Kindchenschema

Gewisse Körpermerkmale lösen beim Menschen und auch bei bestimmten Primaten-Arten positive Gefühlsreaktionen wie Zuwendung und Mitgefühl aus. In manchen Fällen veranlassen sie sogar ein Betreuungs- und Pflegebedürfnis.

Die besonderen Charakteristika des Kindchenschemas sind ein vergleichsweise großer Kopf mit ausgeprägter Stirnwölbung und rundem Hinterkopf. Hinzu kommen große, tief angeordnete Augen, ein kleiner Nasen- und Kinnbereich, kurze Extremitäten sowie unbeholfene Bewegungen. Große, füllige "Pausbacken" runden das Bild ab.

Kindchenschema in der Werbung und in Comics

Das Kindchenschema wurde vom österreichischen Zoologen Konrad Lorenz beschrieben und als Beispiel für einen angeborenen, auslösenden Mechanismus (AAM) beim Menschen betrachtet. In diesem Fall steht der angeborene, auslösende Mechanismus für Brutpflege und Beschützerinstinkt.

Diese Signale haben eine so starke Wirkung, dass sie sogar artenübergreifend funktionieren. Denn wir finden nicht nur menschliche Babys niedlich und süß, sondern auch Tierbabys. Ein endgültiger Beweis für Lorenz' Theorie fehlt jedoch bis heute.

Fakt ist, dass die Wirkung des Kindchenschemas in der Werbung ebenso genutzt wird wie bei Spielzeugfabrikationen (Puppen, Kuscheltiere) und Comic-Zeichnungen wie den japanischen Mangas oder Disney-Trickfiguren. Dadurch soll eine positive Gefühlsreaktion hervorgerufen und so die Kaufbereitschaft gesteigert werden.

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Die Merkmale des Kindchenschemas

  • Großer Kopf
  • Große, dominante, gewölbte Stirn
  • Relativ weit unten liegende Gesichtsmerkmale (Augen, Nase, Mund)
  • Große, runde Augen
  • Kleine, kurze Nase
  • Runde Wangen
  • Kleiner, zierlicher Unterkiefer
  • Kleines Kinn
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Positive Gefühlsreaktionen bei Tieren

Positive Gefühlsreaktionen können sich aber auch auf Lebewesen richten, die diese Merkmale zufällig zeigen. So weckt das Rotkehlchen mehr Sympathie als die Amsel, die Wüstenspringmaus oder das Zwergkaninchen mehr als der Feldhase, der Pekinese oder Yorkshire-Terrier mehr als der Jagdhund.

Bei Spielzeug und anderen Produkten wird das Kindchenschema oft durch übernormale Auslöser genutzt; so werden die runden Backen und großen Augen bei Puppen stark übertrieben. Das "niedliche Hündchen" mit großem Kopf, rundlichen Körperformen und dicken Pfoten wirkt süß, tolpatschig und hilfsbedürftig.

Sendung: hr1 am Sonntagmorgen, 10.11.19, 6-10 Uhr

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