Wie war das? Insider-Sprache versteht nicht jeder.

Oft gibt es in der Familie kuriose Wörter und Redensarten, die nur Insider verstehen. Diese "Geheimsprache" stärkt das Wir-Gefühl innerhalb einer Gemeinschaft, behauptet eine Sprachexpertin. Hier kommen die schrägsten Insider-Begriffe unserer hr1-Hörer*innen.

Außenstehende verstehen bei bestimmten Insider-Begriffen und erfundenden Redensarten meist nur Bahnhof. Ideengeber solcher Insider-Begriffe sind oft Kinder, die Worte durcheinander würfeln oder nach ihrer kindlichen Logik neu formen. Doch auch Erwachsene lassen sich so manch lustige Wortkreation einfallen, um etwa einen Alltagsgegenstand oder eine Handlung zu umschreiben.

"Gehackter Hund", "Schmopfi", "Pissikowski"

Ein paar Beispiele gefällig? Ein "Huschmich" ist ein unheimlicher Einsiedler, eine "Geschirrschleuder" ein neu erfundenes Synonym für eine Spülmaschine. Hunde im Alter werden wegen ihrer schwächelnden Blase in so mancher Familie hingegen auch gerne "Pissikowski" genannt. Und ein "Gehackter Hund" steht für eine Cola-Apfelsaft-Mischung. "Genscher-Babys" sind dicke Kinder - allerdings ohne gelben Pollunder, ein "Schmopfi" ist die verniedlichte Form eines Dummkopfs.

"Das schafft Identität und Nähe"

Eine solche Insider-Sprache ist wichtig, denn "Insider-Begriffe können Gruppenidentität und Nähe schaffen", erläutert Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion, und ergänzt: "Sie haben eine ganz stark emotionale Komponente." Doch damit nicht genug: Mit Insider-Begriffen lassen sich auch Schimpfwörter ganz einfach "verhüllen" und netter verpacken: "Du kleine Lügtüte" klingt freundlicher als der damit gemeinte Lügner.

Auch Kinder prägen Begriffe, die sich jahrzehntelang halten, weiß Kunkel-Razum. Bei ihrem Sohn war es der "Lalalu" für den Schlafanzug oder das "Lulau" für ein Flugzeug. "Solche Sachen halten sich lange und werden mit gewisser Ironie auch noch dem 25-Jährigen untergejubelt."

Ihre Beispiele auf hr1-Facebook im Überblick

Auch wir von hr1 haben über hr1-Facebook viele Kommentare unserer Hörer*innen gesammelt, die uns mitteilten, welche Insider-Begriffe in ihren Familien kursieren. Hier ein kleiner hessischer Querschnitt:

  • "Tock-Tock-Schinken": Roher Schinken, der über die vorgesehene Liegezeit hinaus in der Wurstbox geschlummert hat und mittlerweile so hart ist, dass er beim Auftreffen auf die Tischplatte das Geräusch "tock" macht. "Tock-tock" deshalb, "weil man wie ein Richter damit wiederholt auf die Tischplatte klopfen kann, um darauf aufmerksam zu machen, dass frische Wurst gekauft werden muss", erläuterte uns hr1-Hörer Jens Goetzke.
  • "Geht, kann zum TÜV": Wenn ein Autofahrer aus unerklärlichen Gründen auf der Straße hupt, sagt hr1-Hörer Sven Habelt diesen Satz.
  • "Drückerli" oder "die Macht": Für hr1-Hörerin Mel Aro ein anderes Wort für die TV-Fernbedienung.
  • "Happened Tomatoes": Dieser Begriff steht oft auf dem Einkaufszettel von hr1-Hörerin Bettina Gutwenger. Gemeint sind "passierte Tomaten".
  • "Betriebshure": Eine uralte Winterjacke, die alle getragen haben, die mit dem Hund Gassi gegangen sind. Dieser Begriff stammt aus dem Haus von hr1-Hörerin Kerstin Sieck.
  • "Der Schimanski": hr1-Hörerin Kalea Ardenna verbindet diesen Begriff mit einer furchtbar unförmigen Übergangsjacke ihres Vaters aus den 80er Jahren, die immer mit in den Urlaub musste. Herrlich!
  • "Durchzockeln": Das Haus oder die Wohnung durchwischen. So spricht man bei hr1-Hörerin Anke Allendörfer.
  • "Das Nettleis kocht Kaffee": hr1-Hörerin Metlem Ubl erzählte uns dazu folgende Geschichte: "Das hat die Oma meiner Schwester und mir immer erzählt, wenn besonders viel Nebel war. Nettleis sollte eine Hexe im Wald sein. Wir benutzen diesen Satz immer noch, sobald es neblig ist."
  • "Hier fehlt die Strichelierung": Fehlende Fahrbahnmarkierung aus dem Haus von hr1-Hörerin Elvira Manns.
  • "Schmupu": Damit ist der günstige Schokopudding mit Sahnehaube gemeint, den es überall im Supermarkt gibt. Irgendwann hat hr1-Hörerin Lisa Jones ihn "schmuddeligen Puddeling" genannt und Schmupu ist die kinderohrensichere Abkürzung.
  • "Froschpipi": Ein anderes Wort für Waldmeister-Limo aus dem Haus von hr1-Hörer Jens T Roost.
  • "Frau Basel": Das alte Navigationssystem von hr1-Hörerin Christine Grieb hieß so. Bei dem hatte sie stets das Gefühl, dass alle Wege nach Basel führen. Da sie aber nie nach Basel wollte, wurde es ersetzt.
  • "Die Bing": Steht für das Wort Mikrowelle im Haus von hr1-Hörerin Gerlinde Wick.
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Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 21.10.20, 9-12 Uhr

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