI konzentriert sich bei der Covid-19-Erkennung auf bestimmte akustische Biomarker aus rund 4.000 im Training genutzten Datensätzen. Im anschließenden Erkennungslauf über weitere rund 1.000 Datensätze konnten alle asymptomatischen und immerhin 98,5 Prozent der symptomatisch Erkrankten differenziert werden. Das bestätigt die Forscher in ihren Hypothesen.

Smartphone-App soll kommen

Jetzt soll eine entsprechende Smartphone-App entwickelt werden, damit Krankheitsfälle mit Corona schneller und leichter erkannt werden. Nach Vorstellung des MIT könnte die App dann beispielsweise an Zugangskontrollen jeglicher Art zum Einsatz kommen.

Der große Vorteil: Der Smartphone-Test soll sein Ergebnis praktisch verzögerungsfrei liefern. Und das unangenehme Abstreichen der Nasen- oder Rachenschleimhaut bleibt ebenfalls aus.

Kritiker bezweifeln Funktion der App

Es gibt aber auch Gegenwind: Die KI-Forscherin Meredith Whittaker etwa kritisiert, dass sich die Entwickler der Software lediglich auf einen sehr kleinen Datensatz von nur rund 5.392 Aufnahmen stützen, die freiwillige Studienteilnehmer über eine Website einreichen konnten. Ob die Testpersonen wirklich mit dem Coronavirus infiziert waren oder nicht, wurde nicht überprüft.

Und selbst wenn die App positive Corona-Fälle relativ zuverlässig als positiv identifiziert, ist mit sehr vielen falsch-positiven Ergebnissen zu rechnen, heißt es. Die sogenannte Spezifität ihres digitalen Corona-Tests geben die Macher mit Werten zwischen 83,2 Prozent (bei asymptomatischen Patienten) und 94,2 Prozent an. Sehr viele Nutzer würden also im "Husten-Test" ein positives Ergebnis erhalten, obwohl sie nicht infiziert sind.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 24.11.2020, 9-12 Uhr

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