Heuschreckenbrot
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Als Gag fürs Partybuffet oder Mutproben-Häppchen im Dschungelcamp haben Insekten längst ihren Ekelfaktor verloren. Nach aktuellen Erkenntnissen der Forschung sind Grillen und Würmer die Proteinquelle der Zukunft. Unsere Moderatoren wollten wissen, wie es schmeckt und haben den Test gemacht.

Als Gag fürs Partybuffet oder Mutproben-Häppchen im Dschungelcamp haben Insekten längst ihren Ekelfaktor verloren. Im Gegenteil: Sie gelten in vielen Ländern als Delikatesse und sind bei 2 Milliarden Menschen Teil des Speiseplans. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, kurz FAO, hält Insekten für eine unterschätzte Nahrungsquelle. Sie sucht schon seit 2003 nach Alternativen zu traditioneller Viehzucht und betont seit Jahren die Vorzüge von tierischen Proteinquellen.

Geschmacksprobe im hr1-Studio

Koschwitz Team Grillen Test
Thomas Koschwitz, Simone Reuthal und David Ahlf haben Grillen und Mehlwürmer live im hr1-Studio probiert. Ihr Fazit: "Schmeckt nicht besonders gut." Bild © hr

Grillen sind "Einsteiger-Insekten"

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Folgende Insektenarten sind essbar:

  • Bienenmaden (Gallerina mellonella)
  • Buffalowürmer/ Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus)
  • Heimchen (Acheta domesticus)
  • Mehlwürmer (Tenebrio molitor)
  • Riesenmehlwürmer (Zophobas morio)
  • Mittelmeergrillen (Gryllus bimaculatus)
  • Steppengrillen (Gryllus assimilis)
  • Wanderheuschrecken (Locusta migratoria)
  • Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria)
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Grillen gelten als "Einsteiger-Insekten" – insgesamt gibt es weltweit fast 2000 essbare Insektenarten. In Europa werden überwiegend vier Insektenarten für den Verzehr produziert: Heuschrecken, Grillen, Mehl- und Buffalowürmer.

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Was ist Entomophagie?

Der Verzehr von Insekten durch den Menschen (Entomophagie) wird in vielen Ländern praktiziert - meist in Teilen von Asien, Afrika und Lateinamerika. Insekten waren schon immer Bestandteil unserer Ernährung - rund zwei Milliarden Menschen haben täglich Insekten auf ihrem Speiseplan. Erst seit kurzem ist die Entomophagie im Fokus der Medien, von Forschungsinstituten, Köchen und der Lebensmittelindustrie.

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Das Verspeisen von Insekten ist keine kulinarische Neuentdeckung: Die Panzertierchen, Maden und Würmer stehen bereits bei rund zwei Milliarden Menschen auf dem täglichen Speiseplan und zählen zu einer der wichtigsten Proteinquellen.

Eine bereits im Jahr 2013 veröffentlichte Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen hat eine klare Botschaft: Die sogenannte "Ernährungssicherheit" könnte sich weltweit entscheidend verbessern, wenn mehr Menschen Insekten essen würden.

Die Wissenschaftler der FAO nennen folgende Hauptgründe für Insekten als (Über-)Lebensmittel:

• Essbare Insekten gelten als gesund, weil sie besonders viel hochwertige Eiweiße, Vitamine und Aminosäuren enthalten: Grillen bestehen laut das Bundesamt für Risikobewertung über 60 Prozent aus Proteinen, Muskelfleisch vom Rind enthält "nur" etwa 21 Prozent Eiweiß. Der bisherige Protein-König Fisch, zum Beispiel Stremellachs, kommt auf einen Eiweißanteil von rund 25 Prozent.

• Insekten-Zucht ist vergleichsweise umweltschonend und nachhaltig*: Grillen brauchen 12 mal weniger Futter als Rinder, um die gleiche Menge Eiweiß zu produzieren. Sie können außerdem mit biologischen Abfallprodukten gefüttert werden.

• Insektenzucht verursacht auch weniger Treibhausgase und Ammoniak als traditionelle Viehzucht

• Die Insektenzucht kann mit geringem finanziellen und technologischen Aufwand auch auf kleinem Raum betrieben werden.

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*Zum Vergleich

Um 1 Kilo Protein aus tierischen Quellen zu produzieren, verbraucht (Rind-)Vieh rund 40 Kilogramm, Futter, Schweine und Hühner rund 7 Kilogramm sowie Grillen lediglich 2 Kilogramm.

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Essbare Insekten - ein lukratives Geschäftsmodell

Essbare Insekten könnten Mangelernährung und Hungersnöte erheblich mindern - und damit Leben retten, als nur zum Snack für kulinarische Trendsetter oder Gesundheitsfreaks zu mutieren. Doch die Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen hat die alternative Proteinquelle auch als Geldquelle interessant gemacht: In Kanada und in den USA ist das Superfood schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Zu den Pionieren zählt die ehemalige Wissenschaftsjournalistin und Trendforscherin Megan Miller mit ihrem kalifornischen Label "Bittyfoods", unter dem sie drei Kekssorten und eine Backmischung vertreibt. "All Things Bugs" aus Oklahoma verkauft Heuschreckenpulver als Proteinkick für Drinks, Smoothies und Müslis. Auf Youtube präsentieren bereits einige selbsternannte "Insekten-Köche" ihre Rezepte, zum Beispiel Schokoladenkuchen aus Grillenmehl.

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In Kanada bietet "Next Millenium Farms" für Gastronomen feinstes Mehl aus Heuschrecken sowie geröstete Heuschrecken und Mehlwürmer in den Geschmacksrichtungen BBQ, Honig-Senf oder marokkanisch an. "Sens Food" mit Sitz in London setzt auf Brot, Protein- und Energieriegel aus Grillenmehl. Die Insekten lassen die Firmengründer auf der weltgrößten Grillenfarm in Thailand züchten. Im "Cricket Lab" zirpen mehrere Millionen Grillen, bevor sie dann in den Kälteschlaf versetzt werden, um sie dann einzufrieren.

Löst Entomophagie den Vegan-Trend ab?

Grillen-Proteinriegel
Energie-Riegel mit "Erdnussbutter & Zimt" oder "Schoko & Orange" Bild © picture-alliance/dpa

Veganismus war gestern, nun sind Insekten als Power-Foodtrend angesagt: In Deutschland, in Österreich und der Schweiz bieten Hersteller wie "Essentro" aus Zürich, das Berliner Startup "Exo-Snacks“ und "Snack-Insects" aus Schleswig-Holstein Eiweißriegel und Mehl mit dem typischen, leicht nussigen Geschmack an. Zu haben sind die Power-Proteinpakete in Supermarktketten wie Billa, Merkur, Rewe, Tegut und Alnatura sowie in Online-Shops. Rund drei bis vier Euro muss für einen 40 bis 50 Gramm leichten Riegel berappt werden. Seit Februar verkauft die Hamburger-Kette "Hans im Glück" testweise Burger mit "Buffalo-Wurm"-Patties, bei Tegut sind tiefgefrorene Grillenburger zu haben.

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Teures Trend-Mehl

Zum Vergleich: 100 Gramm Grillenmehl kostet ca. 28 Euro, ein Pfund knapp 100 Euro. Ein Pfund Buchweizenmehl kostet 2 Euro, ein Pfund Weizenmehl weniger als 50 Cent.

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Auch wenn Insekten eine nachhaltigere und kostengünstigere Protein-Alternative zu konventionell produzierten Lebensmitteln sein könnten: Der derzeitige Umfang und die Produktionsgrößen sind vergleichsweise gering und können nicht mit konventionellen Lebensmittelquellen konkurrieren. Ein Grillenschnitzel, Heuschreckensteaks oder Bratwurst aus Buffalowürmern werden sicher nicht so schnell als Alternative für herkömmliche Fleischwaren auf den Markt kommen. Denn bei Insekten steht die Verarbeitung als Proteinquelle im Vordergrund – etwa als eiweißreiche Zutat in Powerriegel, Gebäck oder Brot für Sportler und Gesundheitsbewußte.

Sendung: hr1, Koschwitz am Morgen, 27.03.2019, 5 Uhr

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