Gäste bezahlen in einem Restaurant.
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Im Urlaub darf es auch mal etwas mehr kosten. Aber 500 Euro für einen Meeresfrüchte-Teller oder gar 1100 Euro für vier Koteletts, vier Fischplatten und Mineralwasser? So vermeiden Sie Wucherrechnungen!

In touristischen Metropolen wie Venedig, Rom, Mallorca, Lissabon und anderen Hotspots verlangen Gastronomen meist Mondpreise. Streetfood wie ein Stück Pizza, ein Sandwich oder eine Eiswaffel sind horrend teuer. Immerhin ist die eindrucksvolle Fotokulisse inklusive. Doch der Nepp wird zum Horror, wenn man in einem herkömmlichen Restaurant Standardgerichte bestellt und im Anschluss eine Rechnung mit einer drei oder gar vierstelligen Summe aufgetischt wird. Wie schützt man sich vor der Abzocke im Restaurant? Wir haben für Sie Expertentipps zusammengestellt.

Jenseits der Touristenströme

Lokale in touristischen Hotspots und in der Nähe von weltberühmten Sehenswürdigkeiten sind schon aufgrund der horrenden Ladenmiete überteuert. Wer jedoch seinen Espresso unbedingt auf dem Markusplatz in Venedig trinken möchte, hat zumindest sein Selfie und andere Fotomotive gratis. Günstigere und meist gute, kleine Restaurants verbergen sich in den Seitenstraßen jenseits der Touristenströme.

Namen wie Schall und Rauch

Einfallslose Namen wie "Taverna Sparta", "Pizzeria Napoli" oder "Trattoria Italiano" verheißen meist eine ebenso einfallslose Speisekarte mit Gerichten, die aus Fertigprodukten gebastelt werden. Gleicht die Karte eher einem Fotoalbum und die Speisen wurden in ein halbes Dutzend Sprachen übersetzt, sollten Sie lieber an einem anderen Ort einkehren.

Achtung vor "Marktschreiern"

In beliebten Urlaubsorten und Restaurantmeilen wird meist lautstark um die Gunst der Gäste gebuhlt. Bewaffnet mit Speisekarten nehmen Kellner gezielt Touristen ins Visier, um ihnen ihre Lokalität als "beste Empfehlung" schmackhaft zu machen. Fallen Sie nicht auf diese Lockvögel herein, auch wenn der Magen noch so knurrt!

Erst fragen, dann bestellen

Vorsicht vor unübersichtlichen Speisekarten mit gefühlt 100 Posten, verwirrender Speiskarten-Lyrik und ewig langen Listen für Extras. Je kleiner und schlichter die Speisekarte, desto weniger laufen Sie Gefahr abgezockt zu werden. Wollen Sie partpout in einem solchen Lokal speisen, fragen Sie vor ihrer Bestellung noch einmal nach dem genauen Preis für das gewählte Gericht.

Erst prüfen, dann zahlen

Geben Sie Ihre Kreditkarte nicht gleich aus der Hand, wenn der Kellner die Rechnung bringt. "Bevor man zahlt, sollte man sich in Ruhe Zeit nehmen, um die einzelnen Posten auf der Rechnung zu prüfen", empfiehlt Annett Reinke

Weitere Informationen

Eine Kugel Eis im Preisvergleich (Quelle bild.de):

  • USA: 4,25 - 4,50 Euro
  • Griechenland: 50 Cent - 3 Euro
  • Spanien: 2 bis 3,80 Euro
  • Frankreich: 2 - 3 Euro
  • Italien: 2,50 bis 3 Euro
  • Österreich: 1,50 bis 2 Euro
  • Türkei: 1 - 1,60 Euro
  • Skandinavien: 3 Euro
  • Kroatien: 80 - 90 Cent
  • Tschechien: 60 Cent - 1,80 Euro
  • Bulgarien: 30 Cent
Ende der weiteren Informationen

von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Unser Tipp: Am besten zum Abgleich nochmal die Speisekarte bringen lassen! Geben Sie die Rechnung nicht aus der Hand! Falls sie der Kellner verlangt, um Posten zu prüfen, machen Sie zuvor zur Sicherheit ein Handyfoto. Sammeln Sie Beweise für einen offensichtlichen Betrug: Fotografieren Sie die Speisekarte ab. Gibt es Zeugen am Nebentisch?

Nur zahlen, was auf dem Teller war

Im Betrugsfall scheitert der Kampf um das kulinarische Recht meist an der Sprachbarriere. Machen Sie "Luftposten" auf Ihrer Rechnung aus, kann es schwierig werden, den Betrug zu ahnden. "Juristisch muss ein Gast nur das zahlen, was er auf dem Teller hatte. Aber in einer Landessprache, die man nicht beherrscht, hat man so gut wie keine Chance, sein Recht als Verbraucher einzufordern", sagt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Zeche prellen ist unrecht

Die Zahlung zu verweigern und die Zeche zu prellen, ist keine gute Lösung. Auch, wenn dies ein direkter Weg wäre, um die Polizei hinzuzuziehen - Sie machen sich mit der Zechprellerei ebenso strafbar wie der Gastronom. "Der Gastronom hat juristischen Anspruch auf die Bezahlung des Verzehrten", betont Reinke. "Selbst, wenn man beweisen kann, dass man hereingelegt wurde und der Wirt nicht einsichtig ist, muss man in den sauren Apfel beißen und erstmal zahlen", empfiehlt die Verbraucherberaterin.

Die nächste Polizeidienststelle ansteuern

Mit der Rechnung und Zeugen umgehend zur nächsten Polizeidiensstelle gehen und Anzeige gegen den betrügerischen Wirt erstatten! Auch wenn Sie teures Lehrgeld bezahlt haben, können Sie auf diesem Wege weitere Opfer vor dem betrügerischen Gastronom warnen. In Venedig hat sich die Gruppe von Geschädigten eine Plattform "Gruppo25aprile.org" gegründet, auf der sie Wucherfälle publik macht.

Warten aufs Essen mindert den Preis

Kommt Ihre Bestellung mit Verspätung auf den Tisch, können Sie den Preis herabsetzen. So durften Restaurantbesucher nach einem Urteil des LG Karlsruhe für eine Verspätung von mehr als eineinhalb Stunden die Rechnung um 30 Prozent kürzen (Urteil v. 12.5.93, Az. 1 S 196/92). Eine Wartezeit von 30 Minuten gilt als akzeptabel.

Seundung: hr1, hr1 am Vormittag, 16.7.2018, 10 Uhr

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