Fahrangst
Vor allem auf der Autobahn entwickeln viele Autofahrer Ängste. Bild © picture-alliance/dpa

Erleiden Sie öfter Panikattacken am Steuer, wenn Sie sich im Straßenverkehr in brenzlige Situationen begeben? Dann könnte es sein, dass Sie an Amaxophobie, dem Fachausdruck für Fahrangst, leiden. Was viele nicht wissen: Es gibt Hilfe.

Schon einfache Situationen wie Einparken, die Fahrspur bei hoher Geschwindigkeit wechseln oder eine Fahrt durch einen dunklen Autobahntunnel können für Betroffene schnell zu Horrorszenarien werden.

Zuletzt war in Hessen ein Fall bekannt geworden, als sich eine junge Frau aufgrund ihrer Phobie nicht getraut hatte, in einen Tunnel auf der A66 bei Neuhof im Landkreis Fulda hineinzufahren. Sie blieb auf dem Seitenstreifen stehen und musste nach der Einnahme von Beruhigungsmitteln von einer Funkstreife der Polizei über Umwege auf die andere Seite gebracht werden.

Vorausgegangene Unfälle können Ängste auslösen

Bei vielen Betroffenen kann ein solches Ohnmachtsgefühl gar so stark werden, dass sie sich nach derart Erlebtem gar nicht mehr ins Auto setzen. Weder als Fahrer, noch als Beifahrer. Doch was viele nicht wissen: Es gibt Hilfe.

Denn für genau solche Fälle gibt es Männer wie Frank Müller. Der Fahrlehrer und Diplomsoziologe aus Berlin betreibt die Angsthasen-Fahrschule in Neukölln, ist Angstexperte und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Fahrangst. Ursache für die Angst hinter dem Steuer sei häufig ein vorausgegangener Unfall, sagt Müller. Bereits kleine Auffahrunfälle würden da reichen. Anschließend manifestiere sich die Angst dann derart stark, dass die Betroffenen mit der neuen Fahrsituation völlig überfordert seien, so Müller weiter.

Müller bietet spezielle Fahrstunden an, in denen die Fahrängste der Betroffenen abgebaut werden. Zudem rät er, sich bei den gemeinsamen Treffen mit Gleichgesinnten intensiv auszutauschen und  über seine Erlebnisse zu sprechen. Während der Fahrstunden würden seine Schützlinge lernen, mit ihrer überbordenden Nervosität umzugehen.

Auch die BVF kann helfen

In Deutschland leiden Tausende unter Fahrangst, genaue Zahlen gibt es nicht. Körperliche Symptome sind beispielsweise Herzrasen, beschleunigtes Atmen, Schweißausbrüche, Augenzucken und Nervosität. Zu den psychischen Auswirkungen zählen unter anderem Stressempfinden, Unwohlsein und der Drang, der Situation entfliehen zu wollen.

Informationen zu weiteren Fahrlehrern, die sich auf Fahrangst spezialisiert haben, finden Betroffene bei der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF). Dort helfen 18 regionale Fahrlehrerverbände, die zusammen das gesamte Bundesgebiet abdecken.

Studie: "Die größten Ängste der Deutschen"

Doch im Vergleich zum Ängste-Ranking der R+V-Versicherung, das jedes Jahr neu ermittelt wird und die größten Ängste der deutschen Bevölkerung aufzeigt, ist Fahrangst kaum erwähnenswert. Für das abgelaufene Jahr 2018 zeigten sich folgende Ergebnisse:

  1. Gefährlichere Welt durch Trump-Politik – 69 Prozent
  2. Überforderung von Deutschen/Behörden durch Flüchtlinge – 63 Prozent
  3. Spannungen durch Zuzug von Ausländern – 63 Prozent
  4. Überforderung der Politiker – 61 Prozent
  5. Terrorismus – 59 Prozent
  6. Kosten für Steuerzahler durch EU-Schuldenkrise – 58 Prozent
  7. Politischer Extremismus – 57 Prozent
  8. Naturkatastrophen – 56 Prozent
  9. Schadstoffe in Nahrungsmitteln – 55 Prozent
  10. Pflegefall im Alter – 52 Prozent

 Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 7.1.2018, 9 Uhr

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