Frau Alkohol

Vor allem junge Frauen und Frauen in Führungspositionen sind laut neuer Studien besonders stark gefährdet, alkoholsüchtig zu werden. Warum sie zur Flasche greifen und welche Folgen das haben kann, weiß der Psychiater und Suchtexperte Dr. Bastian Willenborg.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dr. Bastian Willenborg über Alkoholkonsum bei Frauen

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Ein Glas Rotwein zum Abendessen, ein Cocktail mit den Freundinnen - Gelegenheiten zum Trinken gibt es genug. Besonders Männer galten lange Zeit als besonders gefährdet, wenn es um Alkoholsucht ging. Neue Studien zeigen aber: Junge Frauen und Frauen in Führungspositionen trinken heute fast genau so viel wie Männer.

So trinken 10,5 Prozent der 12- bis 25-jährigen Mädchen und Frauen Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. In der oberen Bildungsgruppe konsumiert jede vierte Frau eine riskante Menge Alkohol.

"Betrunken zu sein ist kein Problem mehr"

Als Grund für diesen zunehmenden Alkoholkonsum nennt Dr. Bastian Willenborg, Chefarzt der Oberbergklinik für psychisch Kranke in Berlin/Brandenburg, die Gleichberechtigung: "Es ist heute kein Problem mehr, in den sozialen Gruppen, in denen gerade jüngere Frauen unterwegs sind, auch betrunken zu sein", sagt er in hr1.

Auch auf die Frage, warum Frauen zum Glas oder zur Flasche greifen, hat Willenborg eine Antwort: "Sie trinken, um Belastungen standzuhalten. Zum Beispiel", so der Mediziner, "Wenn am Morgen schon viel zu tun ist, wird ein Glas Sekt getrunken, um den Tag zu bewältigen." Männer würden dagegen eher trinken, um abzuschalten.

Gefahr droht, wenn Alternativen fehlen

Gefährlich werde das Ganze dann, wenn der Alkohol zur Entspannung getrunken wird, weil andere Strategien fehlen, um vom Stress runterzukommen, so Willenborg. "Und natürlich, wenn man so viel trinkt, dass man am nächsten Tag einen Kater oder Entzugserscheinungen hat."

Auch Menschen, die die ganze Woche abstinent leben, es aber am Wochenende krachen lassen, können alkoholabhängig werden, weiß der Psychiater und Suchtexperte. Besonders wenn man das regelmäßig macht und dabei die Kontrolle verliert.

Wann ist Alkoholkonsum riskant?

Dabei sind die Gefahren eines übermäßigen Alkoholkonsums bekannt. Alkohol ist ein Zell- und Nervengift. Es schädigt Nieren und Leber. Auch die Haut leidet. Bestimmte Krebserkrankungen treten häufiger auf, bei Frauen zum Beispiel Brustkrebs.

Als riskant wird ein Alkoholkonsum betrachtet, wenn definierte Schwellenwerte überschritten werden. Das Robert-Koch-Institut setzt die Grenze für den risikoarmen Konsum pro Tag bei 12 Gramm reinem Alkohol für Frauen und bei 24 Gramm für Männer fest. Mit 0,25 Liter Bier, einem Glas Wein (100 Milliliter) oder einem einfachen Cocktail erreichen Frauen bereits das Limit. Wird oberhalb dieser Grenzen Alkohol konsumiert, so sind auf Dauer gesundheitliche Folgeschäden möglich.

Die Gefahren durch Alkohol liegen also nicht allein in der Suchtgefährdung. Deshalb sollte man, wenn man den Verdacht hat, dass jemand zu viel Alkohol trinkt, das Thema ansprechen, rät Bastian Willenborg. Hilfe bieten hier die Anonymen Alkoholiker oder die Selbsthilfegruppe A-Connect.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 20.5.2019, 9 Uhr

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