Heiraten, Hochzeit, Corona

Eine Hochzeit mit Mindestabstand, Mundschutz und ohne Händeschütteln? Das kommt für viele Paare nicht infrage, darum verschieben viele Betroffene den Termin lieber gleich. Wer doch feiern will, muss in Hessen allerdings Einiges beachten.

Die Coronakrise wirft die Hochzeitspläne etlicher hessischer Paare über den Haufen. Trotzdem heiraten oder lieber verschieben? Was ist überhaupt möglich - und wie kann man den "schönsten Tag des Lebens" dennoch feiern? Eine Übersicht.

Neue Regeln seit dem 11. Juni

In Hessen dürfen sich seit dem 11. Juni 2020 Gruppen von maximal zehn Personen im öffentlichen Raum treffen. Aus wie vielen Haushalten sie stammen, ist dabei unerheblich.

Bei privaten Zusammenkünften unterhalb der Veranstaltungsschwelle entfällt die bisherige Begrenzung auf einen engen privaten Kreis. Dennoch sind die Bürger angehalten, auch im häuslichen Bereich eigenverantwortlich auf eine Begrenzung ihrer persönlichen Kontakte zu achten. Für größere Privatfeiern gelten strenge Vorschriften bezüglich Gästeanzahl und Raumgröße, dokumentierter Gästeliste, Abstands- und Hygieneregeln.

Öffentliche Verhaltensweisen wie beispielsweise Tanzveranstaltungen, die generell dazu geeignet sind, das Abstandsgebot zu gefährden, sind unabhängig von der Personenzahl weiterhin untersagt. Die Wahrnehmung von Kultur- und Bildungsangeboten sowie Zusammenkünfte und Veranstaltungen sind unter engen Voraussetzungen erlaubt. 

Sind Trauungen auf dem Standesamt möglich?

Ja. Standesämter führen Trauungen wieder nach Terminvereinbarung durch. In vielen Bundesländern dürfen auch neue Termine vereinbart werden, so auch in Hessen.

Allerdings gibt es von Standesamt zu Standesamt unterschiedliche Regelungen, wie viele Gäste Zeuge des Ja-Worts sein dürfen. Für eine genaue Abklärung der maximal möglichen Teilnehmerzahl sollten Sie sich daher bei Ihrem zuständigen Standesamt informieren.

Weitere Informationen

Hygieneregeln für Hessen

Um genauere Informationen zu erhalten, sollten Sie sich die Verordnung zur Beschränkung von sozialen Kontakten [PDF - 313kb] samt geltenden Hygieneregeln für Hessen durchlesen. Sie ist am 9. Mai 2020 in Kraft getreten und gilt bis einschließlich 16. August 2020.

Ende der weiteren Informationen

Sind kirchliche Trauungen möglich?

Ja. Gemeinsam vor den Traualtar zu treten ist prinzipiell möglich, da auch Gottesdienste mittlerweile in allen Bundesländern wieder erlaubt sind - allerdings nur mit Abstand. Gäste, die nicht zum gleichen Haushalt gehören, müssen den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten und sollen sich weder die Hand geben, noch umarmen oder küssen.

Zudem wird dringend empfohlen, auf Chorgesang und anderes gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen oder ohne Mindestabstand von mindestens drei Metern zu verzichten; dies gilt gleichermaßen für Vereine wie auch für Proben oder Veranstaltungen.

Die Regelungen für Gottesdienste und kirchliche Trauungen im Einzelnen:

  • Keine Begrenzung der Teilnehmerzahl.
  • Ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen muss eingehalten werden.
  • Vom Mindestabstand ausgenommen sind nur Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben.
  • Kollekten-Körbchen und andere Gegenstände dürfen nicht herumgereicht werden.
  • Desinfektionsmittel müssen zur Verfügung stehen, in Spendern zum Beispiel.
  • Die Regeln müssen am Versammlungsort gut sichtbar über Aushänge bekanntgemacht werden.
  • Weitergehende Auflagen wie das Tragen einer Maske oder den Verzicht auf Gesang macht das Land nicht. Die Religionsgemeinschaften hatten aber zuvor auf Bundesebene angekündigt, solche Schritte von sich aus zu gehen.

Sind Familienfeiern möglich?

Grundsätzlich ja. In Sachen Feiern sind die Regelungen der einzelnen Länder allerdings recht unterschiedlich. In Hessen sind Hochzeitsfeiern seit dem 9. Mai in geschlossenen Räumen wie auch im Freien mit maximal 100 Personen (inklusive Dienstleister, Servicepersonal, Location-Verantwortliche, usw.) erlaubt. Aber auch hier gilt bei Begegnungen mit anderen Menschen ein Abstand von mindestens 1,50 Metern. Zudem sollten Sie eine komplette Gästeliste mit Namen, Anschrift und Telefonnummern führen, die Sie einen Monat lang aufbewahren müssen. Auch Dienstleister müssen dort draufstehen, um eine eventuelle Infektionskette nachvollziehbar machen zu können.

Eine Mund-Nasen-Bedeckung sollten Sie immer dann tragen, wenn Sie sich von Ihrem festgelegten Platz entfernen. Beim Gang auf die Toilette sollten Sie also die Maske aufsetzen oder hoffen, dass das Ordnungsamt nicht genau in diesem Moment vorbeischaut, um zu kontrollieren. Das würde sonst nämlich 50 Euro Strafe pro Gast kosten.

Tanzen werden Sie auf der Hochzeit womöglich auch nicht, da Tanzveranstaltungen per se untersagt sind. Und wenn auf einer Veranstaltung getanzt wird, wird sie automatisch zu einer Tanzveranstaltung und ist somit verboten. Die meisten Locations erlauben daher nur leise Hintergrundmusik, damit die Gäste gar nicht erst in Versuchung kommen, das Tanzbein zu schwingen.

+++ INFO: Der ursprüngliche Artikel bezog sich auf den Stand vom 8. Juni 2020 +++

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 8.6.20, 5-9 Uhr

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