J.K. Rowling

Die "Harry Potter"-Erfinderin ist unter einem Pseudonym zur Krimi-Bestseller-Autorin avanciert. Gerade ist der vierte Teil einer Krimireihe um das Ermittlerduo Cormoran Strike und Robin Ellacot erschienen. Alle Infos zu den Büchern gibt es hier.

Als im November 2013 mit "Der Ruf des Kuckucks“ der erste Teil einer Krimireihe des Autors Robert Galbraith erschien, wusste sofort jeder, dass es sich dabei in Wirklichkeit um J.K. Rowling handelt. Die Potter-Erfinderin hatte es ihrem Anwalt erzählt, der wiederum nicht dicht halten konnte und so kam das Ganze raus.

Vielleicht war das aber auch beabsichtigt. Denn erst nachdem bekannt wurde, wer hinter dem Pseudonym Robert Galbraith steckt, zogen die Verkaufszahlen für das Buch an. Ohne Rowlings berühmten Namen wäre das Buch gefloppt.

Robert Galbraith lässt die Kassen klingeln

Für den Verlag Blanvalet entpuppte sich der Deal mit Robert Galbraith aber als Coup. Er kaufte das Manuskript für einen vierstelligen Betrag, ohne zu wissen, wer dieser Autor eigentlich ist. Jetzt klingeln die Kassen.

Doch wie lesen sich die Rowling-Krimis? Jedenfalls nicht wie "Harry Potter"-Romane. Es gibt keinerlei Ähnlichkeiten im Schreibstil, Redewendungen oder Floskeln. Also neues Genre und neuer Stil.

"Der Ruf des Kuckucks"

Buchtipps Robert Galbraith

Das Supermodel Lula Landry - auch "Cuckoo" genannt - stürzt in der Nacht vom Balkon ihrer Penthouse-Wohnung im Londoner Stadtteil Mayfair. Die Polizei geht von Selbstmord aus - nur der Bruder des Opfers - der reiche Anwalt John Bristow - will das nicht glauben. Er wendet sich an den abgehalfterten Privatdetektiv Cormoran Strike. Ein Ex-Soldat, der bei einem Einsatz in Afghanistan seinen linken Unterschenkel verloren hat. Gerade frisch getrennt von seiner Verlobten schläft er im Büro auf einem Feldbett und steht kurz vor der Pleite, weil die Aufträge fehlen.

Strike glaubt nicht so recht an die Mordtheorie, doch dem Angebot von Bristow kann er nicht widerstehen. Er zahlt einfach zu gut. Zeitgleich mit dem neuen Auftrag schickt die Zeitarbeitsfirma Strike die neue Aushilfs-Sekretärin Robin. Ein echter Glückgriff für Strike. Sie recherchiert gründlich, ist ihm in den Ermittlungen oft einen Schritt voraus und bringt schwierige Zeugen zum Reden – ein Naturtalent.

Die beiden werden ein perfektes Team und kämpfen sich durch Intrigen und Lügen der Londoner High-Society. Sie ermitteln in Lulas Umfeld, in dem jeder verdächtig ist: der Stardesigner, die beste Freundin, ein ominöser Rapper und sogar der Bruder selbst.

"Der Seidenspinner"

Buchtipps Robert Galbraith

Der Schriftsteller Owen Quine ist spurlos verschwunden und seine Frau bittet Strike um Hilfe. Zwar ist es normal, dass der Autor immer mal wieder ein paar Tage abtaucht ohne sich zu melden, aber diesmal ist es anders.

Strike findet heraus, dass Quine gerade ein Manuskript vollendet hat, in dem er mit den Personen in seinem Bekanntenkreis abrechnet. Sollte es je zu einer Veröffentlichung kommen, würde das Buch – es heißt Bombyx Mori (Seidenspinner) für einige ungemütlich werden – das Mordmotiv! Denn Quine wird tot aufgefunden, genauso ermordet, wie die Hauptfigur in seinem Roman.

Wer also hat das Manuskript gelesen? Die Agentin? Der Lektor? Quines Geliebte? Oder auch seine Ehefrau? Strike und Robin tauchen ein in die Welt des Verlagswesens und Robin kann Strike beweisen, dass sie mehr als nur eine Assistentin am Schreibtisch ist…

"Die Ernte des Bösen"

Buchtipps Robert Galbraith

Der Postbote bringt ein Paket ins Büro. Der Inhalt: ein abgetrenntes Frauenbein. Wer will Strike eine Botschaft senden? Vier mögliche Täter fallen im sofort ein. Auch die Londoner Polizei ermittelt, allerdings nur in eine Richtung. Also wenden sich Strike und Robin den anderen Tatverdächtigen zu. Es gibt weitere Überfälle auf eine Prostituierte und ein junges Mädchen.

Auf dem Weg den Mörder zu fassen erfahren wir in diesem dritten Teil mehr über das Ermittlerduo – über ihre Vergangenheit, ihre Beweggründe und ihre Gefühle. Beide kommen sich so nah wie nie zuvor und verletzen sich prompt als Strike Robin feuert, weil sie sich selbst in Lebensgefahr gebracht und gegen seinen Willen gehandelt hat. Robin trägt eine tiefe Narbe davon als sie auf den Mörder trifft. Und das alles auch noch vor ihren Hochzeitsvorbereitungen mit ihrem Jugendfreund Matthew. Ja, Robin will heiraten!

"Weißer Tod"

Robert Galbraith: „Weißer Tod“ – Buchcover

Ein Mordfall, der bereits einige Jahrzehnte zurückliegt: Billy, ein geistig zurückgebliebener Mann, besucht Ermittler Cormoran Strike in dessen Büro. Er erzählt, dass er einen Mord gesehen hat, an einem kleinen Mädchen oder doch einem Jungen – so sicher ist er sich da nicht mehr. Dann haben sie ihn vergraben, in einer rosa Decke, in der Mulde am Haus. Auch sein Bruder Jimmy hat alles gesehen, sagt Billy, aber der wolle heute davon nichts mehr davon wissen. Bevor Strike Fragen stellen kann, läuft Billy davon.

Strike stellt ein paar Nachforschungen an und stößt auf besagten Jimmy, der in einer regierungskritischen Widerstandsbewegung aktiv ist. Kurze Zeit später meldet sich der britische Kulturminister bei Strike und bittet ihn um Hilfe. Er wird erpresst – und jetzt kommt‘s: von Jimmy. Jetzt wird Strike sogar dafür bezahlt eins und eins zusammen zu zählen.

Ein echtes Drama! Robin hat tatsächlich ihre Jugendliebe geheiratet und auch Strike hat eine neue Beziehung. Ihr Umgang miteinander ist merklich kühler geworden. Aber geschäftlich gesehen ist Robin jetzt Strikes Partnerin und ermittelt verdeckt im Ministerium. Sie kämpft mit Angstzuständen – im letzten Teil ist sie dem Killer sehr nah gekommen – und mit ihrer doch nicht ganz so glücklichen Ehe.

Fazit

J.K. Rowling legt eine passable Krimireihe vor. In echt englischer Manier á la Sherlock Homes – gut und klar konstruiert. Jeder Teil lässt sich auch ohne Probleme einzeln lesen. Doch mit jedem neuen Teil deckt Rowling mehr über die Vergangenheit der beiden auf, so werden Strike und Robin immer tiefgründigere Figuren, denen man sich nicht mehr entziehen kann. Und ihre Beziehung zueinander wird immer schwieriger… Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht? Dieses Beziehungsdrama hinter der Krimikulisse ist meisterlich erzählt.

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Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 16.1.2019, 10 Uhr

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