Fertiggerichte

Dass Fertiggerichte fett machen, hat eine US-Studie längst bewiesen. Doch dass Tiefkühlpizza und Co. auch alt machen, ist neu. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Ernährungsstudie aus Spanien. Wir erklären, warum das so ist.

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06.08.2020
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Forscher der spanischen Uni in Navarra haben festgestellt, dass sich die Telomere in der menschlichen DNA verkürzen, wenn man Fertiggerichte zu sich nimmt. Telomere sind die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Mit jeder Zellteilung werden sie kürzer, bis sich die Zellen nicht mehr teilen und vergreisen. Das heißt: Der Mensch ist so jung wie seine Telomere lang sind – je länger, desto jünger.

Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Depressionen und Diabetes

Das Forscherteam aus Navarra konnte nachweisen, dass Menschen, die besonders viel industriell vorproduziertes Essen wie Tiefkühlpizzen, Tüten-Kartoffelbrei oder Suppen aus der Dose verschlungen haben, geschrumpfte Telomere hatten. Immerhin 900 Personen wurden untersucht, das Ergebnis war eindeutig: Je mehr schlechte Fette, Salze, Zucker und Geschmacksverstärker enthalten waren, desto schlechter war es um ihre biologische Jugend bestellt.

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Mehrere vegetarische Fertigprodukte stehen in einem Kühlschrank.
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Dazu kamen Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Depressionen und Diabetes - und zwar bei 82 Prozent der untersuchten Personen im Vergleich zu denen, die sich nicht von Fertigessen ernährt haben. Bei dem Versuch aßen die Probanden zwei Wochen lang ausschließlich Fertigprodukte. Im Schnitt nahmen Sie dabei ein Kilo zu. Danach nahmen die Testpersonen zwei Wochen lang unverarbeitete, frische Lebensmittel zu sich. Und nahmen wieder rund ein Kilo ab.

Telomere können nachträglich nicht verlängert werden

Das Problem ist, dass die Telomere nachträglich nicht mehr verlängert werden können, selbst wenn man die Ernährung umstellt und die Fertiggerichte weglässt - was weg ist, ist weg. Dennoch verjüngt eine Ernährungsumstellung, weil sie andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder den dicken Bauch bekämpft.

"Fertiggerichte verschlechtern den Stoffwechsel"

Dass Fertiggerichte auch dick machen, ist schon länger bekannt. Ernährungsexperte Dr. Marc Tittgemeyer vom Kölner Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung erklärt das so: "Fertiggerichte verschlechtern den Stoffwechsel binnen kurzer Zeit. Die Dichte von Kalorien ist viel höher. Dadurch nehmen die Menschen mehr Kalorien zu sich."

Auch der Anteil von Fett und Zucker sei sehr viel höher als in normalen Lebensmitteln, so Tittgemeyer. Der Grund für diesen hohen Anteil liegt auf der Hand: Fett als Geschmacksträger und Zucker als Süßstoff sorgen dafür, dass es uns besser schmeckt.

"Sensorische Wahrnehmung"

Ein weiteres Ergebnis der US-Studie: Obwohl die Probanden durch die Fertiggerichte mehr Fett und Zucker zu sich genommen haben, wurden sie schnell wieder hungrig. "Diesen Effekt nennt man sensorische Wahrnehmung", weiß Dr. Tittgemeyer. "Unser Gehirn misst den Kaloriengehalt im Essen."

Der hohe Fett-Zucker-Gehalt aktiviere zudem häufig das Belohnungssystem des Körpers. Unser Gehirn signalisiere uns dann, dass wir weiter essen sollen. "Außerdem verstärkt der Geschmack des Fertigessens dieses Gefühl noch und wir essen viel zu viel."

Auch wenn die Studie nicht auf Langzeitfolgen des Verzehrs von Fertigprodukten ausgelegt war, so kann man laut Dr. Tittgemeyer dennoch davon ausgehen, dass regelmäßiger und langjähriger Konsum von solchen Lebensmitteln zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes führen kann.

Frische Lebensmittel

Die einzige Alternative zu Fertiggerichten sind und bleiben frische Lebensmittel, sowie eine Ernährung mit einem ausgewogenen Fett-Zucker-Verhältnis. "In der Natur finden wir solche Produkte gar nicht, die gleichzeitig einen so hohen Fett- und Zuckeranteil haben", stellt der Experte klar: Das gibt es nur bei Fertigprodukten."

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 14.9.2020, 9-12 Uhr

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