Bewerbungsgespräch

Im Bewerbungsgespräch sind sie gefürchtet: Fangfragen. Das Gemeine daran, man kann sich kaum darauf vorbereiten. Aber es gibt Tricks, wie man trotzdem einen guten Eindruck macht.

Endlich! Es hat geklappt: Die Einladung zum Bewerbungsgespräch ist da. Eine gute Vorbereitung ist jetzt das beste Mittel gegen Nervosität und unangenehme Fragen. Wie hoch ist der Umsatz des Unternehmens? Warum interessiert Sie genau diese Stelle? Fragen, für die man sich vorab sinnvolle Antworten zurecht legen kann.

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Aber nicht auf alle Fragen kann man sich gut vorbereiten. Neben simplen Fragen zum Unternehmen oder zum Lebenslauf geht es im Bewerbungsgespräch darum, den authentischen Menschen mit seinen Wünschen und Ängsten kennenzulernen. Fangfragen sind hier ein häufiges Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

Fangfragen: Besser als ihr Ruf?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fiese Fragen im Bewerbungsgespräch

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Was schuldet ein Unternehmen seinen Mitarbeitern? Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Jobs am wenigsten? Das sind nur zwei Beispiele für Fangfragen in einem Vorstellungsgespräch. Bei vielen gefürchtet, steckt dahinter meist nur ein simples Ziel: Personaler wollen herausfinden, wer Sie wirklich sind. Wie gehen Sie mit Stress oder Wut um? Welche Werte vertreten Sie? Was sind Ihre Ziele? Es geht nicht darum, Bewerber*innen bloß zu stellen, sondern Antworten zu entlocken, die man sonst nicht so schnell preisgeben würde.

Zehn fiese Fangfragen zum Üben:

Jochen Mai ist Dozent an der TH Köln und Gründer der Online-Plattform "Karrierebibel". Er stellt zehn typische Fangfragen in einem Bewerbungsgespräch vor und erklärt, wie es gelingt, darauf spontan und ehrlich zu antworten. Bei allem gilt: Auswendig lernen ist nicht sinnvoll. Am besten sollte man mit einem Freund oder einer Freundin die Bewerbungssituation vorher üben und Fangfragen zufällig einstreuen.

1. Wie würden Sie sich selbst in nur einem Wort beschreiben?

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Mai: "Personaler interessieren sich natürlich auch für die Selbsteinschätzung eines Bewerbers, denn daraus lassen sich gleich mehrere Informationen ableiten: Ist der Kandidat selbstbewusst, passt seine Einstellung zur Unternehmenskultur und wie passt das Selbstbild zum ersten Eindruck des Personalers? Besonders schwierig ist diese Frage, da es nur einen schmalen Grad zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz, aber auch zwischen Bescheidenheit und Schüchternheit gibt."

2. Wie geht es Ihnen heute morgen?

Mai: "Banal? Mitnichten! Immer wieder wird die Macht des ersten Eindrucks betont. Was aber wenn jemand auf eine solch simple Offerte zur Charme-Offensive nicht überzeugend parlieren kann? Wie soll so einer vom ersten Tag an ins Unternehmen passen, geschweige denn bei Kunden und Kollegen ankommen?"

3. Erzählen Sie mir etwas von sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht und mir hilft, Sie von anderen Bewerbern zu unterscheiden und mich an Sie zu erinnern.

Mai: "Ja, die Frage ist aggressiv und provokant – aber genau darum geht es doch in einer Bewerbung: Werbung machen für sich, besser sein, sich abheben, in Erinnerung bleiben. Warum also nicht den Prozess abkürzen und gleich zur Sache kommen?"

4. Wenn Sie auf dem Cover eines Magazins erscheinen könnten- welches Magazin würden Sie sich aussuchen?

Mai: "Zunächst einmal zeigt die Frage, wie kreativ der Aspirant ist – womöglich auch wie eitel. Gleichzeitig aber lässt sich so herausfinden, wie sich der Bewerber selbst sieht, welche Ansprüche er oder sie an sich stellt und wo er sich künftig gerne sähe."

5. Was werden Ihre Kollegen hier von Ihnen lernen?

Mai: "Die Frage zielt letztlich auch auf den Mehrwert, den der oder die 'Neue' zum Unternehmen beisteuert. Aber sie holt den sonst eher monetären Aspekt (Leistung gegen Geld) auf eine soziale Ebene. Die Antwort offenbart zugleich wie kollaborativ der Kandidat ist."

6. Wenn wir Sie hier einstellen: Was werden Sie in den ersten Wochen als erstes unternehmen?

Mai: "Hier geht es ans Eingemachte: Die Frage zwingt den Bewerber dazu, den neuen Job schon zu imaginieren und konkrete Handlungen zu verbalisieren. Das liefert gute Indizien, ob er oder sie tatsächlich in den ersten 90 Tagen reüssieren wird und zum Unternehmen passt."

7. Wenn ich zwei Ex-Kollegen befragen würde – einen Freund und einen, der das nicht ist: In welchen Punkten würden dennoch beide übereinstimmen?

Mai: "Eine raffinierte Frage, weil sie herausarbeitet, wie empathisch jemand ist und wie gut er mit anderen Menschen umgehen, sich in sie hinein fühlen und zugleich über sich selbst reflektieren kann. Eine Fähigkeit, die im Berufsleben immer wichtiger wird."

8. Was würden Sie tun, wenn Sie morgen im Lotto gewinnen würden

Mai: "Diese Fangfrage zielt eindeutig auf Ihre Motivation für den Job ab – genauer gesagt auf die finanziellen Beweggründe. Kurz gesagt: Machen Sie den Job nur des Geldes wegen oder interessieren Sie sich auch wirklich für die neue Tätigkeit?

9. In welcher Ihrer Eigenschaft fühlen Sie sich von anderen Menschen missverstanden?

Mai: "Die Frage ist anders als jene typischen über die größten Stärken oder Schwächen. Sie zielt auf eine Schwäche, die derjenige jedoch ganz anders sieht – und deshalb bereitwilliger, womöglich sogar ehrlicher darüber erzählt. So kann ein Gespräch entstehen, dass den Kandidaten viel ausgewogener beleuchtet."

10. Was wollen Sie werden, wenn Sie groß sind?´

Mai: "Die Frage ist richtig tricky – aber auch essenziell, dass Sie diese richtig betonen, sonst wirkt sie wie eine Beleidigung. Ansonsten aber animiert sie aufgrund des Überraschungsmoments zu sehr originellen Antworten. Dabei plaudern die Bewerber nicht nur unverkrampfter über sich, sondern offenbaren meist noch Ziele und Motivationsfaktoren. Und nicht selten erfährt man, was die Kandidaten über sich selbst denken."

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 26.8.2019, 9 - 12 Uhr

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