Joggen

Die Vorstellung aus dem Bett und ohne etwas zu essen direkt in die Laufschuhe zu schlüpfen und loszujoggen, klingt wenig verlockend. Es bringt aber was, wenn man abnehmen möchte. Der Sportarzt Dr. Matthias Marquardt verrät, warum.

Dr. Matthias Marquardt ist Internist, Sportmediziner und Buchautor. Er verfasste den Bestseller "Die Laufbibel" und ist Experte für Motivation, Gesundheit und Ernährung. Dr. Marquardt praktiziert und lebt in Hannover.

hr1: Morgens, ohne einen Bissen zum Frühstück, Joggen gehen. Warum soll das beim Abnehmen helfen?

Dr. Marquardt: Weil man dann seinen Körper in den Fettstoffwechsel zwingt. Wenn man vor dem Laufen etwas gegessen hat, wird der Zucker in diesem Nahrungsmittel viel lieber verstoffwechselt, als die Körperfette. Wenn man noch kein Zucker intus hat, muss der Körper an die Fette ran.

hr1: Ist diese Abnehm-Methode denn auch für jedermann etwas oder nur für Sportliche, die sowieso regelmäßig laufen gehen?

Dr. Marquardt: Gut trainierte Menschen bekommen das mit dem Joggen am Morgen etwas besser hin, auch zum Beispiel den inneren Schweinehund zu so früher Stunde zum Laufen zu bewegen. Aber eigentlich kann das jeder machen. Man sollte sich aber langsam heranpirschen an ein gutes Tempo und eine entsprechende Laufdauer. Man sollte nicht zu schnell starten damit.

hr1: Was genau bedeutet nüchtern laufen gehen? Also auch keinen Kaffee und keinen Schluck Wasser vorher trinken?

Dr. Marquardt: Sie können gerne Wasser trinken, aber nicht zu viel, sonst gluckert es unangenehm im Bauch beim Laufen. Was aber sehr beliebt ist und den Effekt sogar noch steigert, ist der Kaffee - solange er schwarz getrunken und nicht mit Zucker versetzt wird. Denn das Koffein steigert den Fettstoffwechsel zusätzlich. In den Leistungssportkreisen ist dieses Ritual fest etabliert: Morgens schwarzer Kaffee, in die Laufschuhe und dann los.

hr1: Was ist, wenn der Kreislauf schlapp macht, wenn man ganz ohne Frühstück losrennt?

Dr. Marquardt: Dem geübten Läufer wird nichts passieren. Dem ungeübten Läufer kann es durchaus flau im Magen werden. Aber das geht innerhalb von wenigen Wochen des Lauftrainings vorbei. Danach bekommt der Fettstoffwechsel dann Flügel. Wenn Sie jetzt sagen: 'Naja, in sechs Wochen hilft mir das nicht, wenn mir jetzt übel wird', hilft eine Notration. Da nimmt man sich eine sogenannte Notfall-Banane mit. Ihr Ziel sollte aber sollte sein, diese Notfallbanane stolz wieder mit nach Hause zu bringen.

hr1: Mal ganz ehrlich, wie sehr hilft diese Methode tatsächlich beim Abnehmen?

Dr. Marquardt: Joggen bleibt Joggen und Sie verbrennen dabei eine gewisse Menge an Energie. Da bin ich ganz nüchtern in der Analyse. Es ist aber so, dass wir durch dieses Fettstoffwechseltraining unseren Körper darin trainieren, auch über den Tag Fette zu verbrennen. Ich habe sehr positive Rückmeldungen von Patienten, die damit immer wieder Probleme hatten und die durch das Morgens-nüchtern-Joggen eine andere Aktivität ihres Grundstoffwechsels erzielen konnten und denen dadurch die Gewichtsreduktion wesentlich leichter fällt.

Da Corona ja durchaus auf die Hüften geht und manche auch der Corona-Blues befällt, ist das ein guter Mehrfachnutzen: Laufen Sie morgens, nüchtern - das hilft gegen Corona-Speck und macht auch gute Laune.

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Sendung: hr1 am Vormittag, 19.1.2021, 9-12 Uhr

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