Blutegel

Die kleinen Blutsauger erleben derzeit wieder eine Renaissance in der Schmerztherapie. Die ausgehungerten Ringelwürmer helfen mit Biss und haben so gut wie keine Nebenwirkungen. Hier erfahren Sie, wie die Tierchen ihre Arbeit verrichten und gegen welche Krankheiten sie helfen.

Die Behandlung mit den fleißigen Blutsaugern gehört mit zu den ältesten medizinischen Therapien überhaupt. Schon die alten Ägypter wussten um die heilende Wirkung von Blutegeln. Heute werden die Tiere vor allem bei schmerzhaften Krankheiten wie Kniearthrose eingesetzt.

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Blutegel aus Zuchtbetrieb in Biebertal
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Bereits eine einzige Sitzung mit vier bis sechs Blutegeln kann laut Studien ausreichen, um Betroffene von etwa 60 Prozent ihrer Schmerzen binnen drei Tagen zu befreien. "Bei mehr als zwei Drittel der Behandelten hielt die Wirkung sogar länger als drei Monate an", sagen Ärzte der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen-Mitte.

Der Speichel der Tiere ist einzigartig

Doch worin liegt das Geheimnis der Blutegel? Wissenschaftler und Mediziner haben im Speichel der Tiere bis zu 100 Substanzen gefunden, die gerinnungs-, schmerz- und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Beim harmlosen Biss der Tiere sorgen diese Stoffe erst für eine Weitung der Blutgefäße und eine lokale Vergrößerung der Blutmenge beim Patienten, anschließend fördert ein Enzym im Blutegelspeichel das bessere Eindringen der Substanzen ins Gewebe.

Darauf sollten Sie bei einer Blutegel-Therapie achten

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Zum Artikel auf hr4.de Aufpäppelstation für Blutegel (12:30)

hr4 Podcast Mittelhessen
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Bei einer Blutegel-Therapie sollten zu Beginn einer Sitzung die zu behandelnden Bereiche am menschlichen Körper vorgewärmt werden. Außerdem sollte im Behandlungsraum eine ruhige Atmosphäre herrschen, denn auch Blutegel können bei zu hellem Licht oder zu kühler Haut gestresst sein und verweigern dann das "Zubeißen". Auch lokale Desinfektion und Duftstoffe mögen sie nicht. Das Anbeißen funktioniert zudem besser, wenn man die Haut leicht mit Wasser befeuchtet. Die Tiere sollten an gut durchbluteten Stellen angesetzt werden.

Während des Saugvorgangs spüren die Patienten meist nur ein Kribbeln und Pulsieren. Nach etwa 60 bis 90 Minuten sind die Tiere satt und fallen von alleine von der Haut ab. Etwa eine halbe Stunde später wird ein leichter Druck-Saug-Verband angelegt und die Patienten ruhen für weitere 30 Minuten. Vergessen Sie nicht, ausreichend zu Trinken. Spannungsgefühle, leichte Erwärmung sowie Rötungen an den Rändern der Bisswunden sind völlig normal und können bis zu 48 Stunden anhalten.

Nach der Behandlung kommt es auf eine ausreichende Wundhygiene an. Neben Juckreiz zählen Wundinfektionen zu den häufigsten Komplikationen der Blutegeltherapie. Oftmals kratzen die Patienten an den Bissstellen herum oder besuchen zu früh Sauna und Bäder. Gegen das Jucken helfen einfache Hausmittel wie Quark oder Essigwasser.

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Wussten Sie´s?

Ein medizinischer Blutegel besitzt zwei Saugnäpfe und über 600 Zähne. Aus hygienischen Gründen kommen sie nur einmal zum Einsatz. Nach getaner Arbeit werden sie vereist und im Praxismüll entsorgt. Da die Tiere aber bis zu 30 Jahre alt werden können, nehmen sie einige Zuchtfarmen gegen einen kleinen Aufpreis auch in ein "Rentnerbecken" auf, wo sie versorgt werden und einen ruhigen Lebensabend verbringen. Im hessischen Biebertal gibt es eine Blutegel-Farm, da der Lebensraum für Egel zunehmend verschwindet.

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Wann lohnt sich eine Blutegel-Therapie?

Neben der Kniearthrose haben Ärzte, Therapeuten und Patienten auch gute Erfahrungen mit Blutegeln bei der Behandlung von Arthrosen in Fingern und Zehen gesammelt. Zudem lohnt sich ein Einsatz von Blutegeln bei den folgenden Krankheiten:

  • Daumensattelgelenksarthrosen
  • chronischem Tennisarm
  • schmerzhaften Muskelverhärtungen im Rücken
  • Lenden-, Hals-, oder Iliosakralwirbelgelenks-Syndromen
  • Weichteilrheuma
  • Mittelohrentzündungen
  • Abszesse
  • Wundheilungsstörungen

Nicht geeignet ist der Einsatz von Blutegeln hingegen bei den folgenden Erkrankungen bzw. Indikationen:

  • medikamentöse Blutgerinnungshemmung, z.B. mit Heparin
  • Immunsuppression (Absenkung der Immunantwort, beispielsweise nach Transplantationen oder Bluttransfusionen)
  • Anämien
  • akute Infektionen
  • Schwangerschaft
  • ausgeprägten Allergien

Was kostet eine Blutegel-Therapie?

Die Kosten schwanken je nach Anzahl der eingesetzten Tiere zwischen 120 und 150 Euro pro Sitzung, die der Patient in der Regel aus eigener Tasche bezahlen muss.

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Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 6.1.2021, 9-12 Uhr

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