MyMuesli

Im Internet bietet ein Müsli-Hersteller Haferflocken-Mischungen an, die per menschlichen DNA-Test auf jeden einzelnen perfekt abgestimmt sein sollen. Durch das sogenannte "personalisierte Müsli" bleibe man schlank und fit, heißt es. Doch nicht nur der Preis schreckt ab.

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Der deutsche Müsli-Hersteller "MyMuesli" bietet eine individuell zusammengestellte Haferflocken-Mischung an, die verspricht, auf den genauen Ernährungstyp eines jeden Käufers abgestimmt zu sein. Und dieser Ernährungstyp wird vorher anhand einer DNA-Analyse ermittelt.

189 Euro für Müsli, Ernährungsplan und DNA-Analyse

Dafür sendet der Kunde für stolze 189 Euro seine DNA im Speicheltest an ein beauftragtes Labor. Anschließend erhält er einen 50 Seiten umfassenden Ergebnisbericht, einen Ernährungsplan für zwei Wochen und ein Müsli, das speziell auf seine Gene abgestimmt sein soll. Im Bericht werden sieben Typen unterschieden: Eiweiß-Typ, Kohlehydrat-Typ, Fett-Typ und mehrere Mischformen.

Die Firma bezeichnet ihr sogenanntes "Personalised Nutrition"-Produkt als Weltneuheit, doch die Kritik an dem Produkt wird lauter. Denn außer weniger Geld im Portemonnaie scheint das Müsli keinen besonderen Effekt zu haben. Zudem unterscheidet es sich kaum von herkömmlichen Frühstücksflocken aus dem Supermarktregal.

Was bringt dieser DNA-Test?

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Doch das eigentliche Problem ist ein ganz anderes: Die Forschung zu Genetik und Ernährung befindet sich noch in den Kinderschuhen. Die Frage ist, ob ein solcher DNA-Test überhaupt etwas bringt. Denn schließlich werde bei einem Gen-Test für Müsli auch nur ein winzig kleiner Teil der Kunden-DNA analysiert, sagt die Wissenschaft. Und dieser Teil reiche gar nicht aus, um ein genaues und verlässliches Ernährungsprofil zu erstellen.

Durchaus dreist ist, dass der Hersteller selbst vom Nutzen der DNA-Tests gar nicht überzeugt ist. Auf der Homepage heißt es: "Wir sind der Überzeugung, dass die genetischen Informationen allein nicht ausreichen, um einen wirklich individuell auf Dich abgestimmten Ernährungsplan zu entwickeln. Neben dem Erbgut haben eine ganze Menge weiterer Faktoren wie Deine Umwelt, Dein individueller Lebensstil, Deine Essgewohnheiten und Dein Aktivitätslevel einen wesentlichen Einfluss auf Dein Körpergewicht."

Daher erbittet die Firma rund um den DNA-Test noch viele weitere sensible Informationen vom Kunden, der diese bereitwillig abliefert: Gewicht, Größe, Aktivitäten, Vorerkrankungen, Vorlieben. Hilfreiche und sehr persönliche Daten, aus denen dann Informationen entnommen und Empfehlungen ausgesprochen werden. Doch das hat nichts mit der genetischen Analyse zu tun. Hinzu kommt, dass sich der Nährstoffbedarf von Menschen jeden Tag ändert - der DNA-Test ist somit nur eine Momentaufnahme. Zudem beweisen Gen-Studien mit Zwillingen, die dieselbe DNA haben, dass nur ein Drittel der getesteten Personen den gleichen Bedarf an Nährstoffen hatte, weil diese ein völlig unterschiedliches Leben führten.

BR: Eine halbe Million Euro an Einnahmen

Alles in allem also nicht gerade kundenfreundlich, wenn eine Firma wie "MyMuesli" ein Produkt als "Weltneuheit" anpreist, im Kleingedruckten aber zurückrudert und die Wirkung des Ganzen selbst in Frage stellt. Dennoch scheint dies zahlreiche Menschen nicht davor abzuschrecken, den Preis von 189 Euro zu zahlen: Nach Auskunft der Firma "MyMuesli" haben seit seiner Einführung im August 2019 "mehrere tausend Menschen" den DNA-Test bereits gemacht. Bei 189 Euro pro Test müssen das Labor und die Müsli-Firma mittlerweile rund eine halbe Million Euro mit diesem Test eingenommen haben, schätzt der Bayerische Rundfunk.

"Das ist Geschäftemacherei"

"Für mich ist das Geschäftemacherei, oder das Geschäft mit der Hoffnung, aber kein medizinisch, wissenschaftlich fundierter Ansatz", sagt eine der angesehensten Humangenetikerinnen Deutschlands, Prof. Dr. Elke Holinski-Feder vom Medizinisch-genetischen Zentrum in München.

Solche Tests werde es wahrscheinlich irgendwann geben, aber im Augenblick gebe es sie nicht. "Wir haben derzeit keine wissenschaftlich fundierten Grundlagen, die es erlauben würden, aufgrund eines genetischen Profils irgendeine Aussage abzuleiten, welche Ernährung für diesen Menschen hinsichtlich der Optimierung seiner Gesundheit sinnvoll ist", so Holinski-Feder weiter.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 16.6.2020, 9-12 Uhr

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