E-Scooter
Beim E-Scooter ist die Batterie unter der Trittfläche versteckt. Bild © picture-alliance/dpa

Das Bundeskabinett hat eine Verordnung beschlossen, die den sogenannten E-Scootern den Weg ebnen soll. Der Bundesrat muss aber noch zustimmen. Wir klären über die Vor- und Nachteile der E-Scooter auf.

E-Scooter und elektrisch angetriebene Skateboards gibt es bereits seit den frühen 2000er Jahren. Sie gehören in die Kategorie der sogenannten "Elektro-Kleinstfahrzeuge", sind hierzulande aber noch nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Bislang dürfen die trendigen Fortbewegungsmittel nur auf privatem Gelände gefahren werden. Wer damit auf Straßen und anderen öffentlichen Verkehrswegen erwischt wird, riskiert eine hohe Geldstrafe und den Entzug des Gefährts.

Enormes Zukunftspotenzial

Streng genommen sind E-Scooter in Deutschland zurzeit noch mit Kraftfahrzeugen ohne Zulassung und Versicherungsschutz gleichzusetzen. Doch das soll sich nun ändern: Das Bundeskabinett in Berlin beschloss am Mittwoch die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die den sogenannten E-Scootern den Weg ebnen soll. Zustimmen muss der Verordnung nun noch der Bundesrat, in Kraft treten könnte sie dann noch in diesem Frühjahr - und zwar am 17. Mai.

"Wir wollen neue Wege moderner, umweltfreundlicher und sauberer Mobilität in unseren Städten", erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Die E-Scooter, die vor allem in den USA bereits das Straßenbild in Metropolen prägen, hätten ein enormes Zukunftspotenzial. "Zusammen mit dem ÖPNV sind sie eine echte zusätzliche Alternative zum Auto, ideal etwa für die letzte Meile von der U-, S-Bahn oder Bushaltestelle nach Hause oder zur Arbeit", erklärte Scheuer.

Konkret ist vorgesehen, dass die Elektro-Tretroller mit einer Geschwindigkeit von weniger als zwölf Stundenkilometern (km/h) auf Gehwegen, gemeinsamen Fuß- und Radwegen sowie in Fußgängerzonen fahren dürfen. Diese E-Scooter werden der Verordnung zufolge ab dem zwölften Lebensjahr freigegeben.

Keine Helmpflicht für E-Scooter geplant

Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als zwölf Kilometern pro Stunde müssen dagegen grundsätzlich auf Radwegen und Radfahrstreifen fahren. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre. Insgesamt werden von der Verordnung Fahrzeuge erfasst, die eine Lenk- oder Haltestange haben und bauartbedingt eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h erreichen.

Demnach sollen E-Scooter und E-Skateboards in Zukunft ohne Fahrerlaubnis genutzt werden dürfen. Eine Helmpflicht soll es auch nicht geben, da sie kaum schneller als 20 Kilometer pro Stunde fahren können. Aber die Fahrzeuge brauchen ein Versicherungskennzeichen und sie dürfen nur auf der Straße oder Radwegen zum Einsatz kommen.

Hier sehen Sie ein Video zur aktuellen Diskussion über die Zulassung der E-Scooter:

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Youtube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Kritik von Unfallforscher

Scharfe Kritik an der Verordnung äußerte der Unfallforscher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungsindustrie, Siegfried Brockmann. "Wenn E-Roller auf Gehwegen erlaubt werden, kommt es zu deutlich mehr Unfällen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Wenn E-Scooter mit bis zu 11,9 km/h schon bald auf Fußgängerwegen fahren dürften, wären diese "mindestens mit der doppelten Gehgeschwindigkeit wie Fußgänger unterwegs, deutlich schneller als Jogger", sagte er "Sie würden zur erheblichen Gefahr und Benachteiligung für Fußgänger auf der für sie vorgesehenen und geschützten Fläche, ohne dass das erforderlich wäre", kritisierte er.  

Weitere Informationen

Bedingungen für eine Straßenzulassung:

  • zwei Bremsen (unabhängig steuerbar)
  • zwei Blinker
  • Vorder- und Rücklicht
  • gültiges Versicherungskennzeichen
  • Mindestalter: 15 Jahre
  • max. 20 km/h schnell
  • Hupe oder Klingel
Ende der weiteren Informationen

Vorteile der E-Scooter: praktisch, leicht, emissionsfrei

Vorteile haben die handlichen E-Scooter dennoch: Sie wiegen nicht viel, machen keinen Lärm, stoßen keine Abgase oder andere Emissionen aus und lassen sich im Handumdrehen im Rucksack verstauen. Ein Parkplatz wird also auch nicht benötigt. Zudem sind sie so gut wie wartungsfrei.

Nachteile: die Reifengröße

Die geringe Reifengröße ist allerdings ein entscheidender Nachteil. Sie spielt eine maßgebliche Rolle beim Fahrkomfort und der Straßenlage: besonders gefährlich sind Fahrten durch Schlaglöcher und über Bordsteinkanten. Zudem kommen die kleinen Reifen nur schwer über Stock und Stein, bei größeren Ästen können sie blockieren und einen Sturz verursachen.

Größere Reifen können diese Hindernisse problemlos überqueren, ohne den Fahrer abzuwerfen. Auch die Gefahr bei einer plötzlichen Bremsung ist aufgrund der kleinen Reifen wesentlich größer als beispielsweise auf einem E-Bike.

Nachrüst-Sets nötig?

Preislich variieren die rasanten Scooter zwischen 400 und 2.000 Euro. Wenn die Zulassung kommt, könnte es aber teurer werden, da eventuell Nachrüst-Sets per Beschluss nötig werden. Die Leistungsgrenze der Batterien will die Regierung derweil auf 500 Watt festlegen. Eine Batterieladung reicht je nach Fahrstil für durchschnittlich 30 bis 50 Kilometer.

Um die Elektroroller sicherer zu machen, werden zudem Vorder- und Rücklicht, zwei Blinker, zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen (Vorderbremse und hintere Trittbremse) sowie eine Klingel oder Hupe für einen Einsatz auf der Straße vorgeschrieben.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 3.4.2019, 15 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit