Raumschiff Enterprise Crew

Nein, Harry von "Derrick" fuhr nie den Wagen vor, wir müssen gar nicht fürs Leben lernen und wer zu spät kommt, wird eben nicht betraft. Wir stellen berühmte Zitate auf den Prüfstand.

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"

Michail Gorbatschow

Nein, dieses Zitat hat Michail Gorbatschow, der ehemalige russische Staatspräsident der Sowjetunion, so nie gesagt: Belegt ist, dass er Erich Honecker am 7. Oktober 1989 in einem Vieraugen-Gespräch gewarnt haben soll, sich einer Erneuerung der DDR zu widersetzen. Danach gingen die berühmten Worte über die Nachrichten-Ticker. Wahrscheinlich ist, dass sich zwei deutsche Journalisten - Jürgen Mettkemeyer und der spätere Welt-Chef Heinz Joachim Schöttes auf diese Worte geeinigt haben, als bestmögliche Interpretation des Gesagten.

"Beam me up, Scotty!"

Raumschiff Enterprise Crew

Diesen Befehl hat Captain James T. Kirk an den Chefingenieur Montgomery Scott gerichtet - doch niemals in diesem Wortlaut. Wie Fans der kultigen Science-Fiction-Serie recherchierten, kamen tatsächlich mehrere, unterschiedliche Formulierungen in der kultigen Enterprise-Serie vor:

"Scotty, beam us up."
"Beam me up."
"Beam us up, Scotty."
"Scotty, beam me up."

"Harry, fahr schon mal den Wagen vor!"

Elmar Wepper

"Harry, fahr schon mal den Wagen vor" - mit diesem Satz wurde das Duo Horst Tappert und Elmar Wepper in der Krimiserie "Derrick" berühmt. Doch gesagt hat Oberinspektor Derrick diesen Satz nie, sondern sein TV-Vorgänger in einer anderen Krimiserie: In "Der Kommissar" mit Erik Ode, in der Fritz Wepper ebenfalls den Inspektor Harry Klein spielte.

"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!"

Humanistische Gymnasiallehrer sollten es besser wissen, Lateinlehrer sowieso: Nein, dieses Zitat ist einfach nur falsch übersetzt worden. Das Original des berühmten römischen Philosophen Seneca lautet nämlich:

"Non vitae, sed scholae siscimus."

"Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir."

Seneca kritisierte mit diesem Ausspruch die Paukermentalität der damaligen römischen Philosophenschulen: "Es wäre besser, wir könnten unserer gelehrten Schulbildung einen gesunden Menschenverstand abgewinnen. (...) Wie an der unmäßigen Sucht nach allem anderen, so leiden wir an einer unmäßigen Sucht auch nach Gelehrsamkeit: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir."

"Gott würfelt nicht"

Albert Einstein

Das Zitat "Gott würfelt nicht" dient meist dazu, eine bestimmte Überzeugung mit einem IQ-schlauen Einstein-Zitat zu zementieren: Es gibt keinen Zufall, weil Gott alles vorherbestimmt. Doch diesen Satz hat der weltberühmte Physiker nie gesagt.

Es handelt sich vielmehr um eine Verkürzung oder eine Art Fazit aus den beiden folgenden Zitaten von Albert Einstein:

  1. "Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass er nicht würfelt.
  2. "Es scheint hart, dem Herrgott in die Karten zu gucken. Aber dass er würfelt und sich telepathischer Mittel bedient (wie es ihm von der gegenwärtigen Quantentheorie zugemutet wird), kann ich keinen Augenblick glauben."

"Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe"

Winston Churchill

Nein, dieses Zitat ist nicht gefälscht, wurde aber dem falschen Mann zugeschrieben. Denn es gibt keinen Beleg, dass dieses Zitat vom britischen Staatsmann Winston Churchill stammt. Vielmehr wird ein deutscher Zitatgeber vermutet. Der Ausspruch ist erstmals 1967 als verschriftlichtes Zitat auf, als Ausspruch des deutschen Bischofs Otto Dibelius.

Das Fazit aus diesem Artikel: Traue niemals nur einer Quelle und vor allem nicht zu klangvollen Zitaten.

Sendung: hr, Koschwitz am Morgen, 2.10.2019, 5 - 9 Uhr

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