Nic Dilger mit seinen Hühnern

Nic Dilger ist ein Lebensretter. Bei dem 17-Jährigen bekommen aus Legebatterien aussortierte Hennen ihr Gnadenbrot. An die grünen Wiesen und die frische Luft auf seinem kleinen Hof am Bodensee müssen sie sich aber erst gewöhnen.

"Bodenhaltungshühner kennen weder Tageslicht noch frische Luft", erzählt Nic in hr1. "Die trauen sich erst mal gar nicht aus dem Stall. Aber wenn sie dann rausgehen, dann freuen sie such und verhalten sich wie normale Hühner. Sie picken, flattern und fliegen."

"Hühner-Rente" am Bodensee

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Bodenhaltungshühner freuen sich, wenn sie endlich raus dürfen"

Nic Dilger mit seinen Hühnern
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In den Betrieben, aus denen Nics Hühner kommen, wäre ihr Leben schon längst geendet. Denn die Hennen sind im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so produktiv, wie die Landwirtschaft das gerne hätte. Etwa nach eineinhalb Jahren lässt ihre Legeleistung nach. Sie legen dann nicht mehr ein Ei pro Tag. Normalerweise werden sie dann geschlachtet und zu Suppenhühnern, Brühwürfeln oder auch zu Tierfutter verarbeitet.

Bei Nic hingegen dürfen sie ihre "Hühner-Rente" artgerecht verleben. Und sie legen weiter Eier, wenn auch nicht mehr so viele. Dafür haben diese jetzt Bio-Qualität, wie der 17-Jährige sagt. Zwei bis drei Stunden täglich ist der Auszubildende mit der Pflege der Tiere beschäftigt. Die Hühnerhaltung ist sein Hobby.

Rettet das Huhn

Vermittelt werden die Tiere durch den Verein "Rettet das Huhn". Dessen Mitglieder kümmern sich seit 2007 bundesweit um ausrangierte Legehennen, sammeln sie bei kooperierenden Landwirten ein und geben sie an Hühner-Paten weiter. "Man kann sich auf der Webseite des Vereins bewerben und zeigen, dass man die Hühner artgerecht halten kann", erklärt Nic.

Mehr als 86.000 Hühner wurden so vor dem Schlachter bewahrt. Die Lebenserwartung nach der Rettung liegt bei ein bis drei Jahren. Doch jeder Tag in Freiheit zählt. Denn die Massentierhaltung hinterlässt Spuren bei den Tieren. Viele sind ausgezehrt oder ihnen fehlen an vielen Stellen die Federn. "Deshalb muss man einiges beachten", so Nic. "Im Sommer können solche Hühner Sonnenbrand bekommen, im Winter sogar erfrieren."

Industrielle Hühner-Haltung ist nicht artgerecht

In Deutschland werden zwischen 40 und 50 Millionen Hühner zum Zweck der Eierproduktion gehalten. Die meisten davon in Bodenhaltung. Pro Quadratmeter sind da neun Hennen zugelassen. Bei der Freilandhaltung sieht es ähnlich aus, nur dass die Tiere tagsüber auch mal raus dürfen. In der Bio-Haltung haben die Tiere auch Auslauf, zudem sind hier nur sechs statt neun Hennen pro Quadratmeter zugelassen.

Für Nic Dilger und "Rettet das Huhn" ist keine Form der Eierproduktion tiergerecht und damit hinnehmbar. Eier solle man bei Höfen kaufen, bei denen man die Hühner auf dem Feld sieht oder eben einfach weniger Eier essen. Laut Deutschem Bauernverband werden im Jahr pro Kopf 236 Eier verzehrt. Bei Nic und seiner Familie kommen jetzt nur noch die Eier der eigenen Hühner auf den Tisch.

Sendung: hr1 am Vormittag, 19.11.2020, 9-12 Uhr

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