Menthol-Zigaretten, Raucher

Ab dem 20. Mai werden laut EU-Tabakrichtlinie in 27 Staaten ausnahmslos alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen verboten. Und das aus gutem Grund - wir verraten, wieso.

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Vince Ebert
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Mentholzigaretten gelten aufgrund ihres erfrischenden, aromatischen Zusatzstoffes gemeinhin als beliebte "Einstiegs-Zigaretten" bei Jugendlichen. Sie sind allerdings besonders tückisch, da sie laut einer repräsentativen US-Studie die Gefahr von Schlaganfällen stark erhöhen. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme für Gesundheit und Ernährung von 2012 zeigt: Mentholraucher haben im Vergleich zu anderen Rauchern ein doppelt so hohes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Erleichtert der Kühl-Effekt das Inhalieren?

Dabei sollte jedem Raucher grundsätzlich klar sein, dass Rauchen an sich schon das Risiko eines Schlaganfalls bereits verdoppelt. "Bei Mentholrauchern vervierfacht es sich also, im Vergleich zu Nichtrauchern", sagt auch Max Nedelmann, Leitender Neurologe in der Universitätsklinik Gießen.

Wissenschaftler vermuten, dass das Inhalieren der Schlüssel ist. Der kühlende Effekt des Menthols hemmt normale Atemreflexe und führt dazu, dass Raucher den Qualm länger in der Lunge behalten können. "Das wiederum könnte auch das Schlaganfallrisiko erhöhen", argumentiert der kanadische Forscher und Mediziner Nicholas Vozoris. Möglicherweise beeinflusse Menthol auch die Blutgefäße, die zum Gehirn führen.

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Auch andere Zigaretten vom Verbot betroffen

Nicht nur Menthol-Zigaretten sind von dem Verbot betroffen. Es bezieht sich auf alle Tabakprodukte, die "ein charakteristisches Aroma haben oder die Aromastoffe in ihren Bestandteilen enthalten oder technische Merkmale aufweisen, mit denen sich der Geruch oder die Geschmacks- oder Rauchintensität verändern lassen". Was konkret bedeutet, dass auch Menthol-Tabak und -Tabaksticks vom Markt verschwinden werden. 

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Die Forschung glaubt, dass Menthol als schwaches Lokalanästhetikum die Inhalation des Tabakrauches zusätzlich erleichtert. Menthol wirkt am Kälte-Menthol-Rezeptor, daher entsteht durch den kühlenden Effekt und die Reizung der nasalen Kälterezeptoren das Gefühl einer erleichterten Atmung.

Raucher zwei bis viermal anfälliger für Herzerkrankungen

Auf das sonstige Herz- und Gefäßsystem haben Menthol-Zigaretten laut Studie keine schlimmeren Auswirkungen als gewöhnliche Zigaretten. Das heißt aber nicht, dass Raucher kein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten haben. Laut dem U.S. Center for Disease Control sind alle Raucher zwei bis viermal anfälliger für Erkrankungen der Herzkranzgefäße als Nichtraucher. Weitere Informationen zur Wirkung von Menthol in Tabakprodukten finden Sie in einer Übersicht des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Nur noch wenig Mentholraucher in Deutschland

Laut deutschem Zigarettenverband (DZV) sind die Marktanteile von Menthol-Zigaretten in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich: Die USA habe einen stark etablierten Menthol-Markt (ca. 28 bis 34 Prozent Marktanteil). In Europa sei diese Zigarettensorte besonders in Polen und Finnland beliebt (je ca. 24 Prozent Marktanteil), während sie in Griechenland so gut wie niemand raucht (0,1 Prozent). In Deutschland sei der Marktanteil von Menthol-Zigaretten mittlerweile stabil auf einem niedrigen Niveau unter drei Prozent.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 20.05.20, 5-9 Uhr

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