Dr. Antoni Walczok

Dr. Antoni Walczok von Gesundheitsamt Frankfurt hat am Donnerstag in hr1-Koschwitz am Morgen die Fragen der Hörer zum Coronavirus beantwortet. Hier können Sie alles noch einmal nachlesen.

Schenken wir dem Corona-Virus zu viel Aufmerksamkeit?
Eindeutig ja. Die Influenza, also die normale Grippe, ist viel verbreiteter und hat mehr Todesfälle zu verzeichnen. Im Vergleich dazu bekommt Covid-19 viel zu viel Aufmerksamkeit.

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Das hessische Sozialministerium hat eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Die Nummer lautet: 0800-5554666 und ist montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr erreichbar.

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Wie merke ich eigentlich, dass ich das Coronavirus habe?
Das ist eine sehr gute Frage, denn man kann es nicht unterscheiden, ob man einen banalen Erkältungsinfekt oder eine Grippe hat oder ob es unter Umständen auch ein Coronavirus sein könnte. An den Symptomen kann man es nicht erkennen.

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Dr. Antoni Walczok ist Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Allgemein- und Arbeitsmedizin sowie Arzt für Notfallmedizin und Phlebologie (Gefäßmedizin). Seit 2009 ist er Leiter der Abteilung Infektiologie und Hygiene des Gesundheitsamtes Frankfurt.

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Wir fliegen am Samstag auf die Kanaren. Muss ich jetzt Bedenken haben?
Sie dürfen unbedenklich Ihre Reise antreten. Gar keine Frage. Doch denken Sie daran, aktuell haben wir die typische Grippesaison, darum ist es generell wichtig, sich gründlich Ihre Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Besonders nach Kontakten mit Türklinken oder anderen Kontaktflächen. 

Was sollte ich bei einer Kreuzfahrt beachten?
Wenn auf dem Schiff Grippekranke sein sollten, halten Sie Abstand, öffnen Sie Fenster, wo es geht und denken Sie auch hier an gründliches Händewaschen, besonders vor dem Essen gehen.

Wie sieht es in Zügen aus?
Auch hier haben Sie, genau wie in U- oder S-Bahnen die typischen Kontaktflächen wie Türöffner oder Haltegriffe. Hier gilt ebenfalls: Händewaschen mit Wasser und Seife. Sollte jemand in Ihrer Nähe Husten, gehen Sie einen Schritt zurück und halten Sie einen gewissen Abstand.

Audiobeitrag

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dr. Walczok vom Gesundheitsamt Frankfurt beantwortet Fragen zum Coronavirus

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Wie und wodurch kann das Virus übertragen werden?
Übertragen werden kann das Virus wie jedes andere Grippevirus über Tröpfchen. Das passiert im Winter leichter als im Sommer. Wenn es zu einer Infektion gekommen sein sollte, muss man derzeit sagen, höchstwahrscheinlich ist es eine Grippe, es ist also eher unwahrscheinlich dass es das neue Coronavirus ist.

Ich gehe regelmäßig ins Schwimmbad. Hilft es, dass das Wasser dort gechlort ist?
Das hilft. Das Chloren im Wasser ist im Schwimmbad so ausgiebig, dass ein Virus dort keine Chance hat zu überleben.

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Wie lange dauert die Erkrankung bis man wieder gesund ist?
Das ist unterschiedlich von Mensch zu Mensch. In der Regel dauert es eine Woche, es können auch zehn Tage sein, und manchmal kann es auch mal zwei Wochen dauern. Das gilt übrigens für eine Grippe-Erkrankung genauso wie für die Erkrankung am Corona-Virus.

Es heißt, so richtig gefährlich sei das Coronavirus nur für Menschen mit Vorerkrankungen. Was genau heißt das?
Gemeint sind vor allem Erkrankungen, die die Immunabwehr schwächen, wie chronische Lungenkrankheiten oder auch Nierenkrankheiten. Menschen mit transplantierte Organen oder auch Menschen die an einem Tumor leiden, sind gefährdeter. Diese Menschen sollten das gleiche tun, wie jedes Jahr in der Winterzeit, wenn die Grippe umgeht. Sie sollten nicht den Kontakt zu Grippekranken suchen, Abstand halten und die normalen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder in die Ellenbeuge niesen beherzigen.

Ich bin mitten in der Schwangerschaft. Gehöre ich zur Risikogruppe und ist das Coronavirus gefährlich für mein ungeborenes Kind?
Jedes Virus ist gefährlich für ein Kind in der Schwangerschaft, das ist aber nicht speziell auf Corona bezogen. Grundsätzlich sollten Sie Abstand zu Grippe-Erkrankten halten und auch hier gilt die Basishygiene. Dann sehe ich keine Gefährdung.

Dr. Antoni Walczok

Unser Bundesgesundheitsminister sagt: Wir stehen am Anfang einer Epidemie. Wie gut sind wir hier auf das Coronavirus vorbereitet?
Wenn wir in Deutschland zunehmend mehr Fälle von einer Infektionskrankheit haben, dann kann man von einer Epidemie sprechen. Vorbereitet sind wir gut, aber die Maßnahmen sind analog einer Grippe-Epidemie. Das heißt, wenn wir eine ausgeprägte Grippewelle haben, dann sind die Maßnahmen identisch. Im Moment ist es noch so, dass wir noch versuchen, jeden einzelnen Fall zu ermitteln um Zeit zu gewinnen, dass die Infektionsausbreitung nicht ganz so schnell geht.

Wie sinnvoll ist ein Mundschutz?
Mundschutze sind ausverkauft, wir wissen von den Engpässen. Doch die entscheidende Frage, die ich sehe, heißt: Wer braucht überhaupt so einen Mundschutz? Bei medizinischem Personal, Pflegepersonal oder wenn zu Hause jemand gepflegt wird, der schwer krank ist, dann macht ein Mundschutz durchaus Sinn. Ansonsten ist im öffentlichen Raum, in meinen Augen, kein Mundschutz notwendig. Wir brauchen hier in Deutschland keinen flächendeckenden Mundschutz, um U-Bahn fahren zu dürfen oder um im öffentlichen Raum unterwegs zu sein. Gleiches gilt für Desinfektionsmittel, im normalen Alltag reicht es, die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen.

Wann wird es einen Impfstoff geben?
Weltweit wird aktuell mit Hochdruck geforscht, möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln. Ob das allerdings in den nächsten drei Monaten passiert, das kann ich nicht voraussagen.

Sendung: hr1, Koschwitz am Morgen, 27.2.2020, 5-9 Uhr

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