E-Zigaretten
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Sie sind so schick wie Design-Füller und funktionieren mit elektronischer Hitze anstatt mit Feuer. Kein typischer Kippenqualm mehr, sondern aromatischer Wasserdampf oder luftig-leichte Tabakwolke: Was genau steckt hinter der modischen Zigaretten-Alternative?


"Haben Sie mal Feuer?", dieser Satz ist immer seltener zu hören. Ebenso die Bitte um eine Zigarette. Bei Heat Sticks und E-Zigaretten hört das Schnorren auf. Denn jeder hat seine eigene "E-Kippe" mit Reserve-Sticks in der Tasche, die er unter Dutzenden verschiedener Modelle ausgewählt hat. Die Preise für ein E-Zigaretten-Set für Einsteiger liegen je nach Tankfüllmenge zwischen 15 und 55 Euro. Der neue Trend - einem Tabak-Erhitzer mit Sticks - der Iqos, wurde im Hause Philip Morris entwickelt und ist das bislang einzige Produkt dieser Art auf dem deutschen Markt. Das Gerät kostet knapp 100 Euro, eine Packung mit 20 Tabaksticks sechs Euro. Die Heat Stick-Schachtel kostet damit etwa so viel wie eine Packung Zigaretten.

Heat Sticks verbrennen nicht

Hersteller wie etwa Philip Morris behaupten, die E-Alternativen zu klassischen Zigaretten sollen "gesünder" sein. Doch es ist nicht das erste Mal, dass Tabakkonzerne "gesündere" Alternativen für Raucher auf den Markt bringen. Während bei E-Zigaretten eine nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft, wird in Heat Sticks echter Tabak auf rund 250 bis 350 Grad Celsius erhitzt, jedoch nicht verbrannt. E-Zigaretten und klassische Filterzigaretten funktionieren bei Temperaturen um 800 Grad. Im Vergleich zu klassischen Tabakprodukten soll die neue "heat-not-burn"-Methode die Konzentration schädlicher Substanzen um bis zu 90 Prozent verringen, behauptet eine vom Anbieter finanzierte Studie, die Philip Morris GmbH. Der bislang einzige Hersteller warnt im nächsten Atemzug: "IQOS ist jedoch keinesfalls unschädlich oder ohne Risiko." Unabhängige Untersuchungen gibt es bislang nicht.

Tatsächlich "bestehen erhebliche gesundheitliche Risiken", warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Denn auch beim Tabakerhitzen entstünden Stoffe, die das Erbgut verändern können. Wie viel Tabak ein Heat Stick enthält, ist auf den Iqos-Packungen und auch auf der Website des Anbieters nicht zu finden. Eine Studie, die das BfR in seiner vorläufigen Risikobewertung nennt, rauchte ein Teil der Probanden von Philip Morris entwickelte und zur Verfügung gestellte Testprodukte mit einem Nikotingehalt von 0,5 Milligramm. Dieser Gehalt findet sich auch in einer herkömmlichen Zigarette. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung feststellt, ist das Suchtpotenzial vergleichbar mit dem von Zigaretten. So wisse man heute, dass Nikotin nicht nur süchtig macht, sondern auch die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes begünstigt.

E-Zigaretten sind lediglich "Ersatzdroge"

Die Abkürzung IQOS steht übrigens für "I quit ordinary smoking". Der Claim ist also kein Gesundheitsversprechen, sondern eher eine Falle: Denn manche Raucher versuchen, ihre Sucht mithilfe von E-Zigaretten oder Heat Sticks zu besiegen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) weist darauf hin, dass der Effekt herkömmlicher Entwöhnungsprogramme deutlich besser nachgewiesen sei. Vor allem für Heranwachsende ist die elektrische Kippe nicht unbedenklich: Da die neuen Produkte nach wie vor Nikotin enthalten, könne man vor allem eine Sucht auslösende Wirkung ähnlich wie bei der Tabak-Zigarette erwarten.

Flüssiges Nikotin-Cocktail erhöht das Krebs- und Allergie-Risiko

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen einzustufen. Sie enthalten in der Regel ein Gemisch aus Nikotin, Propylenglykol, Glyzerin und Aromen. Dieses Gemisch wird verdampft. E-Zigaretten seien deutlich weniger schädlich als herkömmliche Glimmstengel, behauptet der Verband des eZigarettenhandels. Neuere Studien zeigten jedoch, dass das Gemisch krebserregend sein könnte, erklärt die "Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin" (DGP) in einem Positionspapier. Hinzu komme, dass sich beim Inhalieren des Dampfs winzige Partikel in der Lunge ablagerten und auch in den Blutkreislauf gelangen könnten. Zudem seien die enthaltenen Aromen potentielle Allergieauslöser. Fazit: Eine "gesündere" Alternative zur herkömmlichen Zigarette gibt es nicht.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 5.11.2018, 9 Uhr

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