Political correctness

Der Weg zur politischen Korrektheit ist steinig und unbequem. Überall lauern Fettnäpfchen, die nur darauf warten, dass jemand in sie hinein tritt. Allerdings haben viele Leute den Eindruck, dass politisch korrekte Sprache in der heutigen Zeit auch immer mehr zu einer Art "Hypermoral" wird.

"Political correctness" ist eine Einstellung, die alle Ausdrucksweisen und Handlungen ablehnt, durch die jemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft, seines Geschlechts, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, seiner körperlichen oder geistigen Behinderung oder sexuellen Neigung diskriminiert wird.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Philosoph Alexander Grau über politische Korrektheit: "Die Empörung nervt"

Alexander Grau
Ende des Audiobeitrags

Doch wer "political correctness" anweden will, kann auch schnell mal übers Ziel schießen. So verwendete unser Moderator Thomas Koschwitz die Redewendung "in Schwulitäten geraten" und sah sich prompt Vorwürfen der Homophobie ausgesetzt.

"Schwulität" hat nichts mit Homosexualität zu tun

Dabei hat "in Schwulitäten kommen/geraten" oder "jemanden in Schwulitäten bringen" überhaupt nichts mit Diskriminierung einer Person aufgrund deren sexueller Orientierung zu tun. Vielmehr bedeutet es: "In Schwierigkeiten/Bedrängnis/Verlegenheit geraten".

Das im 18. Jahrhundert entstandene Wort "Schwulität" ist eine in Studentenkreisen entstandene scherzhafte Bildung aus "schwul" beziehungsweise "schwül". "Schwül" bedeutet "drückend heiß" oder "beklemmend", im übertragenen Sinne auch "bang" - weil einem vor Angst auch heiß werden kann. Eine Schwulität ist also eine Situation, in der einem "angst und bang" wird.

Der Hallenser Magister Christian Wilhelm Kindleben (1748 bis 1785) schreibt in seinem Studenten-Lexikon von 1781: "Schwulitäten, Verlegenheiten, unangenehme, ängstliche Dinge, von schwul, drückend heiß, wobei es einem sehr bange und ängstlich zu Mute ist". Erst im 19. Jahrhundert wurde der Begriff "schwul" mit Homosexualität in Verbindung gebracht.

Weitere Informationen

Beispiele für politische Korrektheit

  • Aus "männlich/weiblich" wurde "männlich/weiblich/divers"
  • Aus dem "Negerkuss" bzw. dem "Mohrenkopf" wurde der "Schokokuss"
  • Aus dem "Sarotti-Mohr" wurde der "Sarotti-Magier"
  • Aus "Eskimos" wurden "Inuiten"
  • Aus "Zwergen" wurden "Kleinwüchsige"
  • Aus "Ausländern" wurden "Menschen mit Migrationshintergrund"
  • Aus der "Putzfrau" wurde die "Raumpflegerin"
  • Aus dem "Toilettenmann" der "Facility Manager"
  • Aus "behindertengerecht" wurde "barrierefrei"
Ende der weiteren Informationen

Aus dem "Negerkönig" wurde der "Südseekönig"

Auch die Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren hatte bereits mit politischer Korrektheit zu kämpfen. Ihr berühmtestes Werk "Pippi Langstrumpf" von 1945 musste im Laufe der Zeit einige Korrekturen hinnehmen, da beim Oetinger-Verlag seit den 80er-Jahren immer wieder Briefe besorgter Eltern eingegangen waren, die Textänderungen forderten. Stein des Anstoßes war das Wort "Negerkönig": "Meine Mama ist ein Engel", sagt Pippi gleich im ersten Kapitel, "und mein Papa ist ein Negerkönig. Es gibt wahrhaftig nicht viele Kinder, die so feine Eltern haben!"

Kolonialrassistisches Gedankengut bei Lindgren? Wohl kaum! Die Autorin selbst fand die Aufregung damals übertrieben und sah keinen Grund, an ihrem Buch irgendetwas zu ändern. Erst sieben Jahre nach ihrem Tod gab der Verlag schließlich nach und änderte den Begriff ab: Seit 2009 sind die Bewohner von Taka-Tuka-Land keine "Neger" mehr, sondern "Eingeborene". Und Pippis Vater ist nicht mehr der "Negerkönig", sondern ein "Südseekönig".

Aus dem "Zigeunerschnitzel" wurde das "Schnitzel mit Paprikasoße"

Sogar eine kulinarische Delikatesse musste im Zuge der politischen Korrektheit bereits umbenannt werden: das Zigeunerschnitzel. 2013 forderte der Verein "Forum für Sinti und Roma" durch anwaltliche Schreiben mehrere Hersteller der Soße zur Umbenennung auf. Die Zigeunersoße sollte ab sofort nur noch "Paprikasoße" oder "Soße Ungarischer Art" heißen.

Der "Zentralrat Deutscher Sinti und Roma" hingegen sah im "Zigeunerschnitzel" kein Problem. Zwar sei der Begriff Zigeuner nicht wertneutral und befeuere "rassistische Stereotypen", doch ein Verbot des Wortes habe der Zentralrat zu keiner Zeit gefordert. Führende Soßen-Hersteller lehnten eine Umbenennung ab, zeigten sich aber "kompromissbereit, wenn sich herausstellen sollte, dass eine größere Gruppe sich durch die Bezeichnung diskriminiert fühle".

Mitmachen erwünscht: Wie stehen Sie zur politischen Korrektheit?

Und jetzt sind Sie gefragt! Wie lautet Ihre Meinung zu dem Thema? War das längst überfällig oder finden Sie es übertrieben? Schicken Sie uns weitere Beispiele für politische Korrektheit im Alltag. Einfach das Formular ausfüllen, absenden, fertig.

Formular

Wie stehen Sie zum Thema politische Korrektheit?

Sie können uns auch gerne weitere Beispiele nennen:
Kontaktdaten

* Pflichtfeld

Ende des Formulars

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 12.2.2020, 5-9 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit