Georges Simenon: Der Mann, dern Zügen nachsah
Bild © Kampa Verlag

Wer träumt nicht davon, alles hinter sich zu lassen? Jetzt oder nie! Ein Mann hat es satt, dem Leben nur nachzusehen. Der biedere Prokurist Kees Popinga fährt nach Amsterdam und weiter nach Paris, um endlich zu leben, wirklich zu leben. Koste es, was es wolle – selbst wenn andere dafür sterben müssen.

Zitat
„Eine faszinierende, ironische Studie eines Mannes, bei dem man nie sagen kann, wer er ist.“ Zitat von Stefan Sprang
Zitat Ende
Weitere Informationen

Information

Georges Simenon: "Der Mann, der den Zügen nachsah"
Roman, 272
Seiten
Kampa Verlag
ISBN: 3-311-13332-2
Preis: 22,90 Euro

Zur Übersicht der hr1-Buchtipps

Ende der weiteren Informationen

Mit 75 Maigret-Romanen ist der Belgier Georges Simenon eine Legende. Aber, was viele nicht wissen: Er hat auch klassische Romane geschrieben.

Die Geschichte von Kees Popinga, ein Prokurist aus Groningen

Audiobeitrag
Georges Simenon: Der Mann, dern Zügen nachsah

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Man wird in diesen Strudel der Ereignisse gezogen"

Ende des Audiobeitrags

"Der Mann, der den Zügen nachsah" ist einer von vielen Simenon-Romanen, die der Kampa-Verlag jetzt neu veröffentlicht. Alle Werke sind empfehlenswert. Doch dieser Roman ist eine faszinierende, eine bös-ironische Studie eines Mannes, bei dem man nie sagen kann: Ist er der Psychopath, für den die Polizei ihn hält? Oder ist er einer, der die bürgerlichen Fesseln abgeworfen hat und genau weiß, was er tut?

Kees Popinga ist Prokurist einer Firma in Groningen. Die stattet Schiffe aus mit allem, was man so braucht an Bord. Kees hat eine Familie und eine tolle Villa. Aber naja: Seine Gattin nennt er tatsächlich "Mutti". In seinem tiefsten Innern ist er mit der Gesamtsituation nicht glücklich: Sein Leben ist in Ritualen erstarrt. Kees Sehnsucht, alles aufzugeben und hinter sich zu lassen wird durch seine Zugfahrten symbolisiert.

Ein gewaltsamer Todesfall steht im Mittelpunkt

Kees Firma ist pleite, damit steht auch er vor dem finanziellen Ruin. Also haut er ab nur mit einer Aktentasche und besucht eine Bekannte aus Groningen. Das Ergebnis: Ein gewaltsamer Todesfall. Doch die Geschichte ist kein Krimi - mehr eine faszinierende, eine bös-ironische Studie eines Mannes, bei dem man nie sagen kann: Ist er der Psychopath, für den die Polizei ihn hält? Oder ist er einer, der die bürgerlichen Fesseln abgeworfen hat und genau weiß, was er tut?

Kees landet schließlich in Paris. Die Zeitungen berichten sogar über ihn. Aber die Schlinge zieht sich immer enger um ihn. Es ist großartig, was Simenon mit seinem so schlichten Stil erreicht: Die Figuren, die Schauplätze, Kees Gedanken und Stimmungen.

Der Leser wird regelrecht hineingesogen in den Strudel der Ereignisse und in die Story. Und die ist so zeitlos. Wir erleben einen Menschen, der sich sagt: Wenn ich endlich den wirklich leckeren Kuchen haben will, muss ich ihn mir auch nehmen. Und eben auf Moral und Gesetz pfeifen, anders geht es nicht.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 29.05.2019, 10 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit