Schauspieler Al Pacino im Jahr 2020

Der New Yorker Schauspieler mit sizilianischen Wurzeln ist weltbekannt für seine stark überzogenen Charakterrollen. Er mimte Gangster, korrupte Polizisten und viele weitere zwielichtige Gestalten - denn das kann er richtig gut. Nun wird der Oscar-Preisträger 80 Jahre alt. Wir erinnern an fünf Rollen, mit denen Al Pacino sein Publikum nachhaltig beeindruckte.

1. "Carlito's Way" von 1993

Al Pacino (li.) in "Carlito's Way"

In Brian de Palmas weitgehend unterschätztem Gangster-Meisterwerk trumpft Al Pacino groß auf. Er mimt den puerto-ricanischen Ex-Mafioso Carlito Brigante, der nach fünf Jahren Gefängnis von seinem findigen Anwalt David Kleinfeld (ebenfalls großartig: Sean Penn, re.) rausgeboxt wird. Pacino gelingt ein mitreißendes Charakterporträt eines Drogendealers, der gerne ehrenwert wäre, aber einfach nicht aus seiner Haut kann und immer wieder in alte Muster zurückfällt. Pacino ist pathetisch und strotzt nur so vor Kraft - und doch wird er brechen. Ein episches Drama im Stil der alten Gangster-Schule.

2. "Heat" von 1995

Al Pacino (li.) in "Heat".

Ein großer Moment der Kinogeschichte: Mitte der 90er sind die beiden Hollywood-Legenden Al Pacino und Robert De Niro das erste Mal gemeinsam in einem Film auf der Leinwand zu sehen. In dem Kriminalfilm von Michael Mann spielt Pacino (li.) den hitzköpfigern und exzentrischen Polizeiermittler Vincent Hanna, der gnadenlos Jagd auf den Berufsverbrecher Neil McCauley (De Niro) macht. Pacino beeindruckt einmal mehr durch eine komplexe, von ihrem Ehrgeiz getriebene Figur, die für ihren Job alles tut und dafür privat einfach scheitern muss. Absolut sehenswert!

3. "Insider" von 1999

Al Pacino (re.) und Russell Crowe

Al Pacino und Schauspielkollege Russell Crowe beeindrucken in Michael Manns Meisterwerk "Insider" gleichermaßen: Pacino spielt den TV-Produzenten Lowell Bergman, der die Politsendung "60 Minutes" brillant leitet. Crowe hingegen mimt den Tabakkonzern-Insider Jeffrey Wigand, der viel aus dem schmutzigen Nähkästchen des Konzerns auszuplaudern hat und mit Bergman einen TV-Coup landen will. Im Laufe des Films gerät Pacino immer mehr zwischen die Fronten der Tabakkonzerne und der Gerichte, die diesen Streit entscheiden sollen. Pacino glänzt durch Charisma und zaubert eine Überraschung nach der anderen aus dem Hut. Die spannende Geschichte beruht im Übrigen auf wahren Begebenheiten.

4. "Scarface" von 1983

Al Pacino in "Scarface"

"Say hello to my little friend!" - Mit Tony Montana schenkte Pacino dem Kinopublikum eine weitere ikonische Figur seiner Karriere. Durch seine proletenhafte Präsenz, seinen Slang und seine Furchtlosigkeit wird die Geschichte um einen kubanischen Einwanderer, der es vom Tellerwäscher zum Boss eines gigantischen Drogenimperiums schafft, zum echten Highlight. Dank Pacino avancierte das Remake des gleichnamigen Klassikers von 1932 letztlich sogar zum Kultfilm: Tony Montana schnupft pausenlos Koks, hat das Maschinengewehr ständig im Anschlag und vertaut nur auf sein loses Mundwerk.

5. "Der Pate", Teil I bis III, von 1972, 1974, 1990

Der Pate II

Die Mafia-Trilogie von Regisseur Francis Ford Coppola beeidruckt mit einem exzellenten Al Pacino als tragischem Anti-Helden. Der Zuschauer taucht in die eigentümliche Welt der Mafia ein, durchlebt ihre Widersprüchlichkeiten, ihre Brüche und ihre brutalen Gesetze am Rande und außerhalb der Legalität. Pacinos größter Auftritt gelingt ihm in "Der Pate II", in dem er als Michael Corleone zwischen der Liebe zu seiner Familie und dem, was er von seinem Vater gelernt hat, einen eigenen Weg sucht, der ihn zwangsläufig in die Einsamkeit führt.

Pacino über seine schlechten Filme: "Man überredet sich selbst dazu"

Für seine Rolle als verbitterten und erblindeten Lieutenant Colonel Frank Slade erhielt er in der Literaturverfilmung "Der Duft der Frauen" 1992 seinen ersten und bislang einzigen Oscar als bester Hauptdarsteller. In seiner Karriere nahm Pacino aber auch Rollen in Filmen an, die floppten. Für seine Nebenrolle in Adam Sandlers grotesker Komödie "Jack und Jill" gewann Pacino sogar die "Goldene Himbeere". An Filme wie "Hangman", "88 Minuten" oder "Ein Cop mit dunkler Vergangenheit" erinnert sich kaum jemand, weil sie keinen Erfolg hatten.

In einem Interview erklärte Pacino einst, weshalb er trotz so manch grausigem Drehbuch die Rolle am Ende dennoch annahm und seine kostbare Zeit mit schlechten Filmen verschwendet habe: "Ich denke, es wird zu einer schlechten Angewohnheit. Ich denke, ich werde ein wenig pervers. Ich möchte diese Filme machen, die nicht wirklich sehr gut sind, und versuchen, sie besser zu machen. Das wird zu meiner Herausforderung", so Pacino.

Zudem gehe er in eine Rolle nicht mit dem Gedanken rein, dass es nicht sehr gut werden würde. Es sei eher so, wie sein Schauspielkollege und Freund Robert De Niro einst sagte: "Manchmal bieten sie dir Geld für etwas an, was nicht adäquat ist. Und man überredet sich selbst dazu. Und irgendwo tief drin weiß man, dass dieses Ding ein Reinfall werden wird. Aber dann, wenn sich der Kreis schließt, sieht man es und sagt: 'Oh, nein. Ich werde es besser machen', so Pacino weiter. In solch einer Situation hoffe man als Darsteller, einen Film "zumindest mittelmäßig machen zu können" und dann freue man sich schon darüber. "Es ist ein Impuls, von dem ich mich lösen muss."

Sendung: hr1, hr1 am Samstagmorgen, 25.4.2020, 6-9 Uhr

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