Szene aus Psycho

Eine Frau unter der Dusche, eine Hand mit einem Messer, ein kreischendes Streicher-Stakkato und Blut, das an den Duschvorhang spritzt. Nur wenige Filmszenen haben derart Kinogeschichte geschrieben, wie dieser Mord in Alfred Hitchcocks Meisterwerk "Psycho".

"Iek, iek, iek, iek" - auch 60 Jahre nach der Premiere von "Psycho" am 16. Juni 1960 in New York und am 07. Oktober 1960 in Deutschland jagen diese schrillen, durch Mark und Bein fahrenden Geräusche den Zuschauern eiskalte Schauer über den Rücken.

Eine junge Frau genießt eine Dusche, als plötzlich eine schemenhafte Gestalt auftaucht und mit einem Messer immer wieder auf sie einsticht. Ihr Blut sprudelt in den Abfluss, während sie sich im Todeskampf mit weit aufgerissenen Augen am Duschvorhang festklammert, der dabei von der Stange reißt.

Szene aus Psycho

Die Szene mit Janet Leigh alias Marion Crane ist heute ein Meilenstein der Filmgeschichte und machte den schizophrenen Killer Norman Bates (Anthony Perkins) zur Blaupause des bösen und psychopathischen Schurken. Der bis dato ziemlich unbekannte Schauspieler verkörperte den messerschwingenden Irren so überzeugend, dass er dieses Image nie los wurde. Viele hielten den eher introvertierten Schauspieler tatsächlich für verhaltensauffällig. Das Blut, das man in der berühmten Duschszene sieht, ist übrigens Schokoladensoße. Für Hitchcock wirkte es im Schwarzweiß-Film am echtesten.

Szene aus Psycho

Seinem Schöpfer Alfred Hitchcock brachte der Film das Image des "Horrorfilmers" ein. Generationen von Regisseuren ließen sich von ihm und seinen Werken beeinflussen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch. Er erzählt die Geschichte eines Mannes namens Norman Bates, den der Tod seiner Mutter so traumatisiert hat, dass er immer wieder in ihre Rolle schlüpft.

Hitchcock sicherte sich die Rechte und ließ alle bereits gedruckten Bücher aufkaufen, um die Geschichte geheimzuhalten. Hollywood hielt den Stoff für geschmacklos und wollte ihn nicht finanzieren. Deshalb tat es der Regisseur selbst: Bei Produktionskosten von 800.000 Dollar spielte "Psycho" am Ende 30 Millionen ein.

Szene aus Psycho

Hitchcock ließ seine Crew am ersten Drehtag schwören, kein Wort über das Ende des Films zu verlieren und mit niemandem darüber zu sprechen. Gedreht wurde der Großteil des Films in den Universal Studios. Dort ist noch heute das Haus von Norman Bates und das Bates Motel zu bestaunen. Die Dreharbeiten dauerten nur ein knappes viertel Jahr. Für die legendäre Duschszene nahm sich der Regisseur eine ganze Woche Zeit.

Szene aus Psycho

Ungewöhnlich für einen Film: Sein einziger Star stirbt schon nach dem ersten Drittel. Janet Leigh war das populärste Gesicht des Ensembles. Sie hatte in den 50er Jahren bereits einige Leinwanderfolge gefeiert und war mit Hollywood-Star Tony Curtis verheiratet.

Über die Dreharbeiten berichtete sie später, dass Hitchcock heimlich verschiedene Puppen der mumifizierten Mutter in ihrem Wohnwagen zum "Casting" versteckt habe: Die, bei der die Actrice am lautesten schrie, bekam die Rolle. Außerdem hätte Leigh nach dem Film lange nicht duschen können und lieber ein Bad genommen, als sich in eine Duschkabine zu stellen.

Alfred Hitchcock beim Dreh zu "Psycho".

1961 wurde "Psycho“ für vier Oscars nominiert, ging aber leer aus. Auch im fünften Anlauf blieb Hitchcock somit die Trophäe verwehrt. Erst 1968 erhielt er einen Ehren-Oscar, den er mit einem müden "Thank you" quittierte. Die Ehrungen folgten erst nach dem Tode des Regie-Genies im Jahr 1980. 1992 wurde "Psycho" für "kulturell bedeutsam und besonders erhaltenswert" befunden und in die National Film Registry aufgenommen. 2001 wurde der Film vom renommierten Amerikanischen Filminstitut (AFI) zum aufregendsten Hollywood-Thriller aller Zeiten gewählt.

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Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 7.10.2020, 5-9 Uhr

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