Warum die Zeit schneller vergeht, wenn man älter wird
Objektiv vergeht die Zeit für jeden Menschen gleich schnell, subjektiv kann davon allerdings keine Rede sein. Bild © picture-alliance/dpa

Als Kind scheint die Zeit nicht vergehen zu wollen. Wird man älter, ändert sich das Zeitgefühl schlagartig. Doch warum ist das so? Wir haben für Sie einige Ergebnisse aus der Forschung zusammengestellt.

Die Vergangenheit gemessen in Erinnerungen

Forschungsergebnisse haben belegt, was viele von uns schon lange wussten. Die Zeit vergeht mit dem Älterwerden tatsächlich schneller, zumindest in der eigenen Retrospektive. Grund dafür ist die Art und Weise, wie wir Zeit wahrnehmen. Denn wir rekonstruieren die Dauer von Zeitspannen auf Basis von Erinnerungen. Je mehr Erinnerungen wir haben, desto länger wird die jeweilige Zeitspanne eingeschätzt.

Gründe für das Verfliegen der Zeit

Auch die Zeitforscherin Isabell Winkler hat sich mit den Gründen beschäftigt, warum die Zeit scheinbar immer schneller vergeht. Ein Faktor ist die Routine. An Dinge, die wir zum ersten Mal tun, erinnern wir uns wesentlich besser als an die, die zu unserer täglichen Routine gehören. Oder erinnern Sie sich noch genau an den Abschiedskuss Ihres Partners oder Ihrer Partnerin heute Morgen? Wahrscheinlich haben Sie diesen tendenziell schlechter vor Augen, als den allerersten Kuss oder?

Kinder erleben vieles noch zum ersten Mal. Ein Grund dafür, warum den Kleinen die Zeit manchmal zäh wie Kaugummi vorkommt, obwohl sie vor uns Erwachsenen scheinbar davonzurasen scheint.

Ein weiterer Grund, warum die Zeit im Alter schneller vergeht, ist Stress. Der sorgt nämlich dafür, dass wir die Welt um uns herum weniger bewusst wahrnehmen. Als Konsequenz erinnern wir uns an diese schlechter und haben das Gefühl, die Zeit vergehe wie im Flug.

Zeit ist gefühlsabhängig

Aber das Zeitempfinden ist nicht nur vom Alter abhängig. Die Forschung des Psychologen Marc Wittmann zeigt, dass Zeiturteile stark vom geistigen Zustand einer Person abhängen. Im Hier und Jetzt, vergeht die Zeit schneller, wenn wir uns mit Positivem ablenken können. Negative Emotionen und Langeweile verlängern das Zeitempfinden. Da geht es Kindern genauso wie Erwachsenen.
Während negative Stimmungen den Moment ellenlang erscheinen lassen, erinnert man sich an zehn Jahre voller negativer Emotionen jedoch schlechter. Das liegt daran, dass hier die Zeit beispielsweise als weniger gut genutzt wahrgenommen wird. Zeitschätzung könne nach Ansicht des Forschers in Zukunft als ein Anzeichen für das emotionale Befinden herangezogen werden und zur Diagnose mentaler Erkrankungen dienen.

Tipps zum Zeitbremsen

Damit uns die Zeit aber weniger schnell durch die Finger rinnt, ist vor allem eines wichtig: Relaxen.
Wittmann zeigte, emotional stabile Menschen empfinden den Zeitraum der letzten zehn Jahre als länger. Außerdem hilft es, nicht zu stark an Vergangenheit oder Zukunft festzuhalten und Stress zu reduzieren.
Sich bewusst selbst erste Male zu schaffen oder ab und an einmal aus dem Alltag auszubrechen, kann die Zeit ebenso ein bisschen abbremsen.

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 4.1.2019, 5:00 Uhr

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