Lesebrille

Prof. Dr. med. Ilse Strempel ist Augenärztin in Marburg und klärt auf, warum günstige Lesebrillen von der Stange durchaus ihren Zweck erfüllen und am Auge im Grunde nichts kaputt machen können. Allerdings verrät sie auch, für wen sich diese Billigbrillen lohnen und für wen nicht.

Fertiglesebrillen sind fast überall zu haben und liegen voll im Trend. Kein Wunder, denn Alterssichtigkeit trifft jeden. Schon mit Anfang 40 fängt in der Regel der Kampf mit dem Kleingedruckten an. Ein maßgeschneidertes Optikermodell kostet allerdings bis zu 150 Euro, die billigere Variante ab zwei Euro gibt's hingegen an jeder handelsüblichen Tankstelle, an Autobahnraststätten und in Drogerie- oder sogar Supermärkten. Doch verschaffen die Fertiglesebrillen tatsächlich den echten Durchblick? Und sind sie überhaupt gut fürs Auge?

hr1: "Frau Dr. Strempel, sind Fertiglesebrillen wirklich so schlecht, wie oft behauptet wird?"

Dr. Ilse Strempel: "Nein, Fertiglesebrillen erfüllen ihren Zweck und sind ok. Man kann seine Augen durch diese preisgünstigen Brillen nicht kaputt machen. Allerdings lohnen sich solche Billigbrillen eher für die Leute, die vorher keine Brillenträger und weder kurz- noch weitsichtig waren. Wer allerdings schon vorher an einer Sehschwäche gelitten hat, sollte auf eine geschliffene Lesebrille vom Optiker zurückgreifen."

hr1: "Warum das?"

Dr. Ilse Strempel: "Fertiglesebrillen sind nicht auf die individuellen Bedürfnisse einer Person, die vorher schon Brillenträger war, eingerichtet. Rein statistisch sind diese Brillen Standardversionen, die für die meisten Menschen passen."

hr1: "Und wieso gibt es diese Fertiglesebrillen eigentlich nur bis +3 Dioptrien?"

Dr. Ilse Strempel: "Zwischen 40 und 60 nimmt die Alterssichtigkeit zu. Dabei gilt die folgende Faustregel: Mit 40 braucht man die Dioptrie +1, mit 50 +2 und mit 60 +3. Danach hört es auf mit der Verstauchung der Augenlinse, das heißt ihre Elastizität nimmt ab, welche das scharfe Sehen in der Nähe ermöglicht. Anders formuliert können die Augen mit 70 ohnehin nicht mehr schlechter werden."

hr1: "Mal ganz allgemein gefragt: Wird das Auge durch das Tragen einer falschen Brille schlechter gemacht?"

Dr. Ilse Strempel: "Eindeutig nein. Man kann beim Tragen einer Brille mit falschem Dioptrien-Wert vielleicht Probleme wie Kopfschmerzen bekommen, aber das Organ Auge wird dadurch nicht krank oder gar kaputt gemacht. Es ist lediglich eine Überforderung des optischen Systems."

hr1: Wie ist das eigentlich beim Homeoffice, wenn man ständig auf den Bildschirm schaut?"

Dr. Ilse Strempel: "Wenn man am Rechner stundenlang in die Nähe guckt, sollte man nach etwa 45 Minuten aufstehen und in die Ferne schauen, um das Auge zu entlasten."

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 18.1.2021, 9-12 Uhr

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