Einwegbecher
Einwegbecher wohin das Auge reicht. Bild © picture-alliance/dpa

Der schnelle Kaffee unterwegs, geschlürft aus einem Einwegbecher, ist ein echtes Umweltproblem - auch in Hessen. Das haben viele Städte, Ladenbesitzer und Unternehmen erkannt: Alle wollen mithelfen, den Müll zu vermeiden. Wir zeigen, welche Aktionen es gibt und wie viel Plastik so eingespart werden kann.

In Marburg gibt es bereits den "Marburger Klimaschutzbecher" - ein Mehrwegbecher zur Mehrfach-Nutzung, in Darmstadt haben Studenten ein Mehrwegbecher-Konzept mit Pfandsystem entwickelt. In Frankfurt und Kassel gibt es ebenfalls Mehrweg-Lösungen. Eine Hanauer Firma mit dem Namen "No Waste" stellt sogar biologisch abbaubare Kaffeebecher aus Baumharz her, die auch überregional verkauft werden.

"BecherBonus" kommt aus Hessen

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zum hr-fernsehen.de Video Dr. Petra Meyer-Ziegenfuß vom Hessischen Ministerium für Umwelt gibt Antworten zum Thema Plastikmüll

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Die Idee zur Mehrweg-Initiative "BecherBonus" kommt ebenfalls aus Hessen und hat laut hessischem Umweltministerium bereits hohe Akzeptanz gefunden. Laut Hessens Umweltministerin Priska Hinz habe beispielsweise die Glocken-Bäckerei seit Mitte 2017 mit ihren 120 Filialen in Hessen rund 18.500 Einwegbecher gespart. Rheinland-Pfalz nimmt die Initiative nun zum Vorbild.

Weitere Informationen

Weiterführende Links

www.cleanupnetwork.com
www.duh.de
www.hessen-nachhaltig.de

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Schulze stellt Studie vor: "Mehrwegsystem ausbauen"

Einen aktuellen Anlass zu solchen Kampagnen gibt es auch: Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellte am 21. Mai die "Studie des Umweltbundesamtes zu Reduzierung von Einwegkaffeebechern" vor. "Wir werden die Hersteller von Einwegbechern künftig stärker zur Kasse bitten", kündigte die SPD-Politikerin in Berlin bei der Vorstellung der Studie des Umweltbundesamtes an.

Es gehe darum, Einwegverpackungen soweit wie möglich zurückzudrängen. "Die Kosten können stärker auf die zugespitzt werden, die dies verursachen." Zudem wolle man das Mehrwegsystem ausbauen. "Wir werden rasch in der Regierung entscheiden, wie wir diesen Ansatz stärken können." Neue EU-Richtlinien gegen Einwegverpackungen gäben den nationalen Regierungen nun neuen Spielraum.

Eine Trendwende sei nötig, da auf jeden Deutschen im Jahr allein 220 Kilogramm Verpackungsmüll entfielen. "Es hat sich eine Wegwerfmentalität breitgemacht." Durch Coffee-To-Go im Einwegbecher werden nicht nur neue Ressourcen verbraucht, es entsteht auch sehr viel Abfall.

320.000 Coffee-To-Go-Becher pro Stunde

Bevor auf Lösungen eingegangen werden kann, sollte man sich aber vorher erst einmal die Fakten vor Augen führen. Die Deutsche Umwelthilfe hat sich dieser Herausforderung gestellt und konkrete Zahlen aus verschiedenen Studien zusammengestellt. Und diese sprechen eine deutliche Sprache:

  • Deutschlandweit werden rund 2,8 Milliarden Coffee-To-Go-Becherpro Jahr verbraucht
  • Stellt man diese mit dem dazugehörigen Plastikdeckeln aufeinander, entsteht ein 300.000 km hoher Turm
  • In Form einer Kette ließe sich die Erde damit mehr als siebenmal umrunden
  • Jeder Deutsche verbraucht 34 Einwegbecher im Jahr
  • Bundesweit fallen jeden Tag rund 7,6 Millionen Coffee-To-Go-Becher an
  • Das macht pro Stunde320.000 Stück

Polyethylen überall

Das größte Problem ist der Kunststoff, der bei der Herstellung verwendet wird. Die Einwegbecher bestehen nämlich nicht nur aus Papier, sondern sind auf der Innenseite mit Polyethylen beschichtet. Diese Schicht soll dafür sorgen, dass der Becher nicht durchweicht.

Die Becher bauen sich dadurch nur sehr langsam ab, und am Ende bleibt der Kunststoff übrig. Dieser zersetzt sich mit der Zeit zu Mikroplastik, dringt in die Natur ein und landet am Ende in der Nahrungskette.

  • Für die Beschichtung der Innenseite werden alleine in Deutschland 1.500 Tonnen Polyethylen benötigt – jedes Jahr
  • Zusätzlich verschlingen Plastikdeckel, die auf die Becher gesteckt werden, 9.400 Tonnen Polyethylen
  • Insgesamt werden jährlich 22.000 Tonnen Rohöl für die Beschichtung der Innenseite aller Pappbecher plus Deckel benötigt

Enormer Verbrauch von Ressourcen

Ziemlich genau 29.000 Tonnen Papier werden alleine in Deutschland jährlich für die Herstellung von Einwegpappbechern benötigt. Um dieses Papier herzustellen, sind 64.000 Tonnen Holz nötig.

  • Für die Herstellung von Einwegpappbechern werden jedes Jahr 43.000 Bäume gefällt
  • Für einen Pappbecher benötigt man etwa einen halben Liter Wasser
  • Die Herstellung der Becher verbraucht jährlich 320 Millionen kWh - soviel wie etwa 100.000 Musterhaushalte jährlich brauchen

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 21.05.2019, 5-9 Uhr

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