Symbolbild für Klimaschutz

Lutz Weiler, Bauunternehmer und Architekt aus Offenbach, erprobt derzeit seine regelrecht wegweisende Erfindung: Eine ganz spezielle Asphaltmischung, die auf natürliche Weise das Klima in unseren Städten verbessern soll und sogar Hochwasser eindämmen kann.

Lutz Weiler, Erfinder des klimafreundlichen Asphalts.

"Wir brauchen Radwege, Straßen und Plätze in unseren Städten. Aber wir dürfen den natürlichen Kreislauf nicht so sehr stören", sagt Lutz Weiler, Inhaber der Straßenbaufirma "Asphaltbau und Mischwerke GmbH" in Offenbach. Als umweltbewusster Architekt und Diplom-Ingenieur ist Weiler der Ansicht, "dass auch der Straßenbau auf den Klimawandel Antworten finden muss."

Test-Asphalt in der Oberen Grenzstraße in Offenbach

Er hat eine wahrscheinlich wegweisende Antwort gefunden: den "KlimaPhalt" - ein heller Asphalt, der wasserdurchlässig ist, zugleich aber auch Wasser speichert und Verdunstungskälte produziert. Kurzum: Dieser Straßenbelag funktioniert wie ein Feld und vermindert durch seine Zusammensetzung zudem die Gefahr von Hochwasser.

Inspiriert von den Töchtern

Im Jahr 1962, als Vater Wilhelm Friedrich Weiler das mittelständische Unternehmen in der damals noch eigenständigen Gemeinde Harheim gegründet hatte, war Umweltschutz noch kein Thema. Dass sich der Sohn fast 60 Jahre später dem Klimaschutz verschrieb, verdankt Weiler seiner Familie.

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zum hessenschau.de Video Neuer Asphalt sorgt für Abkühlung

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"Ich habe mit meinen Töchtern viel über 'Fridays for Future' diskutiert und meine ältere Tochter hat ihren Master of Science in 'Erneuerbaren Energien' gemacht. Die hat mir da eine Menge Fachwissen um die Ohren gehauen", erzählt Lutz Weiler und ergänzt mit einem Lachen: "Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen." Deshalb hat sich der Vater fast zwei Jahre lang in die komplexe Materie aus Energietechnik, Werkstoffkunde, Wirtschaft und weiteren Disziplinen eingelesen.

Vulkangestein sorgt für Durchlässigkeit

Die Fleißarbeit lohnte sich. Denn nach monatelangem Experimentieren mit Baustoffen im Labor war seine Erfindung testreif. Der Trick seines "KlimaPhalts": Der neue Asphalt enthält Vulkangestein. Weil das porös ist, kann das Wasser schnell eindringen und gut gespeichert werden.

So sehen die einzelnen Schichten des "KlimaPhalts" aus.

Auf einer kurzen Teststrecke in der Oberen Grenzstraße in Offenbach wird derzeit erprobt, ob der Belag alltagstauglich ist. Die Offenbacher Stadtwerke sind mit an Bord und dokumentieren, ob und wie sich der Belag im Dauereinsatz in der Struktur verändert und welche Auswirkungen unterschiedliche Witterungsverhältnisse wie Hitze und Frost haben. In drei bis fünf Jahren können die Experten anhand der gesammelten Testergebnisse auswerten, ob sich Weilers Erfindung tatsächlich bewährt.

Vom Straßenbelag zum Dach

Für Lutz Weiler ist das kein Grund zu verweilen. Er tüftelt schon an seiner nächsten Erfindung: helle Dächer mit Farben, die die Sonne reflektieren. "Schwarze Dächer heizen sich zu stark auf. Das führt in Großstädten allein schon durch die Farbe zu einer extremen Temperaturerhöhung und Erhitzung", erklärt der hessische Unternehmer, der sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 14.7.2020, 5-9 Uhr

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