Verschiedene Alkohol-Sorten wie Wein, Bier und Sekt in Gläsern

In Zeiten von Corona greifen Menschen vermehrt zum Alkohol. Und diesem werden viele Dinge nachgesagt: Er wärmt, tötet Gehirnzellen und knallt so richtig, wenn man ihn mit einem Strohhalm trinkt. Doch stimmen all diese Behauptungen eigentlich? Wir räumen mit den größten Alkoholmythen auf - schauen Sie mal.

Alkohol, eine der salonfähigsten Drogen unserer Gesellschaft, scheint vor allem in Zeiten von Corona wieder enorm beliebt zu sein. Laut Studien des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK ist der Absatz von alkoholischen Getränken in Deutschland rasant angestiegen. Verbraucher kaufen derzeit mehr Wein, Gin und Korn. Denn wer aufgrund der Ausgangsbeschränkungen nicht in Kneipen oder Bars kann, trinkt eben Zuhause.

Doch viele Menschen glauben auch, dass sie über die Wirkung alkoholischer Getränke und deren Folgen genau Bescheid wüssten. Das kann oft sehr gefährlich sein. Warum, zeigen wir Ihnen anhand der folgenden zehn Alkoholmythen:

Mythos 1: Bier auf Wein, das lass' sein - Wein auf Bier, das rat' ich dir!

Stimmt nicht. Beim Alkohol kommt es auf die Menge an - nicht auf die Reihenfolge. Demnach hat das Durcheinandertrinken auch nichts mit dem Kater am Morgen zu tun. Aber trinken wir am Abend nur ein und dasselbe Getränk, trinken wir tatsächlich weniger, weil unsere Geschmacksnerven schneller gelangweilt sind. Ein Grund für den Mythos könnte also sein, dass Durcheinandertrinken oft mit höherem Alkohol-Konsum einhergeht. Für den Kater am nächsten Morgen machen wir daher den Mischkonsum verantwortlich statt der größeren Alkoholmenge.

Mythos 2: Auf nüchternen Magen sind wir schneller betrunken!

Stimmt. Mit leerem Magen gelangt der Alkohol schneller ins Blut. Aber eine ordentliche Grundlage verzögert nur die Alkoholaufnahme im Blut – damit kann die Wirkung, beziehungsweise die Menge leicht unterschätzt werden.

Mythos 3: Alkohol wärmt!

Stimmt nicht. Alkohol erweitert die Blutgefäße. Damit wird unsere Körperwärme sogar schneller an die Umgebung abgegeben. Trotzdem wird die Kälte weniger wahrgenommen. Studien zufolge sinkt die Körpertemperatur um gut 1 Grad pro Flasche Wein. Aber ein alkoholisches Heißgetränk wärmt wenigstens die Finger und sorgt für rote Wangen. Doch Vorsicht: Bei starkem Alkoholkonsum kann es zu einer Unterkühlung kommen, vor allem wenn Alkoholisierte draußen im Winter stürzen und liegen bleiben.

Mythos 4: Alkohol tötet Gehirnzellen!

Stimmt nicht. Alkohol stört in erster Linie nur die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen, deshalb torkeln und lallen wir. Dass die ein oder andere Gehirnzelle beim Trinken abstirbt, lässt sich aber trotzdem nicht verhindern. Und auf Dauer schadet Alkohol dem Gehirn eben doch. Leberschäden und Vitamin-B-Mangel sorgen für schädliches Ammoniak im Blut und das halten die Gehirnzellen nur begrenzt aus.

Mythos 5: Alkohol knallt mit Strohhalm schneller!

Stimmt nicht. Der meiste Alkohol wird über den Magen und den Dickdarm aufgenommen. Wer also mit dem Strohhalm trinkt, riskiert eher hässliche Falten um den Mund als einen schnellen Vollrausch. Aber Sekt und Champagner knallen ordentlich – nicht nur beim Öffnen. Die Bläschen platzen im Magen und die Schleimhaut wird besser durchblutet und nimmt den Alkohol schneller auf.

Mythos 6: Wer viel und vor allem Fettiges isst, verträgt nachher mehr!

Stimmt nicht. Eine üppige und besonders fetthaltige Mahlzeit vor dem Trinken verhindert nämlich nicht, dass der Alkohol letztendlich ins Blut und damit ins Hirn gelangt. Allerdings verzögert ein reichhaltiges und besonders fettiges Essen diesen Vorgang. Dies liegt daran, dass die Fette die Magen- und Darmschleimhaut bedecken und dadurch die Aufnahme von Alkohol ins Blut verzögern. Die Verzögerung wiederum kann den Trinker aber auch in falscher Sicherheit wiegen. Am Ende gelangt der Alkohol eben doch ins Hirn, egal wie fettig man vorher gegessen hat.  

Mythos 7: Kräuterschnäpse kurbeln die Verdauung an!

Stimmt nicht. Einen Schnaps nach einer Mahlzeit zu trinken ist kontraproduktiv, da der zugefügte Alkohol die Magensäure verdünnt. Dadurch braucht der Magen nach einer Mahlzeit viel mehr Zeit, um die Fette abzubauen. Auch im Darm verzögert Alkohol den Verdauungsprozess. Dabei ist es egal, welche Art von Schnaps man zu sich nimmt - auch vielversprechende Kräuterschnäpse haben keine verdauungsfördernde Wirkung, da der Alkohol die Wirkung der Kräuter kompensiert. Man fühlt sich nach einem schweren Essen durch den Genuss von Schnaps nur kurzzeitig wohl, da der hochprozentige Alkohol die Magenmuskulatur kurzfristig entspannt. 

Mythos 8: Geübte Trinker vertragen mehr Alkohol!

Stimmt halbwegs. "Trainierte" Trinker fühlen sich bei derselben Menge Alkohol weniger betrunken als solche, die nicht daran gewöhnt sind. Wenn man merkt, dass man Alkohol besser verträgt als früher, ist das allerdings ein Warnsignal des Körpers, da die Alkoholtoleranz zunimmt. Das Problem: Das Gehirn gewöhnt sich an den Alkohol, doch die Leber nicht. Denn es spielt keine Rolle, wie oft und wie viel Alkohol man trinkt – die Leber baut stets zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde ab; ganz egal, ob man ein geübter Trinker ist oder nicht. Das Gefühl, gar nicht betrunken zu sein, ist für Leute besonders gefährlich, die sich dann ans Steuer setzen. Ihre Fahrtüchtigkeit ist nämlich trotzdem herabgesetzt.  

Mythos 9: Alkohol verdunstet beim Kochen!

Stimmt nicht. Alkohol hat zwar einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser (78 Grad Celsius) und verdunstet in Reinform schneller bei Erhitzung, doch beim Kochen sind ja noch weitere Zutaten wie beispielsweise Fett vorhanden, mit dem sich die Alkoholmoleküle verbinden. Nach einer Kochzeit von einer Viertelstunde sind daher immer noch etwa 40 Prozent des beigegebenen Alkohols im Essen enthalten. Trockene Alkoholiker sollten aus diesem Grund also Speisen meiden, die mit alkoholischen Getränken versetzt oder abgeschmeckt wurden. 

Mythos 10: Frauen vertragen weniger als Männer!

Stimmt. Denn Alkohol geht nicht ins Fettgewebe über. Und Frauen haben nun mal mehr Körperfett als Männer, dafür aber weniger Flüssigkeitsgehalt. Dies führt dazu, dass sich dieselbe Menge Alkohol bei Frauen auf weniger Flüssigkeit verteilt und die Alkoholkonzentration im Blut (gemessen in Promille) somit höher ist. Zudem haben Männer oft mehr Körpermasse.

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Mythen zu Alkohol und Corona

Mythos: Alkoholkonsum zerstört das Coronavirus.
Fakt: Der Konsum von Alkohol zerstört das Virus nicht, sondern erhöht wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko, wenn eine Person mit dem Virus infiziert wird. Alkohol in einer Konzentration von mindestens 60 Prozent wirkt als Desinfektionsmittel auf Ihrer Haut, hat jedoch bei Einnahme keine solche Wirkung in Ihrem Körper.
Mythos: Wenn man starken Alkohol trinkt, wird das Virus in der eingeatmeten Luft abgetötet.
Fakt: Alkoholkonsum tötet das Virus in der eingeatmeten Luft nicht ab. Alkohol desinfiziert Ihren Mund oder Hals nicht, und bietet Ihnen keinerlei Schutz gegen COVID-19.
Mythos: Alkohol (Bier, Wein, Spirituosen) stimuliert die Immunität und Resistenz gegen das Virus.
Fakt: Alkohol hat schädliche Auswirkungen auf Ihr Immunsystem und stimuliert nicht die Immunität oder die Virusresistenz.

Aktuelle und verlässliche Informationen zum Coronavirus finden Sie auf www.infektionsschutz.de.

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Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 12.05.2020, 5-9 Uhr

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