Karl Lagerfeld ist tot

Der Modemacher Wolfgang Joop war gerade in London, als er vom Tod seines Branchenkollegen erfuhr. Joop zeigte sich völlig ergriffen im exklusiven Telefonat mit hr1. In diesem Gespräch schildert er die ganz private Seite seines großen Ex-Rivalen.

"Es hat mir die Sprache verschlagen und die Tränen aus den Augen gedrückt. Ich dachte. 'Jetzt geht die Welt zu Ende, die ich so lange kannte.' Karl hat die alte Welt aufrecht erhalten und mit ihm ist nun eine dieser letzten großen Figuren gegangen", so reagierte der Hamburger Modemacher Wolfgang Joop, als er vom Tod des großen Modemachers erfuhr.

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„Mir einen Lagerfeld alt und krank vorzustellen, das kann ich gar nicht!“ Zitat von Wolfgang Joop
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"Wenn man ihn so wie ich kennengelernt hat, dann weiß man auch, wie präzise er seine Projekte, Auftritte und Modenschauen vorbereitet hat. Ich möchte sagen: Er hatte keine Lust mehr, sich weiterhin mit dem Alter auseinander zu setzen. Ich glaube, er hat jetzt einfach losgelassen und gesagt: 'Das war's'. Mir einen Lagerfeld alt und krank vorzustellen, das kann ich gar nicht", kommentierte Joop und ergänzte: "Vier bis fünf Shows im Jahr zu machen, dazu gehört ein großes physisches Reservoir."

In der ARD-Serie "Deutschland, deine Künstler" begleitete ein Fernsehteam des BR den weltberühmten Modemacher wochenlang bei seiner Arbeit. Sehen Sie hier außergewöhnliche Einblicke in das Leben von Karl Lagerfeld.

So war Karl Lagerfeld privat, unter vier Augen

"Es war sehr einfach, mit ihm zu reden. Er war da nicht sehr anspruchsvoll oder zurückhaltend. Er hat immer seine eigene Meinung gehabt und gerne auch mal abfällig über Kollegen gesprochen. Aber eigentlich war er sehr bescheiden, er hat sich nicht groß zelebriert. Er hat sich nicht so dargestellt, als könne er die Welt verstehen. Er hat die Welt so hingenommen, wie sie war. Er hat sich selbst als Opportunist bezeichnet und ist mit der Zeit gegangen."

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„Ich gebe offen zu: Ich bin zutiefst berührt von seinem Tod.“ Zitat von Wolfgang Joop
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Lagerfeld habe sich nie wie der Musiker Paul McCartney besonders dafür interessiert, "ob auch alles so Grün und in Sachen Tierschutz korrekt" sei. Er habe sich "überhaupt nicht darum geschert und einfach weiter seine Pelze bei Fendi gemacht." Und Joop fügt hinzu: "Tierschützer existierten für ihn nicht. Karl war ein Auftragsarbeiter. Er hat Aufträge im Luxusbereich angenommen und sich dafür bezahlen lassen. Es war ihm bewusst, dass er ein Dienstleister im Luxusbereich ist. Er hatte da keine Sentimentalitäten oder ein falsches Sendungsbewusstsein. Da war er ganz 'down to earth' – ein Hamburger Kaufmannskind."

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„Von Karl bleibt, dass er für unsere Branche der erste Europäer war.“ Zitat von Wolfgang Joop
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"Ich hatte gehofft, dass er sich noch erholt. Eine Welt ohne Karl kann ich mir einfach nicht vorstellen. Er war einer der ersten, der Hamburg und Deutschland verlassen hat, um nach Frankreich zu gehen. Aber er ist immer deutsch geblieben (...). Er ist für uns alle der erste Europäer in der Branche."

In früheren Jahren lieferten sich die beiden Modemacher in der Presse nadelspitze Wortgefechte und scherenscharfe Läster-Duelle. Doch das Verhältnis der einstigen Erz-Rivalen war privat stets von Respekt geprägt.

Sendung: hr1, hr1 am Nachmittag, 19.02.2019, 15 Uhr

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