Freundshaftssymbol

Mit der Freundin ins Kino gehen oder mit dem besten Kumpel auf ein Bier: Derzeit ist es gar nicht so einfach, Freundschaften zu pflegen. Ein Experte verrät, wie Nähe am besten funktioniert in Zeiten von Abstandhalten. Und machen Sie den Test: Sind Sie eine gute Freundin?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ungewöhnliche Politikerfreundschaften

Spahn und Bartsch
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Der Beginn einer Freundschaft ist meist ganz einfach und entsteht oft zufällig: Auf einer Party, im Bus oder auf der Straße kommt man ins Gespräch. Bei diesem "Kennenlernen" spürt man: Hat der andere den gleichen Humor? Versteht er mich, wenn ich ihm etwas erzähle? "Es dauert etwa zwei Jahre, bis aus einer Bekanntschaft eine wirkliche Freundschaft wird. Wenn ich jemandem vertrauen und mit ihm über alles reden kann", weiß der Autor und Psychoanalytiker Dr. Wolfgang Krüger.

Der Berliner Autor unterscheidet zwischen lockerer "Alltagsfreundschaft" und gewachsener, vertrauensvoller "Herzensfreundschaft". Für beide Freundschaftsarten gilt vor allem in Zeiten von Corona: Freundschaften müssen gepflegt werden. Denn "innerhalb von sieben Jahren scheitert die Hälfte der Freundschaften“, betont der Beziehungsexperte.

Einfach mal den besten Freunden einen "Freundesbrief" schreiben

Was sollten wir uns zum "Internationalen Tag der Freundschaft" vornehmen? In einer Partnerschaft schreiben wir uns auch mal Liebesbriefe. Warum also nicht mal den besten Freunden einen Brief schreiben? Genau das schlägt der Autor und Psychoanalytiker Dr. Wolfgang Krüger vor und verrät. "Ich mache das regelmäßig und überlege lange, bevor ich anfange zu schreiben."

Was hat mir an dieser Freundschaft im letzten Jahr gefallen und was wünsche ich mir für dieses Jahr? Darüber denkt der Freundschaftsexperte dann nach. Das klingt ein wenig akademisch, aber die Wirkung ist erstaunlich: "Das intensiviert die besten Freundschaften. Ich habe Freunde, die diese Briefe lange mit sich herumtragen, bis sie vom vielen Lesen auseinanderfallen. Das hat eine hohe emotionale Wirkung und berührt auch mich selbst sehr", verrät Krüger.

Solche Freundschaftsbriefe seien wichtiger denn je, "denn sie helfen uns gerade dann einander nahe zu sein, auch wenn man körperlich Abstand halten muss."

Sich selbst wichtige Fragen beantworten

"Wer gute Freunde hat, lebt länger und ist selbstbewusster", wird in manchen Frauenmagazinen behauptet. Ja, da sei was dran, sagt der Berliner Freundschaftsexperte. Das mit dem Selbstbewusstsein auf jeden Fall. Deshalb rät Krüger rät auch, über sich selbst nachzudenken: Was sind eigentlich meine eigenen drei positiven Eigenschaften?

"Wenn ich mir diese Fragen beantworten kann und meine positiven Eigenschaften kenne, bin ich auch neugierig auf andere Menschen, auf die Welt und bin dann auch in der Lage, Alltagsfreundschaften zu pflegen", so Krüger. Während wir im Durchschnitt drei "Herzensmenschen" haben, können wir mehrere "Alltagsfreundschaften" pflegen. Denn auch sie sind für unser Seelenleben wichtig.

"Wir brauchen Alltagsfreundschaften"

Alle 14 Tage, besser einmal in der Woche, sollte man sich einen Freundschaftsabend genehmigen, lautet einer der Tipps in Krügers Buch "Freundschaft beginnen - verbessern - gestalten".

Darin empfiehlt der Therapeut: "Verabreden Sie sich mit einem Freund oder einer Freundin, telefonieren Sie mit ihr oder ihm oder skypen Sie. Regelmäßiger Kontakt sei vor allem für "Alltagsfreundschaften" wichtig. "Um sie müssen wir uns besonders kümmern", sagt der Psychologe. Er tauscht sich mit seinen Alltagsfreunden beispielsweise über Rundmails als, "mit Fotos und interessanten Texten". "So halten wir uns alle darüber auf dem Laufenden, wie es uns geht."

Weitere Informationen

Infos zum Buch

Dr. Wolfgang Krüger: "Freundschaft beginnen - verbessern - gestalten"
Taschenbuch, 184 Seiten
Verlag: BoD – Books on Demand
ISBN: 978-3-7386-5607-7
Preis: 13,90 Euro

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Innige und belastungsfähige Freunde sind wichtig

Während "Alltagsfreundschaften" in Coronazeiten leiden, würden "Herzensfreundschaften" meist intensiver, beobachtet Krüger und ergänzt: "In Krisenzeiten sind wir auf innige und belastungsfähige Freunde angewiesen. Mit unseren Herzensfreunden können wir auch telefonieren oder skypen. Wir haben so viele Begegnungen, Gespräche, Umarmungen verinnerlicht, dass wir den anderen spüren, wenn wir ihn am Bildschirm sehen oder hören." Dafür sei nun auch mehr Zeit, "weil viele Ablenkungen nicht mehr möglich sind."

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 30.7.2020, 5-9 Uhr

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