Gartenblumen
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Steingärten sind für Professor Peter Berthold Psychopaten-Gärten, für ihn gilt stattdessen die Devise: Je bunter, desto besser, damit auch Vögel und Insekten was von unserem Zuhause haben. Der Ornithologe erklärt, wie wir jeden noch so kleine Balkon zum Paradies für unsere tierischen Freunde umgestalten können.

„Katastrophe“ Steingärten

Steingärten scheinen immer mehr in Mode zu kommen. "Das ist eine Katastrophe für die Ökologie", so Professor Berthold. "Es ist eine Vergrößerung der Beton- und Steinwüste, die wir durch Ausbauten der Städte sowieso schon haben." Verschenkter Raum also, der Vögeln und Insekten vorenthalten wird.  

"Man muss bedenken, dass Gärten etwa vier Prozent unserer Landesfläche in Deutschland ausmachen.“ Das sei genauso viel Fläche, wie alle Naturschutzgebiete zusammengenommen. Professor Peter Berthold findet: „Grundbesitz verpflichtet. Auch zum ökologischen Denken.“

Großer Garten – große Verantwortung

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Sie haben einen großen Garten? Dann können Sie auch viel für die Umwelt tun. Und das heißt nicht, einfach nur Rasen einsähen und beim Wachsen zuschauen. „Am besten ist, Sie mähen die Wiese nur zwei Mal im Jahr, damit sie bunt wird vor lauter Blumen, wie Stiefmütterchen, Kornblumen oder Margeritten“, empfiehlt Peter Berthold. Auch Sträucher, Stauden und einjährige Kräuter empfiehlt der Ornithologe, um den eigenen Garten zum Paradies für Insekten zu machen, denn die seien wichtig für unser Ökosystem. „Das wäre Ökologie, wie man sie sich wünscht und wie wir sie eigentlich auch brauchen.“

Bei den Sträuchern sollte man vor allem darauf achten, dass es einheimische sind, denn auf denen würden sich  die Insekten bevozugt niederlassen. „Ich empfehle vor allem Sträucher, die Beeren tragen.“, so der Ornithologe. Vom schwarzen Holunder, über Weißdorn bis hin zur Traubenkirsche, sei vieles hilfreich. Wer den Platz dafür hat, sollte sich auch Gedanken über einen Obstbaum machen.

Ein Trauer-Fliegenschnäpper (Ficedula hypoleuca) räumt Schmutz vom Nachwuchs aus dem Nistkasten
"In einem Garten von 500 m² sollten mindestens 15 Nistkästen hängen", sagte Professor Berthold. Bild © picture-alliance/dpa

Daran könnte man dann zum Beispiel Futterstellen und Nistkästen für Vögel aufhängen. Experten-Faustregel: „In einem 500m² großen Garten sollte man mindestens 15 Nistkästen aufhängen.“ Übrigens: Vögel füttern ist nicht nur im Winter wichtig, sondern mehr noch im Sommer: „Da müssen die Vögel ihre Jungen aufziehen und ganz viel fliegen. Das verbraucht viel Energie.“, so Berthold. Also: Meisenknödel auch im Sommer aufhängen.

Sie haben einen kleinen Garten

Kein Problem, auch ein kleiner Garten kann zum Paradies für Vögel und Insekten werden. „Im Prinzip reicht schon eine Hauswand oder eine Garage“, sagt der Professor Berthold. „Ich habe zum Beispiel an meiner Garage eine Kriechrose. Die kostet 1,50 €. Die hat 6.000 Blüten. Da sind tausende von Hummeln und Bienen dran.“

Sollte der Garten so klein sein, dass selbst dafür kein Platz ist, dann hilft nur eine Ausweichfläche. Und wer nicht das nötige Geld hat, sich einen Schrebergarten zuzulegen, der kann auch zu seiner Gemeinde gehen, sagt der Experte: „Sagen Sie, dass Sie ein Stück Stadtpark naturnah gestalten wollen mit einer Vogelfütterstelle und einer Wiese, die nicht mehr jede Woche gemäht werden muss.“

Sie haben einen Balkon

Auch, wer nur einen Balkon hat, kann zum Gelingen des Ökosystems beitragen. „Hängen Sie zwei Nistkästen auf und freuen sich, wenn in der einen Ecke die Amsel und in der anderen Ecke der Hausrotschwanz brütet.“ Zudem empfiehlt Peter Berthold, den heimischen Balkon mit Rankpflanzen auszustatten. Darin lassen sich Insekten nieder, die dann wieder als Nahrungsquelle für die Vögel dienen.  

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 11. Juni 2018, 10 Uhr

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