Neuer "Superapfel"Cosmic Crisp.

Mit der neu gezüchteten Sorte aus den USA soll der Apfel-Weltmarkt aufgerollt werden. Denn der "Cosmic Crisp" hat rekordverdächtige Eigenschaften, so die Experten. Doch was hat es mit der Züchtung wirklich auf sich?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Saftig, süß und knackig!"

Apfel Cosmic Crisp
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Weltweit gibt es mehr als 20.000 Apfelsorten. Davon sind rund 4.000 in Deutschland heimisch. Und noch ein bisschen Statistik: Pro Kopf verspeisen wir jährlich 30 Kilo Äpfel. Nun soll eine neue Apfelsorte aus den USA, die in zwei bis drei Jahren auch in deutschen Supermärkten zu haben sein soll, alle Rekorde brechen und zum Verkaufsschlager werden: der "Cosmic Crisp", unter Apfelforschern auch "WA 38" genannt.

Im Labor der Washington State University

1997 begann ein Züchter von der Washington State Universität die tiefrote "Enterprise" und den etwas helleren und sehr beliebten "Honeycrisp" miteinander zu kreuzen. Ziel war es, einen leicht produzierbaren, ertragreichen. wenig anfälligen, gut schmeckenden und lange lagerbaren Apfel zu züchten. Gentechnik kam dabei nicht zum Einsatz.

Woher kommt der Name?

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Warum werden Äpfel braun?

Beim Anschneiden eines Apfels werden Zellen beschädigt und ein klebriger "Saft" tritt aus. Er wirkt wie ein flüssiges "Pflaster" und schützt den Apfel vor Bakterien, Schimmel und Pilzen. Die dabei freigesetzten Enzyme und Phenole reagieren miteinander und mit dem Sauerstoff aus der Luft. Dadurch oxidiert die Schnittfläche und wird braun. Mit Vitamin C aus frischem Zitronensaft kann man diesen Prozess verhindern und der Anschnitt verfärbt sich nicht.

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Wegen seiner dunklen, rubinroten Schale mit den hellen Flecken hat der Apfel seine Züchter an einen Nachthimmel mit Sternen ("cosmic") erinnert. Den Biss beschreibt Ines Hanrahan als superknackig ("crisp") mit einer perfekten Süße-Säure-Balance. Die Deutsche ist Excutive Director of the Washington Tree Fruit Research Comission und hat an dem Apfel mitgeforscht.

Die wichtigste Eigenschaft des Superapfels: Er ist zehn bis zwölf Monate lagerfähig, ohne an Aroma und Qualität einzubüßen. Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Apfelsorten soll er sich kaum verfärben, wenn man ihn mit einem Messer anschneidet.

Seit Dezember 2019 ist der Apfel in amerikanischen Lebensmittelläden zu haben. In Europa haben Südtiroler Apfelbauern eine Anbaulizenz erhalten und dürfen den Superapfel seit 2019 anpflanzen. In den Handel kommt er frühesten in zwei bis drei Jahren. Doch die lange Entwicklungszeit, die Lizensierung und die Marketingmaschinerie hinter "Cosmic Crisp" haben ihren Preis: Der neue Superapfel soll dreimal teurer als herkömmliche Sorten sein.

Alte Sorte oder lieber ein Superapfel?

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Wie lagert man Äpfel am besten?

Das Gemüsefach bei 3 bis 5 Grad ist ein guter Aufbewahrungsort, ebenso ein kühler, dunkler Ort im Keller. Vorsicht: Bei einer längeren Lagerung sollten sich die Früchte nicht berühren und am besten auf Zeitungspapier ausgebreitet werden. Einmal pro Woche die Äpfel auf faule Stellen hin kontrollieren.

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Ines Hanrahan betont auch die gute Öko- und Energiebilanz des neuen Apfels. Die Sorte ist sowohl für Schäden vor der Ernte, als auch bei der Lagerung weniger anfällig. Dadurch gibt es kaum Verluste, während bei anderen Apfelsorten häufig bis zu 30 Prozent entsorgt werden müssen.

Makellose Superäpfel aus dem Forschungslabor anstelle von alten, regionalen Sorten, die nicht so ebenmäßig daherkommen und keine gefühlte Ewigkeit haltbar sind? Was ist besser? Hier ist der Verbraucher und sein ökologisches Bewußtsein gefragt: "Geht zu den Händlern, verlangt die alten Sorten", sagt Werner Nussbaum, Obstbau-Experte vom hessischen Pomologenverein.

Was ist besser für Allergiker?

Obstbauern wie etwa Andreas Schneider in Nieder-Erlenbach bei Frankfurt bauen auf regionale und fast vergessene Sorten: So kehrte etwa der Berlepsch wieder zurück, ein Apfel mit enorm viel Vitamin C. Denn viele alte Apfelsorten enthalten mehr Vitamine als die bilderbuchschöne Designerware.

Übrigens reagieren Apfelallergiker auf alte Sorten wie Gravensteiner, Rubinette, Gloster, Alkmene oder Roter Boskoop seltener als auf neuere Züchtungen wie Granny Smith, Golden Delicious, Jonagold oder Pink Lady. Und bei fachgerechter Lagerung sind alte Apfelsorten wie Boskoop bis zu einem dreiviertel Jahr lagerfähig.

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Was halten Sie von makellosen, ewig haltbaren "Designer-Äpfeln"?

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 22.1.2020, 5 - 9 Uhr

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