Flugzeug Passagiere Corona Maske

Die Sommerferien stehen vor der Tür, viele Hessen freuen sich auf den Urlaub. Doch wie sicher ist das Fliegen eigentlich in Bezug auf Corona? Prof. Christian Kähler von der Uni München rät eher davon ab, ins Flugzeug zu steigen - und erklärt, warum.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Eine Gewährleistung, dass Sie sich nicht anstecken, wird Ihnen niemand geben"

Prof. Christian Kähler
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Nach einer Flugreise sehnen sich in Zeiten von Corona nur die Wenigsten - das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey: Demnach sind nur wenige Deutsche bereit, für den Sommerurlaub in ein Flugzeug zu steigen. Nur 13,4 Prozent planen, in den nächsten drei Monaten beruflich oder privat zu fliegen. 60,8 Prozent aller Befragten haben Angst, sich an Bord mit Corona anzustecken, wobei diese Sorge bei Frauen deutlich größer ist als bei Männern.

Aerosole können gefährliche Ansteckungsquelle sein

Und diese Sorge scheint berechtigt, denn wenn Passagiere im Flugzeug - also in einem geschlossenen Raum - dicht nebeneinander sitzen, kommen sie trotz verpflichtender Mund-Nasen-Maske mit Partikeln in Berührung, die sich in der Atemluft befinden.

Diese sogenannten Aerosole, also ein Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen, die kleiner als fünf Mikrometer sind, werden beim Sprechen und Atmen von jedem in die Luft abgegeben - unter Umständen auch mit Maske. Ein Atemstoß enthält bis zu 1.000 dieser Teilchen, unter denen auch winzige Partikel ansteckender Corona-Viren enthalten sein können.

Reiseveranstalter: Luft "wie in einem Operationssaal"

Die Reiseveranstalter und Flugzeugbauer widersprechen den Vermutungen, dass es in Flugzeugen ein hohes Ansteckungsrisiko gebe und verweisen auf spezielle Schwebstofffilter in den Klimaanlagen. Diese seien in allen Flugzeugen mittlerweile Standard und würden 99,97 Prozent aller Aerosole herausfiltern.

Zudem würde die Kabinenluft alle zwei bis drei Minuten vollständig ausgetauscht und durch Frischluft ersetzt - sie werde oben eingeblasen und unten abgesaugt. Durch den vertikalen Luftstrom im Flugzeug sei eine Ansteckung an Bord ausgeschlossen, heißt es. Dadurch herrsche im Flugzeug eine Luft "wie in einem Operationssaal", verspricht beispielsweise die Lufthansa.

"Keimfreie Luft im Flieger nur unter Idealbedingungen"

Aerosole

Doch Christian Kähler, Professor am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr in München, sieht das etwas anders: So annähernd keimfrei wie die Luft im Flugzeug angepriesen werde, sei sie nur unter idealen Bedingungen. Also nur dann, wenn alle Luftdüsen ständig offen stünden und beispielsweise der Mittelsitz frei bliebe. Doch Mittelsitze würden prinzipiell nicht von den Fluggesellschaften freigehalten werden, sondern seien ebenfalls buchbar.

Laut Kähler sei es für eine ideale Raumbelüftung außerdem besser, "die Luft von unten durch den Boden zuzuführen und flächig über die Decke abzusaugen". Also genau andersherum, als es tatsächlich im Flieger passiert. Wie lange eine potenzielle Gefahr durch Aerosole besteht, haben Forscher aus den USA bereits untersucht: Demnach verschwinden kleine Atemtröpfchen, die beim Sprechen entstehen, in einer geschlossenen Umgebung bei stehender Luft erst nach etwa acht bis 14 Minuten. Andere Forscher sagen, Aerosole in geschlossenen Räumen könnten sich sogar über Stunden halten.

Herkömmliche Masken filtern Aerosole nicht ausreichend

Aerosole, Maske

Hinzu komme das Problem, dass die meisten Masken, die nicht zu den Filterklassen FFP2 oder FFP3 gehören, diese kleinen Partikel gar nicht filtern könnten, betont Kähler. Dennoch hätten die einfachen Masken einen wichtigen Effekt, so der Experte: "Sie bieten zumindest Strömungswiderstand. Anstatt dass man Partikel weit nach außen pustet, halten sie sich nahe am Kopf."

Größte Ansteckungsgefahr beim Ein- und Aussteigen

Allerdings müssten die Mund-Nasen-Masken auch richtig sitzen, um gut zu schützen. Als Tipp gibt er an, in die eigene Atemmaske mit ordentlich Druck hineinzupusten - "pfeift oder strömt Luft an den Rändern heraus, taugt die Maske nichts", so Kähler.

Die größte Ansteckungsgefahr bestehe laut Kähler aber gar nicht während des Fluges, sondern vielmehr "während des Ein- und Aussteigens in die Maschine oder am Check-In-Schalter." Insofern sollten Menschen momentan nur mit dem Flugzeug reisen, wenn dies nicht anders möglich sei. "Mit dem Auto zu reisen ist gut, Zuhause zu bleiben ist besser", empfiehlt Kähler.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 25.06.2020, 9-12 Uhr

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