Frau zeigt Hände

Etwa 50 Mal greifen wir uns unbewusst ins Gesicht. Nicht am Tag, sondern in der Stunde. Das schätzt der Psychologe Jürgen Margraf und warnt: Nase, Augen und Mund sind Haupteinfallstore für das Corona-Virus. Uns verrät der Psychologe, wie es gelingt, sich nicht mehr ständig anzufassen.

Jürgen Margraf

Das Kinn auf die Hand gestützt, das Reiben der juckenden Nase oder der Zeigefinger auf der Stirn – wissen Sie, wie oft Sie diese Griffe unbewusst machen? Wahrscheinlich sehr oft! Der Psychologe und Psychotherapeut Jürgen Margraf schätzt, dass sich Menschen bis zu 50 Mal pro Stunde automatisch ins Gesicht fassen. Mal mehr und mal weniger. Das hänge natürlich auch von der Situation ab, etwa ob man aufgeregt sei oder sich beobachtet fühle. Doch gerade in Hinblick auf die Ausbreitung des Corona-Virus ist der Griff ins Gesicht gefährlich: Die Hauptwege der Virusübertragung laufen über Nase, Augen und Mund.

Entwickeln Sie ein Bewusstsein für den Griff ins Gesicht

Man müsse ein Bewusstsein für den Griff ins Gesicht entwickeln, so Margraf. Der erste Schritt sei, die Häufigkeit zu messen: "Führen Sie eine Strichliste und schauen Sie, in welchen Situationen Sie sich besonders häufig ins Gesicht fassen." Im besten Fall könne man so einen Auslöser für dieses Verhalten identifizieren und diesen bewusst angehen.

Hängt das automatische Ins-Gesicht-fassen beispielsweise mit einer Anspannung zusammen, könne man versuchen, in diesen Momenten die Fäuste zu ballen. Also anspannen und wieder loslassen, die Hände in die Hosentasche stecken, sich am Ellbogen kratzen oder zwicken.

Auf dem Zettel steht: Hände weg!

Eine andere Möglichkeit ist, seinen Partner zu bitten, über den unbewussten Griff ins Gesicht zu informieren. Häufig seien die Leute überrascht, wie oft sie dann zu hören bekommen: "Du bist schon wieder in Deinem Gesicht." Sollten Sie einen Arbeitsplatz am Computer haben, kleben Sie sich einen Zettel an den Bildschirmrand auf dem steht: Hände weg!

Wichtig hierbei ist, dass Sie den Zettel regelmäßig austauschen und anders gestalten, denn mit der Zeit gewöhnt man sich an den Zettel und übersieht ihn.

Lassen Sie sich beobachten

Benutzen Sie eine Handcreme mit einem starken Geruch, dann merken Sie ganz schnell, wenn Sie sich wieder einmal ins Gesicht fassen. Oder schalten Sie Ihre Webcam ein und beobachten Sie sich selbst.

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Hände waschen
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Auch Hilfsmittel aus dem Netz sind erlaubt: Die Internetseite donottouchyourface.com, verbunden mit Ihrer Webcam, schlägt sogar Alarm, sobald Ihre Finger im Gesicht landen. Noch ein Tipp: Stellen Sie sich eine Packung Papiertücher an Ihren Arbeitsplatz oder stecken Sie unterwegs immer welche ein. So haben Sie diese griffbereit, wenn Ihnen die Nase läuft – oder gerade für Allergiker wichtig – die Augen tränen.

90 Prozent Reduzierung der Übertragungswege

Beherzigen Sie diese Tipps und seien Sie motiviert, Ihre Gewohnheiten zu ändern. Denn wenn Sie sich 90 Prozent weniger ins Gesicht fassen, reduzieren Sie auch 90 Prozent der Übertragungswege. Und natürlich ist es sinnvoll, die geänderte Verhaltensweise auch nach der Corona-Krise beizubehalten. Auch in den nächsten Wintern werden Grippewellen anrollen – und mit unseren Tipps besteht eine geringere Wahrscheinlichkeit zu erkranken.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 8.4.2020, 9-12 Uhr

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