DNA-Haaranalyse

Mit einer DNA-Haaranalyse können Personen identifiziert werden. Dem Fußballtrainer Christoph Daum wurde eine ähnliche Methode als Nachweis für dessen Kokain-Konsum im Jahr 2000 zum Verhängnis. Wir erklären, wie die DNA-Haaranalyse funktioniert.

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zum hr-fernsehen.de Video Wenn der genetische Fingerabdruck zum Täter führt

Harald Schneider vom LKA Hessen
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Unter dem Fachwort "Forensik" wird die systematische Analyse und Rekonstruktion von Kriminalfällen zusammengefasst. Was in den meisten FBI-Serien im Fernsehen meist wie eine blitzschnelle, einfache Darstellung von großen DNA-Strukturen am PC aussieht, ist in Wahrheit ein höchst kompliziertes Verfahren, das mehrere Schritte durchläuft.

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"Genetischer Fingerabdruck": DNA muss vervielfältigt werden

Unsere Erbsubstanz, also unsere DNA, ist in so gut wie allen Körperzellen vorhanden. So auch in den Wurzeln unserer Haare - das Haar selbst besteht nur aus toten Haarzellen, die keine DNA mehr enthalten. Da aber auch eine Haarwurzel nur sehr wenig Erbmaterial enthält, muss die DNA im ersten Schritt vervielfältigt werden.

Für einen "genetischen Fingerabdruck" schauen sich die Kriminaltechniker im Labor allerdings nur ganz bestimmte Bereiche auf der aus den Haarwurzeln gewonnenen DNA an. Sie unterteilen die DNA grob in zwei Bereiche: Gene und Zwischenstücke.

"Genetischer Fingerabdruck": Analyse der DNA-Zwischenstücke

Die bekanntesten Abschnitte sind die Gene, die die genetischen Informationen für ein bestimmtes Merkmal enthalten, wie beispielsweise den Bau eines Enzyms. Dazwischen liegen Abschnitte, die keine präzisen Merkmale bestimmen. Diese Bereiche haben allerdings Einfluss auf die Gene in der Nachbarschaft und damit auch auf die Stärke der Ausprägung mancher Merkmale. Und diese Abschnitte sind bei allen Menschen unterschiedlich.

Man kann also sagen, dass viele Unterschiede zwischen den Menschen nicht unbedingt nur in den Genen, sondern auch zwischen den Genen liegen. Und diese DNA-Zwischenstücke sind bei jedem Menschen auch unterschiedlich lang. Finden die Forensiker also DNA-Spuren an Tatorten und speichern anschließend die Länge der Abschnitte, so können diese untereinander verglichen und so eine Person identifiziert bzw. ein Täter überführt werden.

Um genauere Aussagen über das Erbmaterial treffen zu können, muss die vorhandene DNA allerdings erst sequenziert, also dessen Zusammensetzung genau bestimmt werden. Kennt man die Sequenz bestimmter Abschnitte der DNA, kann man zum Beispiel eine Vaterschaft klären (wenn die Sequenz des Kindes große Gemeinsamkeiten aufweist) oder bestimmte genetische Krankheiten erkennen.

Nachweis von Drogen durch Haarproben

Auch beim Nachweis von Drogenmissbrauch kann das Haar genaue Erkenntnisse liefern: Die Drogen gelangen über die Blutbahn in die Haarwurzeln, wo sie sich ablagern und mit den Haaren herauswachsen. So können Kokain, Cannabis, Heroin, Haschisch und Ecstasy, aber auch Nikotin, Beruhigungsmittel sowie ein regelmäßiger Anabolika-Konsum nachgewiesen werden.

Für die Haaranalyse wird eine etwa bleistiftdicke Strähne möglichst nahe der Kopfhaut abgeschnitten, gewaschen und zerkleinert. Anschließend wird das Haar in Alkohol eingelegt und mit Ultraschall behandelt, wodurch sich die im Haar abgelagerten Substanzen herauslösen. Aus der Methanol-Lösung extrahieren die Spezialisten schließlich die Wirkstoffe, mit denen ein Drogenkonsum nachwiesen werden kann.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 2. Juli 2019, 5-9 Uhr

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