Flugtraum

Warum träumen wir? Darüber streiten Experten schon seit Langem. Hartnäckig hielt sich viele Jahre lang eine Theorie, wonach die nächtlichen Bilder biologische Abfallprodukte seien und überflüssig wären. Heute sieht das ganz anders aus. Wir beleuchten fünf Traumszenarien, die jeder kennt.

Wenn Menschen träumen, fliegen sie über Dächer, verpassen Züge, haben phänomenalen Sex, begegnen alten Freunden oder längst verstorbenen Bekannten. Manchmal leiden wir in Albträumen aber auch unter Verfolgungsszenarien, Versagensängsten, Todesdrohungen oder blamablen Situationen.

Träume sind Schäume - oder etwa nicht?

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Traumforscherin Dr. Ursula Voss: "Frauen erinnern sich häufiger an ihre Träume"

Frau liegt im Bett
Ende des Audiobeitrags

Früher ging die Forschung davon aus, dass Träume nur entstünden, weil der primitive Hirnstamm des Menschen (eine Region des Denkorgans, die direkt mit dem Rückenmark verbunden ist) nachts nicht zur Ruhe komme und unter Dauerfeuer zufällige Impulse aussende. US-Schlafforscher Allan Hobson stellte dazu die These auf, dass das Großhirn, also jene Areale, die Bewusstsein und Verstand beherbergen, die vom Hirnstamm produzierten Signale registriere und rein willkürlich in Bilder übersetze. Die aber, so Hobson, hätten nichts zu bedeuten.

Weitere Informationen

Traumdeutung nach Freud und Jung

Die Psychoanalytiker Sigmund Freud und Carl Gustav Jung trugen maßgeblich zu unserem heutigen Verständnis der modernen Traumdeutung bei. Freud sah Träume als die Befriedigung unerfüllter Triebwünsche, die zur Selbsterkenntnis beitragen. Beide Männer beschrieben Träume als Ausdruck des Unterbewusstseins. Jung glaubte, neben einer objektiven und persönlichen Deutung der eigenen Träume, zudem an ein kollektives Unterbewusstsein der Menschheitsgeschichte, mit dessen Hilfe man den Bildern aus Träumen ebenfalls eine Bedeutung zuschreiben könne.

Ende der weiteren Informationen

"Nachtfantasien, mit denen wir tagsüber Erlebtes verarbeiten"

Heute gehen Schlafforscher und Psychologen wie Brigitte Holzinger davon aus, dass Träume vielmehr eine sinnliche und auch sinnvolle Verarbeitung des tagsüber Erlebten sind. Dabei spielen vor allem Emotionen eine große Rolle. "Träume sind Gefühle in bewegten Bildern und nicht nur für den Menschen überlebenswichtig. Man könnte sie auch als Nachtfantasien verstehen", so Holzinger, die am Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien forscht, in einem Interview mit bento.de.

Forscher erstellen Bilder aus Hirnscans

2013 gelang es japanischen Wissenschaftlern, mithilfe von Hirnscans ganze Traumszenen aus den Köpfen der Schlafenden auszulesen und zu verbildlichen. Nachdem die Probanden aufgewacht waren, berichteten sie von ihren Erlebnissen – in mehr als der Hälfte der Fälle stimmten die konstruierten Sequenzen damit überein. Hier sehen Sie das Video dazu:

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Fünf Traumszenarien und ihre Bedeutung

Träume gelten als Spiegel der Seele. Sie stehen für das, was uns sowohl bewusst als auch unterbewusst beschäftigt. Allerdings erleben wir diese Dinge in Form von Symbolen und speziellen Szenarien, sodass die Bedeutung eines Traumes nur selten auf den ersten Blick ersichtlich ist. Wenn man seine Träume deutet, erfährt man sehr viel über sich selbst. Denn Träume sind individuelle Erlebnisse, dennoch tauchen Traumsymbole auch bei anderen Menschen auf. In der Traumdeutung gibt es allerdings keine allgemeingültige Vorgehensweise, wie man diese deuten kann.

Dennoch haben wir folgende Traumszenarien und Traumsymbole aus dem Buch "Traumdeutung" von Klausbernd Vollmar und Konrad Lenz mal etwas genauer betrachtet:

  • Fallen: Fallträume stehen für Kontrollverlust und lösen meist Angst und Panik aus. Das Fallen gilt der Befürchtung, den Halt im Leben zu verlieren. Es symbolisiert den Konflikt zwischen unseren Vorstellungen und der scheinbaren Unerreichbarkeit unserer Ziele sowie den damit einhergehenden Gefühlen von Unsicherheit, Zweifel und Minderwertigkeit. Vor allem in Beziehungskrisen steht es dafür, dass man sich fallen lassen sollte, statt angestrengt nach intellektuellen Lösungen zu suchen. Insofern kann es auch Hingabe symbolisieren.
  • Nacktsein: Nacktheit bedeutet immer Entblößung, also sich mit seinen eigentlichen Gefühlen zu zeigen. Damit ist meist die Angst verbunden, nicht ernst genommen oder gar ausgelacht zu werden. Dabei bemerken die anderen unsere Nacktheit oft gar nicht. Diese anderen Personen stehen für Anteile von uns selbst. Stellen wir also fest, dass wir beispielsweise in einer Teamsitzung gänzlich nackt dasitzen, bedeutet dies, dass wir uns vor unseren eigenen Vorstellungen, wie wir uns zeigen sollten, entblößt haben - eine Auflehnung gegen unser strenges Selbstbildnis. Nacktträume sollen also dazu ermutigen, mehr zu sich selbst zu stehen und sich weniger an zu hohen Ansprüchen an sich selbst zu orientieren.
  • Zahnausfall: Zahnträume symbolisieren unseren Umgang mit Aggressionen. Sie stehen für Abgrenzung und deshalb in direktem Zusammenhang mit dem, was wir in uns aufnehmen und was nicht. Einzeln ausfallende Zähne verkörpern Energieverlust und regressive Tendenzen, der Verlust vieler Zähne symbolisiert eine Umbruchphase, die bereits begonnen hat oder kurz bevorsteht. Er kann jedoch auch einen massiven Vitalitätsverlust verdeutlichen, da etwas "tief verwurzeltes" verloren geht. Zahnausfall kann aber auch den Verlust der Attraktivität bedeuten. Je nach Traumzusammenhang können Zahnträume aber auch mit sexuellen Problemen und Ängsten verbunden sein.
  • Fliegen: Diese uralte Menschheitssehnsucht begegnet uns vermehrt in jungen Lebensjahren. Fliegen steht für Realitätsflucht, Überblick, Leichtigkeit oder freien Gedankenflug. Dieses Traumbild führt uns Tendenzen zur Alltagsflucht vor Augen oder verweist auf die Notwendigkeit, sich durch Aufgeben alter Denkgewohnheiten auf neue Wege zu begeben. Fliegen ist die bestmögliche Balance von Ekstase und Kontrolle. Hin und wieder thematisiert der Flugtraum - vor allem, wenn er rauschartig erlebt wird - auch den sexuellen Liebesrausch, so in den alten Mythen, aber auch in der Psychoanalyse von Freud.
  • Flucht: Fliehen wir im Traum, ist dies immer als Aufforderung zu verstehen, innezuhalten und sich dem zuzuwenden, was uns bedroht. Unabhängig davon, ob dies Tiere, Monster, Räuber oder gar Mörder sind. Wir haben Angst vor uns selbst und vor dem, was in uns steckt. Wenden wir uns diesem zu, verliert es seinen Schrecken. Wichtig ist dabei, vor wem oder was man flieht. Fluchtträume treten demnach in Situationen auf, in denen Sie einer realen unangenehmen Situation ausweichen. Das Traumbild fordert Sie nicht nur auf, sich der Situation zu stellen und standzuhalten, sondern zeigt Ihnen auch häufig mögliche Lösungswege auf.

So merken Sie sich Ihre Träume besser

Und wovon haben Sie zuletzt geträumt? Falls Sie sich nicht mehr daran erinnern können - hier kommen ein paar Tipps:

Weitere Informationen

Drei Tipps, wie Sie sich an Ihre Träume erinnern

1. Dream Sense Memory: Direkt nach dem Aufwachen sollten Sie im Bett dem Traum noch einmal nachgehen. Dabei kommt es nicht nur auf die Bilder, sondern auf alle Sinne an. Was haben Sie im Traum gerochen, was gehört? Wie haben Sie sich im Traum gefühlt?
2. Traumtagebuch: Legen Sie Stift und Notizblock auf den Nachttisch - ein Traumtagebuch hilft, die flüchtigen Erinnerungen schriftlich festzuhalten.
3. Training: Wer diese Tricks einige Wochen anwendet, kann so schon bald einen Traum pro Nacht festhalten. Je mehr Sie das üben, desto detaillierter und lebhafter erinnern Sie sich.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 24.2.2020, 9-12 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit