Migräne Kopfschmerzen
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Für die meisten Betroffenen ist sie ein richtiger Knock-Out: Migräne kann mehrere Tage bleiben und beschränkt sich meist nicht nur auf Kopfschmerzen. Am stärksten verbreitet ist die Krankheit in Industrienationen.

Frauen trifft die Migräne deutlich häufiger als Männer: In Deutschland leiden rund zwölf bis 14 Prozent der weiblichen und sechs bis acht Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung darunter - und auch fünf Prozent der Kinder bis zur Pubertät sind davon betroffen. Besonders ausgeprägt ist die Krankheit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

Symptome und Unterschiede

Wer unter einer Migräne leidet hat meist nicht nur mit Kopfschmerzen, sondern einer ganzen Reihe von Beschwerden zu kämpfen. Die Erkrankung durchläuft in der Regel verschiedene Phasen, die von ihrer Ausprägung und ihrem Typ abhängig sind.

Los geht es oft mit den Vorboten Müdigkeit, häufigem Gähnen und Geräuschempfindlichkeit. Die treten wenige Stunden bis wenige Tage vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auf. Auch Verstopfung oder Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel können in diesen Momenten auftreten. Danach gehen rund 20 Prozent der Patienten in die sogenannte Auraphase über, bei der neurologische Störungen oder sogar Ausfälle auftreten können. Möglich sind Kribbeln auf der Haut, eingeschränktes Geruchsempfinden und eingeschränktes Sehvermögen.

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Bis zu drei Tage kann schließlich der später auftretende Kopfschmerz anhalten. Er tritt meist nur halbseitig auf, ist pulsierend und bewegt sich im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge. Körperliche Betätigung intesiviert den Schmerz. Da auch Geräusch- und Lichtempfindlichkeit (Phono- und Photophobie) auftreten, schaffen sich Erkrankte zur Linderung ein ruhiges und dunkles Umfeld. Weitere Symptome in dieser Phase sind häufig Appetitlosigkeit und Übelkeit, sowie seltener Erbrechen Geruchsempfindlichkeit und Schwindel.

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Typen der Migräne

  • Gewöhnliche Migräne: Bis zu 85 Prozent der Patienten leiden unter dieser Form, die mit halbseitigem Kopfschmerz, sowie Phono- und/oder Photophobie einhergeht. Sie hat keine Auraphase und steht bei Frauen oft in Zusammenhang mit der Menstruation.
  • Klassische Migräne: Dieser Typ kann in zahlreichen Spielarten daherkommen, ist aber immer geprägt vom Auftreten der Aura. Vor dem Eintreten der Kopfschmerzen sind visuelle Störungen oder Ausfälle das häufigste Phänomen, bis hin zu motorischen Störungen und Sprachproblemen. Die Aura hält etwa fünf bis 60 Minuten an und ist danach vollständig aufgehoben.
  • Basilarismigräne: Auch hier gibt es eine auratische Phase, die allerdings sehr stark ausgeprägt ist. Zu den üblichen Symptomen kommen Bewusstseinstörungen, Schwindel oder sogar Tinnitus und vollständige Lähmung. Der Kopfschmerz ist dabei meistens beidseitig.
  • "Wochenendmigräne": Eigentlich ausgelöst durch lang anhaltenden Stress, tritt diese Migräne erst in einer Entspannungsphase auf.
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Therapie

Ein Heilmittel für die Migräne ist derzeit noch nicht bekannt, die Krankheit kann aber akut und prophylaktisch behandelt werden. Analgetika wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac helfen im akuten Fall eines leichten bis mittleren Anfalls. Auch Acetylsalicylsäure (ASS) und eine Reihe anderer Schmerzmittel werden eingesetzt. Um die Schwere und Häufigkeit der Migräne zu mindern, kann aber auch schon vor ihrem Auftreten zu verschiedenen Methoden und Mitteln gegriffen werden. Betablocker wie Metoprolol, Antiepileptika oder auch ein Antidepressivum kommen hier aufs Rezept. Auch die Akupunktur soll gute Wirkungen bei der Migräneprophylaxe erzielt haben.

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Historische Migränetherapie

Recht abenteuerlich liest sich der geschichtliche Abriss zur Erforschung und Behandlung der Migräne. Bereits 8500 v. Chr. sollen die Menschen mit chirurgischen Schädelöffnungen die Krankheit angegangen haben, wie Funde aus dieser Zeit belegen. Ziel war es wohl Dämonen durch die Schädeldecke entweichen zu lassen. Im Alten Ägypten später beschäftigte man sich bereits näher mit der Krankheit und versuchte ihr mit verschiedenen Mitteln wie der Asche eines Wels-Skelettes beizukommen.
Auch griechische Gelehrte wie Hippokrates erkannten die Erkrankung und dokumentierten die Symptome sehr genau. Der Arzt Galenos erfand schließlich den Begriff "hemicrania", der halbseitigen Kopfschmerz beschreibt und der Bezeichnung "Migräne" vorausgeht.
Erst nach dem Mittelalter wurde die Beteiligung von Hirn-Arterien an der Migräne entdeckt. Zu dieser Zeit gehörten unter anderem Fingerhut und Tollkirsche - hochgiftige Gewächse - zur Therapie eingesetzt. Giftig ist allerdings auch das Mutterkorn, das Ende des 19. Jahrhunderts als Basis für ein echtes Migräneheilmittel entdeckt wurde und dessen Wirkstoff Ergotamin noch heute Verwendung findet.

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Trepanation
Ein jungsteinzeitlicher Schädel mit Trepanationen (chirurgischen Schädelöffnungen) - gefunden in Raßnitz bei Halle an der Saale. Bild © Imago

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 11. Juli 2018, 10 Uhr

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