Homeoffice Symbolbild

Viele Hessen arbeiten seit Monaten ganz oder teilweise im Homeoffice. Das wirkt sich auch auf die Lohnsteuererklärung 2020 aus. Wir haben mit einem Finanzexperten gesprochen und für Sie recherchiert, welche Kosten absetzbar sind.

Noch nie haben so viele Menschen in Hessen von zu Hause aus gearbeitet wie in den vergangenen Monaten: Manche sitzen an ihrem Schreibtisch aus Studentenzeiten, andere mit Notebook am Küchentisch. Und so manche Eltern sind wegen der Lautstärke sogar ins Badezimmer oder auf den Balkon ausgewichen.

Und wie sieht das mit dem Arbeitsplatz und -material aus? Wer kein Diensthandy hat, telefoniert mit dem eigenen Smartphone. Wer kein Headset für Telefon- und Videokonferenzen gestellt bekommt, benutzt seine eigenen Kopfhörer. Der Internetzugang funktioniert über das heimische WLAN. Aber: Welche Kosten im Homeoffice kann man eigentlich von der Steuer absetzen?

Minister empfehlen Homeoffice-Pauschalen

"Home-Office bringt in aller Regel viele Vorteile mit sich, wie beispielsweise ersparte Fahrtkosten und -zeit. Jedoch entstehen daheim auch zusätzliche Kosten, die nach den aktuellen steuerlichen Regelungen unter Umständen nicht abgezogen werden können, zum Beispiel, weil der heimische Arbeitsplatz gewisse Voraussetzungen nicht erfüllt", konstatiert der Hessische Finanzminister Michael Boddenberg. Deshalb plädiert Boddenberg mit seinem bayerischen Amtskollegen Albert Füracker dafür, "dass die Zusatzkosten durch Home-Office unbürokratisch bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden können."

Von 5 Euro pro Tag bis 100 Euro monatlich

Der Vorschlag: Wer im Homeoffice arbeitet, soll für jeden vollen Tag einen Pauschalbetrag von 5 Euro, maximal 600 Euro im Jahr, als Werbungskosten abziehen können. Um die Pauschale zu erhalten, muss nach den Plänen der Finanzminister der Arbeitsplatz in der Wohnung keine besonderen Voraussetzungen erfüllen.

Auch der Bund der Steuerzahler (BdSt) fordert, dass man die Ausgaben für einen Arbeitsplatz von der Steuer absetzen kann, auch wenn kein abgeschlossenes Arbeitszimmer vorhanden ist. BdSt-Präsident Reiner Holznagel verlangt sogar eine Pauschale von monatlich 100 Euro - unabhängig von Nachweisen. Doch bis die Vorschläge aus dem hessischen Finanzministerium und des Bundes der Steuerzahler umgesetzt werden, gilt die bisherige Rechtslage:

Arbeitszimmer

Wer von zu Hause aus arbeitet und das steuerlich geltend machen will, muss ein separates Arbeitszimmer aufweisen: Ein abgeschlossener Raum, der auch nur dienstlich genutzt wird – ohne Gästebett, -sofa oder Spielecke für die Kinder.

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Tipp: Homeoffice schriftlich bestätigen lassen

"Wenn der Arbeitgeber aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen wegen Corona verboten hat, ins Büro zu gehen, sollte man sich dies schriftlich bestätigen lassen und der Steuererklärung 2020 beifügen", empfiehlt Finanzexperte Dyrk Scherff.

Ende der weiteren Informationen

Wer nachweist, dass ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, der kann bis zu 1.250 Euro im Jahr als "Werbungskosten" in die Steuererklärung eintragen. Das ist etwa bei Lehrern der Fall, da sie in der Schule keinen eigenen Arbeitsplatz haben, um ihren Unterricht vorzubereiten oder Arbeiten zu korrigieren. Dieser Fall gilt auch bei sogenannter "angeordneter Heimarbeit" - etwa dann, wenn der Arbeitgeber die Arbeit im Büro aus Sicherheitsgründen wegen Corona verbietet.

Unbegrenzt absetzbar ist ein Arbeitszimmer nur dann, wenn es der "Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit" - etwa bei freischaffenden Schriftstellern oder freien Journalisten.

Arbeitsplatz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Homeoffice den Geschäften zu schaffen macht

Laden "geschlossen" in Zeiten von Corona.
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"Wer im Homeoffice am Esstisch seinen Arbeitsplatz hat, kann bislang nur Arbeitsgeräte absetzen, aber nicht die Arbeitsfläche", weiß Dyrk Scherff, Finanzexperte sowie Redakteur für Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherthemen bei der FAZ.

Arbeitsmaterial/Ausstattung

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Tipp: Büromaterial direkt abrechnen

Julia Jirmann vom Bund der Steuerzahler empfiehlt, sich Büroausgaben wie Papier direkt vom Arbeitgeber bezahlen zu lassen. Denn wenn man Utensilien vom Arbeitgeber erstattet bekommt, seien 100 Prozent der Kosten gedeckt. Setzt man diese Posten als Werbungskosten von der Steuer ab, "liegt die Erstattung nur in Höhe meines Grenzsteuersatzes."

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Unabhängig, ob ein Arbeitszimmer vorhanden ist oder nicht, kann man Dinge absetzen, die zum Arbeiten gehören: Wer vom Arbeitgeber zum Beispiel keine Hardware gestellt bekommt und sich auf eigene Kosten einen Arbeitsplatz einrichten muss, kann Geräte wie Notebook, PC und Monitor mit Kosten von bis zu 952 Euro direkt von der Steuer absetzen. Laut der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) kann man die Kosten für einen Schreibtisch, eine Leselampe oder sogar die Tapete in voller Höhe absetzen.

Betriebskosten

Bei Miete, Strom oder Heizung sieht das anders aus. Diese sogenannten "Betriebskosten" fallen in der Regel für den gesamten Wohnraum an. Deshalb muss man anhand der Quadratmeter ausrechnen, wie hoch die anteiligen Kosten des Arbeitszimmers sind – falls vorhanden. Nur diesen Teil kann auch in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Fahrtkosten

Mitarbeiter, die dem Arbeitsplatz im Unternehmen lange wegen Homeoffice oder Kurzarbeit fernbleiben, müssen auch entsprechend weniger Tage bei der Berechnung der Entfernungspauschale angeben. Vorsicht: Steuerpflichtige, die angeben, sie würden fast jeden Tag ins Büro fahren, dann aber doch einen dauerhaften Homeoffice-Arbeitsplatz haben, könnten sich des Steuerbetruges schuldig machen.

Telekommunikation (Telefon/WLAN)

20 Prozent der Ausgaben für Telekommunikation, aber maximal 20 Euro im Monat, können steuerlich geltend werden.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 4.11.2020, 9 -12 Uhr

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