Kind mit Pflegeeltern
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Häusliche Gewalt, Vernachlässigung oder Armut: Aus verschiedenen Gründen können Kinder in die Obhut des Jugendamtes gelangen. Von dort sollen sie bevorzugt in Pflegefamilien integriert werden, doch diese sind rar. Wie Sie selbst zu Pflegeeltern werden können, erfahren Sie hier.

Pflegekinder sind Kinder mit zwei Familien. Damit werden sie auch nach Jahren im neuen Umfeld besondere Familienmitglieder bleiben. Dennoch, so Jugendämter und Vermittlungsdienste, bereitet das Leben mit ihnen viel Freude. Das Ziel für Kinder und leibliche Eltern ist aber immer eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie, sofern möglich.

Wichtigster Faktor: Motivation

Wenn sich potentielle Pflegeeltern über diesen Umstand im Klaren sind und sich auch sonst intensiv mit der Aufnahme eines Kindes beschäftigt haben, ist der vielleicht wichtigste Schritt dafür schon getan. Die Vermittler fordern eine ehrliche und selbstkritische Auseinandersetzung mit den eigenen Beweggründen. Auch in schwierigen Zeiten darf die Motivation nicht nachlassen.

Umfangreiche Voraussetzungen

Ob Familien, Singles, kinderlose, verheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare - jeder kann ein Pflegekind bei sich aufnehmen. Wichtig ist dabei vor allem ein altersgerechtes Eltern-Kind-Verhältnis. Neben der richtigen Motivation gibt es noch eine Reihe weiterer Voraussetzungen für die Pflegeelternschaft:

  • Pflegeeltern müssen verschiedene Schriftstücke vorlegen können zu Gedanken bezüglich der Aufnahme eines Kindes und zur eigenen wirtschaftlichen Lage. Trotz der Pflege-Bezüge sollten sie mit ihrem Einkommen unabhängig sein.
  • Neben einem "sauberen" polizeilichen Führungszeugnis muss auch ein Gesundheitszeugnis vorhanden sein. Der gesundheitliche Zustand der Eltern darf die Erziehung des Kindes nicht beeinträchtigen.
  • Kinder brauchen Platz zum Spielen und Lernen. Ausreichend Wohnraum für das neue Familienmitglied ist also dringend erforderlich. Je nach Alter sollte das Kind auch sein eigenes Zimmer haben.
  • Erfahrung mit Kindern ist definitiv von Vorteil für eine erfolgreiche Integration. Wichtig ist auch ein gutes Verhältnis zu den leiblichen Eltern und eine gute Kooperation mit dem Jugendamt.
  • Bei Familien sollte das Pflegekind immer das jüngste sein, um Konkurrenzdenken unter den Kindern zu minimieren. Vor der Aufnahme sollten die anderen Kinder eingehend informiert werden und damit einverstanden sein.
  • Ein Pflegekind braucht viel Zeit und Zuwendung. Seine wichtigste Bezugsperson sollte daher am Anfang nur eingeschränkt oder gar nicht berufstätig sein.
Weitere Informationen

Weitere Infos

Wer Interesse an der Aufnahme eines Pflegekindes hat, wendet sich in der Regel an das ansässige Jugendamt. Dort gibt es weiterführende Informationen und Hilfe auf dem ganzen Weg. Weitere Anlaufstellen finden Sie hier:

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Pflegefamilie besser als Heim

Der Hintergrund der Kinder und die zu erwartende Arbeit sind oft abschreckende Gründe gegen die Aufnahme eines Pflegekindes. Aber Pflegeeltern werden dringend gebraucht. 2016 befanden sich rund 90.000 Kinder in Vollzeitpflege, während 140.000 nur in Heimen untergebracht waren. Eine Integration der Kinder in einen geregelten Alltag und eine funktionale Familie ist aber aus verschiedenen Gründen die bessere Lösung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neue Eltern für Sarah

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Die Entwicklungschancen von Kindern in Pflegefamilien sind deutlich besser als in Heimen. Dort ist ein Kind nur eins unter Vielen, wogegen ihm Pflegeeltern individuelle Betreuung bieten. Die neue Sicherheit und die verbesserte Möglichkeit zur Bindung sollen Sicherheit geben und helfen, Vertrauen zu entwickeln. Gerade Kinder mit einem schwierigen Hintergrund und erkennbaren Entwicklungsverzögerungen brauchen diese besondere Zuwendung.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 21. Mai 2019, 9 Uhr

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