Martin Lutherjohann an Deck der "Diamond Princess"

Die Passagiere der "Diamond Princess" wollten Asien auf dem Seeweg erkunden. Nun liegt das Kreuzfahrtschiff seit zwei Wochen im Hafen der japanischen Stadt Yokohama fest. Besatzung und Passagiere sind aufgrund des Corona-Virus in Quarantäne. In "hr1 Koschwitz am Morgen" berichtet einer der Urlauber live, wie er diesen Horrortrip an Bord erlebt.

"Sie genießen alle Annehmlichkeiten und die abwechslungsreichen Möglichkeiten eines großen Schiffes", verspricht die amerikanische Reederei Princess Cruises in ihrer Online-Broschüre. Doch nun ist das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff weltweit der Ort mit den meisten bekannten Corona-Fällen außerhalb von China: 454 Personen haben sich nachweislich mit dem Virus infiziert, nachdem sich kürzlich 99 neue Verdachtsfälle bestätigt hatten.

Martin Lutherjohann

Die Maßnahmen für die Passagiere sind entsprechend streng: Sämtliche Gäste müssen in ihren Kabinen bleiben. Statt des üblichen opulenten Bord-Büffetts gibt es eingeschweißte Mahlzeiten, die vor der Kabinentüre deponiert werden. Für den Münchner Martin Lutherjohann und seine Frau heißt das: Die letzten zwei Wochen fast 24 Stunden auf nur 15 Quadratmetern unter Deck in einer Innenkabine verbringen.

Nur zwei Mal am Tag dürfen sie für eine Stunde mit Mundschutz an Deck, um frische Luft zu schnuppern. Der Kontakt zu Mitreisenden ist allerdings streng untersagt. Der Reisebuchautor und ehemalige Psychotherapeut meistert seine Zwangslage so gut es geht - mit Schreiben, Lesen, Fernsehen, Netzsurfen, Whatsappen und Skypen.

Der kleine Luxus einer Außenkabine gibt etwas Freizeit

Außenkabine der "Diamond Princess"

"Die 'Diamond Princess' hat 740 Kabinen mit Balkonen, eine ausgezeichnete Küche, einen hervorragenden Service und viele, sehr unterschiedlich gestaltete Gesellschaftsräume", ist in der Bordbeschreibung nachzulesen. Sparfüchse nehmen in der Regel eine Innenkabine, da man sich ja meist sowieso an Deck oder an Land aufhält. Wer sich für diese Reise den Luxus einer Balkonkabine geleistet hat, kann jederzeit frische Luft genießen und sogar mit seinen Kabinen-Nachbarn plaudern. Sonst ist der Kontakt zu Mitreisenden streng verboten.

Passagiere aus den USA durften das Schiff verlassen

Bus vor der "Diamond Princess"

An Bord der "Diamond Princess" hatten sich anfangs rund 400 US-Bürger befunden. 44 waren positiv getestet und in Japan in örtliche Krankenhäuser gebracht worden. Nach derzeitigem Stand haben bisher rund 20 der Infizierten von Bord schwere Covid-19-Symptome entwickelt.

Cheryl (li.) und Paul Molesky

Zwei von der US-Regierung bereitgestellte Charterflugzeuge sind erst kürzlich vom Tokioter Flughafen Haneda abgehoben und landeten in der Nacht zum Montag (Ortszeit) auf US-Militärstützpunkten in Kalifornien und Texas, wie der Nachrichtensender Fox News berichtete. Das US-Außenministerium hatte mehr als 300 US-Bürgern eine freiwillige Rückreise angeboten.

Die Evakuierten müssen in der Heimat nun zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Nach Angaben des US-Außenministeriums sind unter den Heimkehrern auch 14 Menschen, die mit dem neuartigen Virus infiziert sind. Sie wurden im Flugzeug von den anderen Passagieren getrennt.

Lutherjohann fühlt sich an Bord sicher

Lutherjohann vertraut vorerst darauf, dass die Quarantäne auf dem Schiff letztendlich funktioniert. "Aber es gibt natürlich ein bisschen dieses Unsicherheitsgefühl. Ist das hier sicher gewesen oder nicht?", schildert Lutherjohann der Deutschen Presse-Agentur in Tokio über Skype. Dennoch fühle er sich an einem "bequemen, sicheren Ort". Ähnlich gehe es auch anderen, mit denen sie telefonisch oder über WhatsApp in Kontakt stünden, darunter einzelne der noch acht Deutschen an Bord.

Ein deutsches Ehepaar, mit dem er und seine Frau über WhatsApp in Kontakt kamen und das keine Symptome gezeigt habe, wurde positiv getestet und liegt seit Sonntag in einem lokalen Krankenhaus. Als Psychotherapeut und Psychologe bot Lutherjohann seine professionelle Hilfe an. Doch er musste in seiner Kabine bleiben.

iPhone mit Netzzugang für alle

Vergangene Woche habe jeder ein iPhone mit Internetzugang bekommen, so Lutherjohann. Einmal habe man ihnen Bettwäsche gebracht, die sie selbst wechselten. Letzte Woche Samstag erhielten sie Putzmittel.

Inzwischen sind Lutherjohann und seine japanische Ehefrau negativ getestet worden und haben das obligatorische Gespräch mit einem Medizinerteam absolviert. Damit hätten sie jetzt "eigentlich gute Chancen, dass wir mit zu den ersten gehören, die am 19. raus können", hofft er. Dann würden sie das machen, was sie von vornherein geplant hatten - nämlich noch eine Woche Tokio-Urlaub dranhängen.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 18.2.2020, 5 - 9 Uhr

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